Fußball
Eintracht "im tiefen Tal": Krösches schwierige Trainersuche

Den Trainer entlassen und drei Tage später das Aus in der Champions League: Eintrachts Sportvorstand Markus Krösche hat es derzeit nicht leicht. Für das nächste Spiel gibt es schon eine Entscheidung.

Baku.

Das verbeulte Gesicht von Rasmus Kristensen stand sinnbildlich für den aktuellen Zustand von Eintracht Frankfurt. Mit einer gebrochenen Nase und zwei Veilchen unter den Augen stand der dänische Nationalspieler ratlos vor den Journalisten und versuchte, Erklärungen für den schmerzhaften Last-Minute-K.o. in der eisigen Kälte von Baku zu finden.

Kein Trainer, keine Stabilität und nun auch noch das vorzeitige Aus in der Champions League: Der Traditionsclub aus Hessen wankt aktuell so stark wie seit langem nicht mehr - und hat sich auch im ersten Spiel nach dem Aus von Dino Toppmöller überhaupt nicht stabilisieren können.

Krösche: "Immer die gleichen Fehler"

"Es ist ein tiefes Tal, das wir gemeinsam durchschreiten müssen. Du merkst natürlich die mentale Verfassung der Jungs, dass ihnen Selbstvertrauen und Sicherheit fehlt", sagte Sportvorstand Markus Krösche nach dem alarmierenden 2:3 in Aserbaidschan bei Außenseiter FK Karabach Agdam. "Wir machen momentan immer die gleichen Fehler, das ist sehr bitter."

Nach der Trennung von Toppmöller muss Krösche profilierten Trainern die Schießbude des deutschen Profifußballs schmackhaft machen. Schnell scheint das nicht zu gehen, weshalb Interimstrainer Dennis Schmitt und Assistent Alex Meier das Team auch am Samstag (15.30 Uhr) gegen die TSG Hoffenheim betreuen werden. "Bis auf Weiteres ist das Trainerteam erst mal in der Verantwortung. Alles andere wird man sehen", sagte Krösche in Baku.

Dennis Schmitt soll auch gegen Hoffenheim an der Seitenlinie stehen.
Dennis Schmitt soll auch gegen Hoffenheim an der Seitenlinie stehen. Bild: Marc Schüler/dpa

Rose, Jaissle oder eine Überraschung?

Die Nachfolgersuche nach zweieinhalb erfolgreichen Jahren unter Toppmöller gestaltet sich schwierig. Das Profil hat Krösche deutlich umrissen. "Wir haben das Ziel, international zu spielen. Wir wollen jemanden als Trainer verpflichten, der natürlich offensiven Fußball und auch mutigen Fußball spielen lässt, und andererseits auch in der Lage ist, Spieler weiterzuentwickeln", schilderte der Funktionär, der mehr denn je in der Verantwortung steht.

Als Top-Kandidaten gelten derzeit Marco Rose und Matthias Jaissle. Rose ist auch nach seiner Entlassung im März 2025 noch bei RB Leipzig unter Vertrag und dürfte eine kleine Ablösesumme kosten. Jaissle ist derzeit bei Al-Ahli in Saudi-Arabien gebunden. Der ehemalige Dortmund-Trainer Edin Terzić sowie der jüngst bei Real Madrid geschasste Xabi Alonso kommen eher nicht infrage. Das dürfte auch für den 74 Jahre alten Louis van Gaal gelten.

Drei Gegentore in jedem Spiel

Egal, wer übernimmt: Die Aufgabe ist heikel. Frankfurt kassierte in allen vier Pflichtspielen 2026 drei Tore. Mit 39 Gegentreffern in der Bundesliga und 19 in der Champions League sind die Hessen in beiden Wettbewerben unrühmliches Schlusslicht. 

"Es ist einfach nicht gut genug. Es sind einfach persönliche Fehler, heute von meiner Seite", sagte Kristensen. Es liege nicht an der Qualität der Spieler, sondern am "mentalen Zustand", stellte der Verteidiger ernüchtert fest.

Ähnlich sieht es auch Ansgar Knauff, der bei der Eintracht schon einige Aufs und Abs mitgemacht hat. "Das kann nicht sein, dass wir wieder so spät zwei Gegentore bekommen. Wir kriegen jedes Spiel drei Gegentore. Dann wird es einfach schwer, Spiele zu gewinnen", sagte der Offensivspieler nach dem Tiefschlag von Baku, der in der vierten Minute der Nachspielzeit mit der letzten Chance des Spiels erfolgte. Die Tore von Can Uzun und Fares Chaibi blieben wertlos.

Interimstrainer: "Geht nicht um mich"

Während Außenseiter Agdam auf eine Fortsetzung in der Königsklasse hoffen darf, geht es für die Eintracht am nächsten Mittwoch (21.00 Uhr) gegen Tottenham nur noch um einen versöhnlichen Königsklassen-Abschied. Zu schlecht liefen die ersten sieben Spiele.

Ob U21-Trainer Schmitt und Fanliebling Meier dann noch die Verantwortung haben, ist offen. "Es geht nicht um mich und nicht um Personen, es geht darum, erfolgreich Fußball zu spielen und den Verein in die richtige Richtung zu bringen. Ich habe eine Mannschaft gesehen, die wollte", sagte Schmitt nach dem turbulenten Spiel in Aserbaidschan. Man habe Schritte nach vorne gesehen, aber auch "einen Fehler zu viel".

(dpa)

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