Endlich wieder mittendrin

Eiskunstläufern Lutricia Bock gibt an diesem Wochenende in Finnland nach langer Leidenszeit ihr Wettkampf-Comeback. Ein wichtiges Ziel rückt nun wieder in den Fokus der Chemnitzerin.

Chemnitz.

Die Erleichterung war spürbar, die Vorfreude riesengroß. "Nach rund einem Jahr Pause bin ich endlich wieder bei einem Wettkampf dabei", meinte Lutricia Bock vor der Abreise nach Espoo. In der zweitgrößten finnischen Stadt nimmt die Chemnitzerin dieses Wochenende am traditionellen internationalen Eiskunstlauf-Wettbewerb teil. "Ich möchte erst einmal wieder einsteigen, werde es langsam angehen, mir keinen Druck machen", fügte die Kufenkönnerin, hinter der eine lange Leidenszeit liegt, hinzu.

Denn fast zwei Jahre konnte der Schützling von Erfolgscoach Ingo Steuer nicht in das Geschehen eingreifen, musste immer wieder Rückschläge verkraften. Einige Träume, die sich die Deutsche Meisterin von 2016 (ausgetragen im Dezember 2015) nach jenem Triumph erfüllen wollte, platzten wie Seifenblasen. Einen Tag vor den nächsten Titelkämpfen im Dezember 2017 rutschte Lutricia Bock auf dem Weg zum Training aus, bekam Probleme mit dem linken Knie und musste daraufhin passen. Bei einer MRT-Untersuchung wenig später wurde ein Riss des Innenmeniskus diagnostiziert, eine Operation folgte noch vor Weihnachten. Nach intensiven Reha-Maßnahmen durfte sie dann im März 2017 wieder die ersten Versuche auf dem glatten Parkett wagen.

Hoffnungsvoll steigerte sie danach kontinuierlich ihr Pensum. Doch im Sommer, während ihres Aufenthaltes in Toronto, wo sie im Camp von Starcoach Brian Orser trainierte, traten wieder Probleme auf. Sie brach damals den Lehrgang ab und trat vorzeitig die Rückreise an. Sie musste erneut zwei Wochen pausieren, unterzog sich einer speziellen medizinischen Behandlungsmethode (Eigenbluttherapie). Danach ging es zunächst wieder aufwärts, sodass sie im Herbst zwei kleinere Wettbewerbe bestritt. Aber im Dezember folgte leider die nächste Ernüchterung. Da sich immer wieder Schmerzen meldeten, musste sie nochmals einen medizinischen Eingriff über sich ergehen lassen. Der Meniskus war nicht richtig angewachsen, es wurde ein kleiner Riss festgestellt. Wieder fanden die Deutsche Meisterschaft und damit auch die Höhepunkte der Saison ohne Lutricia Bock statt.

Sie durfte zwar nach rund sechs Wochen wieder aufs Eis, ging aber alle Dinge noch vorsichtiger an. "Es fiel bis zum Sommer alles schwer, war sehr demotivierend. Da habe ich oft gezweifelt, auch daran gedacht, ganz aufzuhören", berichtete die 19-Jährige von einer nicht einfachen Phase in ihrer jungen Karriere. Doch diese Überlegungen, die mehrfach in ihrer Gedankenwelt kreiselten, rückten glücklicherweise in der Ferne wieder in den Hintergrund. Zum bereits fünften Mal weilte sie fünf Wochen im Camp von Toronto, wo zur gleichen Zeit zahlreiche Weltklasseläufer wie der zweifache Olympiasieger Yuzuru Hanyu aus Japan oder die Russin Jewgenija Medwedewa (Olympiazweite, Welt- und Europameisterin) ihre Übungseinheiten absolvierten. "Als ich die Läufer alle dort erlebte, hat mir das viel Kraft gegeben", erzählte Lutricia Bock, die in Kanada mit verschiedenen Trainern zusammenarbeitete, andere Impulse und Anregungen erhielt.

Wieder in der Heimat, sprüht sie seither vor Elan. "Ich werde nicht so schnell aufgeben", stellte die Schülerin, die am Sportgymnasium das abschließende Schuljahr absolviert, klar. Inzwischen beherrscht sie bis auf den hochkarätigen Axel wieder alle Dreifachsprünge, möchte diese auch in Kombinationen anbieten. Sie arbeitete zudem intensiv an den Inhalten ihrer Programme. "Zurzeit habe ich keine Probleme, lasse alles auf mich zukommen", sagte Lutricia Bock, die sich natürlich auch wieder für internationale Aufgaben anbieten will und ihr Fernziel, Olympia 2022, fest anvisiert. Im Juniorenbereich sorgte sie einst mit starken Resultaten bei Grand-Prix-Wettbewerben und der WM für Furore. Nun möchte sich die ehrgeizige Sächsin, die 2016 schon ihr EM-Debüt erlebte, auch bei den Damen etablieren.

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