Erstmals zwei Chemnitzer im WM-Aufgebot

Oliver Hörauf und Felix Rogge vom BFV Ascota gehören zum deutschen Team, das ab Sonntag bei den Titelkämpfen in Schweden nicht nur um einen Spitzenplatz kämpft.

Chemnitz.

Beim abschließenden Training im Heimatverein BFV Ascota Chemnitz ging es noch einmal ordentlich zur Sache. Mit den besten Wünschen der Gefährten im Gepäck starteten Oliver Hörauf und Felix Rogge noch am Abend zum Abenteuer Goalball-WM. Am Sonntag stehen die ersten Partien gegen Kanada und die USA auf dem Programm. Beide Asse des zweifachen Deutschen Meisters stellen bei nur sechs Spielern immerhin ein Drittel des deutschen Aufgebotes. Die weiteren Akteure kommen aus vier verschiedenen Bundesligaclubs. "Das ist natürlich eine feine Sache für den Verein, für uns alle", wertete Trainer Jürgen Müller, der gemeinsam mit Sascha Timaeus die Mannschaft betreut, nicht ohne Stolz.

Der Weg der beiden Asse verlief bisher sehr unterschiedlich. Oliver Hörauf war, obwohl erst 21 Jahre alt, schon bei den zurückliegenden Topereignissen eine feste Größe in der Auswahl. Mit 17 Lenzen durfte er bereits mit zur Männer-WM, mit den Junioren holte er 2015 WM-Gold, bei den Paralympics 2016 Platz sechs. Gleich zweimal internationales Edelmetall kam 2017 hinzu: Mit den Herren errang er bei der EM nach zehn Jahren Pause mit Silber erstmals wieder eine Medaille, bei den Paralympischen Jugendspielen gelang der ganz große Triumph. Und stets gehörte der Sachse, der aus Wedro bei Bautzen stammt, zu den besten Torschützen.

"Nun wollen wir auch bei der WM einen Podestplatz erkämpfen, denn da hätten wir uns bereits für die Paralympics 2020 qualifiziert. Wir werden alles rausholen. Nach den starken Vorbereitungsturnieren ist das möglich", zeigte sich Oliver Hörauf optimistisch und fügte hinzu: "Auch mein Bauchgefühl ist gut. Und wie ich im Psychologieunterricht gelernt habe, soll es das sicherste sein." An der Fortis-Akademie absolviert der 1,96-m-Hüne, der nur zehn Prozent Sehvermögen besitzt, derzeit eine Ausbildung zum Ergotherapeuten. Sein Pensum ist nicht ohne, da bis zu fünf Trainingseinheiten pro Woche auf seinem Programm stehen. "Körperlich fühle ich mich total fit, jetzt muss ich nach den schulischen Belastungen mental stark werden", meinte Oliver Hörauf, der auf der rechten Seite in der Startaufstellung gesetzt ist.

Den Platz links durfte zuletzt immer öfter Felix Rogge belegen. "Man nennt uns die Chemnitzer Flügelzange", erzählte der 29-Jährige, der vor seinem WM-Debüt steht. Dabei liegt hinter ihm eine wechselvolle Auswahlkarriere, 2017 feierte er zum zweiten Mal ein Comeback. Er wuchs in Neverin bei Neubrandenburg auf, besuchte wegen seiner Sehprobleme (Stärke: zehn Prozent) die Spezialschulen in Neukloster und Königs Wusterhausen. Als Goalballer wurde er als 14-Jähriger in die Jugendnationalmannschaft, mit der er WM-Gold gewann, berufen, kam bald zu den Männern, mit denen er 2007 EM-Bronze holte. Da es mit den Paralympics 2008 nicht klappte, hörte er auf. 2010/2011 gab es einen zweiten Versuch, der jedoch aus dem gleichen Grund (Paralympics 2012) endete. Nachdem er 2016 in Chemnitz seine Ausbildung zum Fachinformatiker im SFZ-Förderzentrum, von dem die BFV-Mannschaft unterstützt wird, begann, kam es zur Rückkehr.

Aufgrund seiner außergewöhnlichen Fähigkeiten entwickelte er sich schnell zu einer Stütze des Bundesligisten und erhielt alsbald wieder Auswahlberufungen. Ab jetzt will er durchstarten, unbedingt die Paralympics 2020 erleben. "Das Team in Chemnitz ist der Wahnsinn. Ich habe mich noch nie so wohlgefühlt, da passt es zwischenmenschlich einfach", schwärmt Felix Rogge, der zudem mit Pia Knaue auch sein privates Glück fand. Die angehende Physiotherapeutin spielt gleichfalls in der Truppe und gehört der Frauennationalmannschaft an.

Goalball 

Ein Spiel für blinde und sehbehinderte Menschen. Jeweils drei Akteure, die alle lichtundurchlässige Brille tragen, stehen sich gegenüber und versuchen, mit einem Klingelball Tore zu erzielen. Die Spielzeit beträgt 2x 12 Minuten. (fp)

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