Europameister Przybylko springt in Chemnitz

Bei der Leichtathletik-EM 2018 in Berlin begeisterte Mateusz Przybylko mit einem Höhenflug zu Gold. Ein Jahr später bei der WM in Doha erlitt er einen bitteren Tiefschlag. Jetzt will der Motorradfreak wieder Gas geben.

Chemnitz.

Zu 100 Prozent sicher war sich Hochsprung-Europameister Mateusz Przybylko nicht, ob der erste oder zweite Start in Chemnitz ansteht. Also helfen wir ihm nach einem Blick ins Archiv der "Freien Presse" ein wenig auf die Sprünge: 2015, beim 17. Internationalen Hallenmeeting, überquerte er die Latte bei 2,17 Meter und landete auf Rang drei.

Fünf Jahre später würde diese Höhe den inzwischen 27-Jährigen nicht mehr zufriedenstellen. Wenn am 7. Februar die 22. Auflage des Leichtathletikmeetings über die Bühne geht, dann möchte Mateusz Przybylko gern mehr zeigen. "Warum sollte ich in Chemnitz antreten, wenn ich nur 2,20 Meter springe? Das wäre eher frustrierend", sagt Deutschlands aktuell bester Hochspringer, dessen Stern 2018 richtig aufging. Im Frühjahr holte er Bronze bei der Hallen-WM in Birmingham und im Sommer begeisterte der Athlet vom TSV Bayer 04 Leverkusen bei der Heim-EM das Publikum im Berliner Olympiastadion. Bis 2,35 Meter, seiner persönlichen Bestleistung, meisterte Przybylko alle Höhen im ersten Versuch und holte sich Gold. Angesprochen auf den deutschen Rekord, den Carlo Thränhardt mit 2,37 Meter hält, meinte der glückliche Sieger mit viel Adrenalin im Blut. "Das ist machbar".

Freilich ist es machbar. Der gebürtige Bielefelder, dessen Eltern aus Polen stammen, besitzt den nötigen Ehrgeiz und das Potenzial dafür. Nur gelang es dem siebenfachen Deutschen Meister (zweimal Freiluft, fünfmal Halle) im vergangenen Jahr nicht, es abzurufen. Statt den sportlichen Höhenflug fortzusetzen, kassierte er bei der Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Katar einen Tiefschlag. Bei 2,22 Meter musste er nach drei vergeblichen Versuchen früh die Segel streichen. "Es lag nicht am Körper, sondern am Kopf", haderte Mateusz Przybylko nach dem Wettkampf. Eine bittere Erfahrung, die er mit seinem Team, zu dem auch ein Mentaltrainer gehört, noch immer aufarbeitet. "Der Kopf spielt im Leistungssport eine große Rolle. Das ist bei jedem so. Jemand, der dir sagt, ich habe keine Kopfprobleme, der lügt dich an", ist Mateusz Przybylko überzeugt. Freimütig gibt er dabei zu, dass er den mentalen Faktor früher selbst unterschätzt hat.

Um abzuschalten, die Gedanken zu ordnen, pausierte der Schützling von Trainer Hans-Jörg Thomaskamp nach der WM in Doha drei Wochen komplett. Er besuchte seinen Bruder Kacper in den USA, der dort bei Philadelphia Union Fußball spielt, und seine Familie in Bielefeld. "Es war wichtig, mal nicht zu machen, was ich immer mache und laufend daran zu denken, dass die Saison nicht gut gewesen ist. Danach musste ich aber wieder anfangen zu trainieren. Olympia in Tokio steht ja quasi vor der Tür", erzählt der Sportsoldat, der viel vorhat. "Ich will versuchen, das hinzubekommen, was ich 2018 gemacht habe, und wieder mit Spaß und freiem Kopf springen. Auf den Druck darf ich mich nicht fokussieren", sagt Mateusz Przybylko.

Das Ziel ist klar. Der Weg offenbar auch. Er beginnt, wenn er gesund bleibt, in Chemnitz. Das Meeting im Sportforum ist das erste von nur drei Wettkämpfen, welche der Blondschopf in der Halle bestreiten wird, weil der Fokus eben klar auf den Olympischen Spielen 2020 liegt: "Selbst wenn ich mich für die Hallen-WM in Nanjing (China/Anm. d. Red.) qualifizieren sollte, werde ich wahrscheinlich nicht teilnehmen. Das wirft unseren ganzen Plan durcheinander. Hinzu kommt die Zeitverschiebung und der Jetlag", sagt der Motorradfreak, der stolzer Besitzer einer BMW S 1000 RR ist. "Das ist mein größtes Hobby", sagt Mateusz Przybylko: "Wenn ich mit dem Sport mal aufhöre, dann fahre ich an den Wochenenden nur noch Motorrad. Das ist wie Hochsprung. Wenn es funktioniert, dann fühlt man sich frei."

Ticketsfür das 22. Internationle Hallenmeeting in Chemnitz am 7. Februar (Beginn 18 Uhr) gibt es in allen "Freie-Presse-Shops" oder online unter www.freiepresse.de/meinticket

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