Ferrari-Duell: Vettel nicht beunruhigt - Cleverer Leclerc

Vettel und Leclerc, Vettel gegen Leclerc - das rote Stallduell steht vor der nächsten Bewährungsprobe. Der viermalige Weltmeister Vettel wird nicht nervös. Sein Herausforderer erst recht nicht. Sie haben beide ein Ziel in China: Den Sieg beim Jubiläumsrennen.

Shanghai (dpa) – Sebastian Vettel gab sich weder beunruhigt, noch besorgt, sein Teamkollege gab die heikle Frage nach der Nummer 1 bei Ferrari mit einem Lächeln an den Teamchef weiter.

«Ich treffe die Entscheidung nicht», betonte Leclerc, während der verantwortliche Mattia Binotto angelehnt an eine Ecke in der Teamunterkunft des italienischen Formel-1-Rennstalls aufmerksam den Ausführungen des Monegassen lauschte - und schwieg.

Das brisante Teamduell der Scuderia soll auf der Strecke ausgefahren werden. «Letztlich wollen wir uns gegenseitig schlagen, das ist in jedem Team so. Wir haben einen guten und richtigen Kompromiss gefunden, wie wir gegeneinander fahren», sagte Leclerc. Der 21-Jährige bestreitet seine erste Saison für Ferrari in der Motorsport-Königsklasse.

«Man muss ganz klar unterteilen: Auf der Strecke fährt man gegeneinander. Ansonsten darf man nicht vergessen, dass man miteinander arbeitet», sagte Vettel. Der 31-Jährige will in seinem fünften Jahr endlich auch mit der Scuderia den Titel gewinnen. «Die Zeiten, in denen man die Erkenntnisse der anderen Seite oder des anderen Fahrers ignoriert hat, sind vorbei», meinte Vettel.

Wer wird sich durchsetzen? Vettel kann bisher 52 Grand-Prix-Siege und vor allem vier WM-Titel - alle mit Red Bull - vorweisen. Sein Vertrag endet nach der nächsten Saison. Er wird dann 33 Jahre alt sein. Leclerc fuhr zuletzt in Bahrain seine erste Pole Position ein und schickt sich an, sich als jüngster Sieger von Ferrari zu verewigen. Er steht für die Zukunft.

«Sie haben ein doppeltes moralisches Problem», kommentierte Mercedes-Teamchef Toto Wolff in «Auto Bild Motorsport» die Situation. «Einerseits müssen sie den vierfachen Champion stützen, anderseits dürfen sie ihr Supertalent nicht einbremsen.» Wolff ist mit der Meinung nicht alleine, wenn er Leclerc als einen kommenden Weltmeister bezeichnet.

Leclerc freut sich zwar darüber, dass er nach seinem ersten Podiumsplatz zuletzt in Bahrain als Dritter nun öfter erkannt wird. Dieser 21-Jährige wirkt aber nicht, als könne er den derzeitigen Hype um seine Person nicht einordnen, wenn er am Donnerstag in Shanghai mal auf französisch, italienisch oder englisch antwortet. «Es geht sehr schnell in der Formel 1», sagte Leclerc. «Nach dem ersten Rennen hat mich niemand als Titelanwärter gesehen, nach dem zweiten tut es jeder.»

Im Klassement liegt Leclerc vier Punkte vor Vettel, ist Vierter. Der gebürtige Heppenheimer liegt vor dem großen Jubiläumsrennen an diesem Sonntag mit dem Großen Preis von China einen Platz dahinter. Extra-Druck verspürt Vettel nach eigenen Angaben nicht ob des starken neuen Teamkollegen, der im Jahr zuvor für Sauber debütiert hatte. «In Bahrain war mein Rennen ein bisschen anders als seines, das hat aber nichts mit der Motivation für das Rennen hier zu tun», sagte Vettel. Sie stünden in Hinsicht auf Null vor diesem Wochenende. «Schauen wir mal, wo wir danach stehen», meinte Vettel.

Ein Sieg im 1000. Rennen wäre sicherlich gut für sein Prestige im Team. Eine Niederlage wäre das Gegenteil. Vor allem aber sollte der Zweikampf nicht dazu führen, dass sich Vettel und Leclerc in einem Stallduell zerreiben. Es wäre ja nicht so, als hätte es sowas noch nicht gegeben.

Im Kampf gegen Mercedes kann sich die Scuderia, die lange einen Hang zu klarer Hackordnung im Team pflegte, Ärger nicht leisten. Selbst wenn der Motor tatsächlich stärker als der im Silberpfeil sein sollte. In Australien stimmte das Ferrari-Paket noch nicht, in Bahrain bremste ein Defekt Leclerc ein, er wurde Dritter. Vettel leistete sich einen Dreher und wurde Fünfter. Auf dem Kurs in China mit seinen beiden langen Geraden könnte Ferrari seinen Power-Vorteil noch deutlicher ausspielen.

Mercedes feierte aber in beiden Rennen einen Doppelerfolg, Bottas vor Hamilton in Melbourne und Hamilton vor Bottas in Bahrain. Der 34-jährige Brite ist auch zuversichtlich, dass «wir noch mehr aus den Rennwochenenden rausholen können».

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...