Fischers WM-Baby half bei WM-Vergabe

Nach dem Biathlon-Weltcup in Oberhof wird die Arena am Rennsteig zur Baustelle. Dass der Ort den Zuschlag für die WM 2023 bekam, hat auch etwas mit der Tochter des einstigen Weltklasse-Skijägers Sven Fischer zu tun.

Oberhof.

Am Donnerstag beginnt mit dem Frauen-Sprint der Weltcup der Biathleten in Oberhof. Die sechs Wettbewerbe bis zum Sonntag sind die letzten in der altehrwürdigen DKB-Arena. 2019 läuft das Zertifikat der Internationalen Biathlon-Union (IBU) für die weltcuptaugliche Wettkampfstätte am Grenzadler aus. Danach beginnt im Zuge der WM 2023 die Modernisierung der Anlage. Rund 15 Millionen Euro investiert u. a. das Land Thüringen.

Dass Oberhof den Zuschlag für die Titelkämpfe in vier Jahren erhielt, hat auch mit Sven Fischer zu tun. Der ehemalige Weltklasse-Skijäger, der bei 13 Weltmeisterschaften und 4 Winterspielen 20 WM- und 8 Olympiamedaillen sammelte, war das Gesicht der Bewerbung, die im Herbst auf dem Kongress in Porec (Kroatien) den Zuschlag im Duell mit Nove Mesto (28:21 Stimmen) aus Tschechien bekam. Zuvor waren die Thüringer in ihren Bemühungen für 2020 an Antholz gescheitert. Dass Fischer vom Deutschen Skiverband gebeten wurde, im zweiten Anlauf der Bewerbung sein Gesicht zu geben, hatte einen schönen Grund. Denn bei der bisher einzigen WM in Oberhof im Jahr 2004 war Fischer in der Staffel zwar der gefeierte Goldheld; für den emotionalen Höhepunkt sorgte "Fisch" damals aber im Verfolgungsrennen. Als Achter ins Ziel gestürmt, jagte der Biathlet anschließend gleich weiter - im Auto mit Vollgas in die Klinik Schmalkalden. Dort kam am 8. Februar Tochter Emilia Sophia zur Welt, das WM-Baby quasi. Und davon erzählte der heute 47-Jährige während der Präsentation für die Bewerbung 2023 - und zwar mit seiner damaligen Startnummer 16 auf der Brust. Fischer redete in emotionaler Weise nicht nur von der Bühne aus, sondern im Schritt gehend durch die Reihen der IBU-Delegierten. "Wir wollten uns nicht von oben herab präsentieren. Ich denke, das kam gut an", sagt Fischer: "Ziel war es, unsere fantastische WM von 2004 in die Köpfe der Funktionäre zurückzuholen. Mein Zieleinlauf ist auch auf dem Video zu sehen. Aber das war nur eine Randnote."

Der Thüringer betont, dass der WM-Zuschlag ein Gemeinschaftswerk der Oberhofer gewesen sei. Das OK-Team muss sich nun formieren und die Arbeit forcieren. Ob Fischer dann selbst vertreten sein wird, bedarf noch eines Gespräches mit dem Sportchef des ZDF, für das Fischer als Experte arbeitet und das am Sonntag in Oberhof geplant ist. "Wenn alles passt, stehe ich bereit. Es braucht Sachverstand und Leidenschaft", meint Fischer. Und Silvio Eschrich, der OK-Chef des Weltcups, verweist auf nur eine von vielen positiven Nachwirkungen, die sich mit solch einer Großveranstaltung verbinden: "Die WM hat eine enorme Strahlkraft in den Nachwuchs."

Auch deshalb muss nun geklotzt werden. Die Umbaumaßnahmen sollen dieses Jahr starten. Hinter und unterhalb der Tribünen entstehen neue Gebäude für die Zeitnahme und die IBU-Vertreter sowie für die Technik (u. a. Pistenbully). Die Zuschauerkapazität im Stadion soll um 3000 Plätze (2000 Sitzplätze) erweitert werden. Geplant sind eine feste Tunnelbrücke vom Teamareal ins Stadion sowie ein Zugangstunnel zum Schießstand und Aufwärmbereich. Auch der Verlauf der Start- und Strafrunde sowie der Strecke wird geändert, ohne auf den legendären Birxsteig zu verzichten. Andere Verbesserungen greifen schon ab Donnerstag beim Weltcup. So ist u. a. das Wegwerfbecher- durch ein Mehrweg-System abgelöst worden. Die Mehrwegbecher haben Mitnahmepotenzial, da sie die Konterfeis der deutschen Stars zeigen. "Auch wenn wir nicht alle Wünsche wie zum Beispiel nach mehr Toiletten erfüllen können, haben wir vieles besser im Griff", meint Eschrich.

Bis 2023 muss dann alles perfekt sein. So, dass vielleicht auch Lokalmatador Erik Lesser mit dann 34 Jahren über einen Start nachdenkt? "Ich hoffe, die Jungen blasen uns Alten so den Marsch, dass ich gar nicht erst auf die Idee komme", meint Lesser und lacht. Zu früh wiederum wäre wohl für Emilia Fischer die Heim-WM 2023 gekommen. Aber die Tochter des Skijägers ist ohnehin nicht in die Fußstapfen des berühmten Papas getreten. Ihr Start in Oberhof 19 Jahre nach dem Vater, so sagt es Sven Fischer, "wäre auch wie im Film von Steven Spielberg" gewesen.

Weltcup Zeitplan, Donnerstag, 14.30 Uhr: Sprint Frauen; Freitag, 14.30 Uhr: Männer; Samstag, 12.45 Uhr: Verfolgung Frauen, 15 Uhr: Männer; Sonntag, 11.45 Uhr: Staffel Frauen, 14.30 Uhr: Männer.Tickets: Für Donnerstag und Freitag noch an der Tageskasse. Info: Für die erkrankte Vanessa Hinz wurde Anna Weidel nachnominiert.

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