Freiwillige Feuerwehren in Mittelsachsen werden weiblicher

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Ob Familie, Firma oder Freizeit - mit dem internationalen Ehrentag am 8.März wird das Engagement der Frauen gewürdigt. Auch im Kreisfeuerwehrverband sorgen sie inzwischen für Mitgliederzuwachs.

Freiberg/Lichtenwalde.

Frauen machen sich für die Feuerwehr stark. Das zeigt ein Blick in die jüngste Mitgliederstatistik des Kreisfeuerwehrverbandes Mittelsachsen. "In immer mehr Rettungseinheiten verstehen sie Strahlrohr und Pumpe zu bedienen, füllen sie verantwortungsvolle Funktionen als Maschinist oder auch als Gruppenführer aus", so Michael Tatz, Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbandes. "Das Klischeebild vom vermeintlich schwächeren Geschlecht taugt nicht mehr."

Die jetzt vom Kreisverband vorgelegte Jahresstatistik 2020 zeigt, dass in den 213 Ortsfeuerwehren erneut allein die Anzahl der Frauen angewachsen ist. "Dabei liegen wir mit über zehn Prozent aller Mitglieder ein bisschen über dem Bundesdurchschnitt, haben aber allesamt weiter Luft nach oben", so der Freiberger Tatz. "Die größte Frauengruppe agiert in Brand Erbisdorf mit 36Frauen, gefolgt von Oederan mit 33." Michael Tatz verweist darauf, dass Frauen oft dazu beitragen, die Tageseinsatzbereitschaft zu sichern, wenn Männer durch Pendler-Tätigkeit oder Montagetätigkeit fehlen.

Tatz erwähnt das 2020 auf Landesebene gebildete Referat Gleichstellung. Für Mittelsachsen arbeitet die Freibergerin Christina Schlesinger darin mit. Das Gremium soll die praktische Erfahrungen der Frauen aus dem aktiven Einsatz und der Nachwuchsförderung in den Kinder- und Jugendfeuerwehren einfließen lassen. Das reicht von der Ausbildung bis zu Dienstbekleidung und Ausrüstung samt sozialer Absicherung.

Seine vier Feuerwehr-Frauen möchte auch Matthias Miesel nicht mehr missen. "Sie sind wichtiger Faktor für die tägliche Einsatzbereitschaft", sagt der Lichtenwalder Wehrleiter. Gerade in kleinen Orten seien sie angesichts der demografischen Situation unverzichtbar, um einsatzbereit zu sein. "Einmal dabei, gibt es keine Extrawurst, wenn schon - denn schon", setzt Miesel auf das Engagement der Frauen unter den 22 Männern. An Schere und Spreizer seien sie ebenso ausgebildet, wie Frauen als Atemschutzgeräte-Trägerinnen die Brandbekämpfung übernehmen. Mit dem laufenden Neubau der Lichtenwalder Feuerwache könnten den Kameradinnen künftig auch solide Rahmenbedingungen wie Umkleide, Dusche und Toilette geboten werden.

"Meine Mitarbeit in der Feuerwehr entspringt dem Bedürfnis, mich für die Gemeinschaft zu engagieren. Und da soll es etwas sein, wo ich tatkräftig zupacken kann", erklärt Peggy Rantzsch. Sie hält seit zehn Jahren der Lichtenwalder Truppe die Treue und lenkt als Maschinistin das Löschfahrzeug. "Mancher Außenstehende stellt die Frage, ob Frauen im Alarmgeschehen ihren Mann stehen. In unserem aufgeschlossenen Team mit solider Ausbildung kommen in dieser Hinsicht keine Zweifel auf", so die 32-jährige Mutter. Für sie bedeute Feuerwehr aber noch mehr, wie Rantzsch versichert: "In unserem Ort ist sie ein nachbarschaftlicher Faktor, da kommen Einheimische zusammen, die etwas bewegen wollen. Wir sind eine Truppe, die sich auch über die eigentlichen Hilfseinsätze hinaus im gesellschaftlichen Leben einbringt", so die Personalreferentin.

Das aufgeschlossene Klima in der Lichtenwalder Rettungstruppe ist auch für Franziska Heller ein wichtiges Argument, weswegen sie seit 2017 Freizeit für die Feuerwehr aufbringt. Der Entschluss zum Mitwirken ist bei der Mitarbeiterin einer Krankenhausverwaltung wie bei ihren Mitstreiterinnen vor allem durch die Ehe mit einem Feuerwehrmann gewachsen. "Da wird Familienrat gehalten, wenn es darum geht, wer von uns ausrückt und wer aufs Kind aufpasst", berichtet die 29-Jährige. Für sie spielt es eine wichtige Rolle, dass andere Frauen bereits den Schritt in die Truppe gewagt und den Weg geebnet haben.

Und auch Anett Barth sieht in dem Willen zur Mitarbeit durch befähigte Frauen nur einen Baustein für ihr Engagement in der Rettungstruppe. "Da spielen Wehrleitung und Team, die Meinung von Nachbarn und Bekannten eine Rolle", so die 45-jährige Rettungsassistentin. Sie weiß aus ihrem Alltag, dass sich Frauen mancherorts noch immer unter skeptischen Männerblicken erst einmal beweisen müssen.

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