Frenzel auf der Suche nach was Neuem

Der Olympiasieger und Weltmeister in der Nordischen Kombination hat noch nicht den richtigen Dreh auf der Schanze gefunden. Der Deutsche Skiverband wird die nationale Meisterschaft aus einem anderen Grund kritisch analysieren.

Klingenthal/Johanngeorgenstadt.

So richtig zufrieden wirkten die sächsischen Vorzeigeathleten Eric Frenzel und Richard Freitag am Wochenende nicht. Die einstigen WG-Bewohner aus Oberwiesenthal wähnen sich rund fünf Wochen vor dem Winterauftakt noch nicht in jener Verfassung, die sich der Kombinierer- und der Team-Weltmeister im Skispringen bei ihrem Heimspiel gewünscht hätten. Eric Frenzel verfehlte als Siebenter bei den Deutschen Meisterschaften sogar deutlich das Podest. Nach Rang 15 im Springen in der Vogtland-Arena kämpfte sich der 30-Jährige im 10-km-Skirollerlauf in Johanngeorgenstadt noch nach vorn. Doch trotz der zweitschnellsten Zeit kam der Erzgebirger an den Sieger Fabian Rießle sowie die folgenden Medaillengewinner Johannes Rydzek und Manuel Faißt nicht mehr heran.

"Ich suche auf der Schanze nach was Neuem. Etwas, das mich nicht nur mitspringen lässt. Wenn ich künftig nach dem Laufen noch auf dem Podest stehen will, muss ich im Springen möglichst ganz vorn landen", erklärt Eric Frenzel seine Strategie. Dabei orientiert sich der Olympiasieger an der Technik der besten Spezialspringer. Doch diese hinzubekommen, bereitet Schwierigkeiten. Frenzel gibt ehrlich zu, dass er derzeit nur in vereinzelten Trainingssprüngen das erwünschte Niveau erreicht. "Insgesamt fehlt die Konstanz beim Springen", schätzt der Zweikämpfer vom SSV Geyer ein. Und das spüren auch die Trainer im Nationalteam, von denen offenbar nicht alle über Frenzels neue Herangehensweise jubeln. So ein verkorkster Versuch auf nur 124 Meter wie am Samstag nährt natürlich die Zweifel. Eric Frenzel will sich aber nicht beirren lassen, meint zum Experiment mit Blick auf den kommenden Winter: "Es stehen diese Saison keine WM und auch nicht Olympia an. Von daher habe ich nicht viel zu verlieren. Ich will es auf jeden Fall probieren."

Probieren geht über Studieren: Für Frenzels Kumpel Richard Freitag sollte diese Phase auch bald abgeschlossen sein. Der 28-Jährige will zum Niveau der deutschen Doppel-Weltmeister Markus Eisenbichler und Karl Geiger aufschließen, musste am Freitag Beiden im Einzel den Vortritt lassen. Und Richard Freitag hätte auch im Teamwettbewerb - nimmt man die Einzelwertung zur Hand - gegenüber den zwei bayerischen Fliegern das Nachsehen gehabt. Die Umstellung von der Keramik- (vor 14 Tagen beim Sommer-Grand-Prix) auf die Eisspur sei ihm nicht so gut geglückt, analysierte Freitag seine Flüge vom Samstag im sächsischen Quartett, das am Ende als Sechster ohne Medaille blieb. Die Spannung des Wettkampfes speiste sich ohnehin nur in der Frage, wer hinter den Bayern die Plätze belegen wird. Dabei offenbarte sich aus regionaler Sicht wiederholt die Problematik, dass nach Richard Freitag eine große Lücke klafft. Selbst Hoffnungsträger Martin Hamann muss in den kommenden Wochen eine Schippe auflegen, will er noch auf den Weltcupzug aufspringen.

Hinter Freitag und Hamann sieht es dann ziemlich mau aus im sächsischen Adlerhorst. Weil Cedrik Weigel (nach Sturz verletzt) in seinem ersten Männerjahr sowie der schulterverletzte Julian Hahn ausfielen, mussten Fabian Schmidt und Tom Gerisch bei Dauerregen im kalten Wasser schwimmen. Die noch der Juniorenklasse zugehörigen Springer waren mit der niedrigen Anlaufgeschwindigkeit auf Weltniveau noch überfordert. Der Abstand des Quartetts zu den Siegern von knapp 350 Punkten war so gigantisch, dass alle vier Bayern in jedem ihrer zwei Sprünge hätten stürzen können - trotzdem wären sie noch vor den Sachsen gelandet. Das nackte Ergebnis spiegelte u. a. die mangelnde Quali- und Quantität in der Breite wider, die sich bis auf den südlichen Nachbarfreistaat allerdings deutschlandweit auftut. Talentierten Nachwuchs zu finden und zu entwickeln, gehört zur Mammutaufgabe der Zukunft. Wenn wie am Fichtelberg mehr als zwei Jahre kein funktionstüchtiger Lift zur Verfügung steht, fällt das besonders ins Gewicht. Die Aufwertung der Deutschen Meisterschaft (nebenstehender Text) - mit welchen Maßnahmen auch immer - wäre ein weiterer Baustein dazu, diese Herausforderung zu meistern.

Ski-Meisterschaften im Sommer - und kaum einer geht hin

Die Kritik ist nicht neu: Wintersportler ermitteln im Sommer ihre nationalen Meister, weil während der Hauptsaison von Ende November bis Mitte März kein Termin zu finden ist. So begründet das der Deutsche Skiverband (DSV). Doch wen interessiert es überhaupt noch, wenn die besten deutschen Skisportler auf Matten springen und auf Skirollern laufen?

Für das Stelldichein der nationalen Weltklasseathleten in Klingenthal und Johanngeorgenstadt war die Zuschauerresonanz am Wochenende überschaubar, um es vorsichtig auszudrücken. Die tollen Leistungen der amtierenden Weltmeister Markus Eisenbichler oder Eric Frenzel wollte kaum einer sehen. "Das ist wirklich schade, aber bei uns Athleten hat ja die nationale Meisterschaft auch nicht diese riesige Bedeutung", sagte Lokalmatador Richard Freitag, der nach seinen Flügen in der Vogtland-Arena jedem Besucher in kurzer Zeit ein Autogramm hätte schreiben können.

Dass die Ränge in der Arena fast leer blieben, war auch die Folge einiger ungünstiger Umstände. So hatte der WSV 08 Johanngeorgenstadt erst im Sommer die Austragung von Garmisch-Partenkirchen (Sanierungsarbeiten im Schanzenauslauf) übernommen. Die Zeit für PR-Aktivitäten war knapp. Hinzu kam wie schon beim Sommer-Grand-Prix vor 14 Tagen andauerndes Sauwetter und am Freitagabend das zeitgleiche Zweitligaspiel des FC Erzgebirge in Aue.

Die Häufung der hochklassigen Wettbewerbe in diesem Jahr mit zweimal Sommer-Grand-Prix, dieser Meisterschaft und dem folgenden Skisprung-Weltcup dürfte auch eine Rolle spielen. "Manch einer wird sich nur für ein Event entscheiden. Ich hoffe, dass zum Weltcup die Arena wieder gut gefüllt ist", meinte Richard Freitag mit Blick auf das Wochenende des 3. Advents, wenn sich die Weltelite erneut in Klingenthal trifft, dann auf Schnee.

Von Seiten des DSV war zu vernehmen, dass der Verband das Problem erkannt habe. Einen Terminwechsel in den Winter sieht DSV-Teammanager Horst Hüttel (Foto) jedoch als schwierig an: "Wir wollen Skispringen und Kombination weiter zusammen starten lassen. Das ist im Winter schwer machbar. Aber wir hatten Meisterschaften im Sommer auch schon mit 2500 Zuschauern, in Hinterzarten zum Beispiel", sagte Hüttel und bescheinigte den sächsischen Gastgebern eine sehr gute ehrenamtliche Arbeit. Gleichzeitig kündigte er eine gründliche Analyse im DSV zusammen mit der Marketingabteilung an. Hüttel: "Wir stehen bei unseren Topathleten in der Pflicht." Und nicht nur das. So wolle man prüfen, ob man die Titelkämpfe künftig im Verbund mit anderen Events austragen und mehr mit Reiseveranstaltern kooperieren kann.

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