Frenzel dankt seinem Heimatverein Geyer

Der Olympiasieger steht an der Spitze des deutschen Aufgebots für den Auftakt der Sommer-Grand-Prix-Serie in der Nordischen Kombination. Etwas hat sich für den Erzgebirger geändert.

Oberwiesenthal.

"Ich glaub, es geht schon wieder los ..." Als Roland-Kaiser-Fan ist Eric Frenzel nicht bekannt. Auf seinen Heimstart beim Sommer-Grand-Prix freut sich der Olympiasieger vom Fichtelberg aber jedes Mal wieder. Die Familie, Freunde, Bekannte und seine Fans sind hautnah dabei. "Es ist schön, weil die Anreise kurz und daheim natürlich alles vertraut ist", sagt Eric Frenzel vor dem Teamsprint am Samstag und dem Einzel am Sonntag in seinem "Wohnzimmer".

Zum neunten Mal ist Oberwiesenthal in die Sommerserie der Winterzweikämpfer integriert. Erstmals gehen auch die Damen bei einem Grand Prix in der Kombination an den Start. Eine Weltpremiere, bei der auch Jenny Nowak ihr Können zeigen will. Die 15-Jährige ist eine von 13 Mädels aus 6 Nationen, die gemeldet haben. Allein die Zahlen verdeutlichen, dass die letzte Männerbastion im olympischen Wintersport bei der Weiblichkeit noch in den Babyschuhen steckt. So kann die 90-m-Schanze am Fichtelberg bei komplizierten Windverhältnissen auch zur Herausforderung für die Damen werden. Jenny Nowak aber schielt bereits auf die 120-m-Großschanze in ihrem Trainingsort Klingenthal, von der sie bald springen will. Die aus der Lausitz stammende Blondine gewann bei der Junioren-WM im Vorwinter in Kandersteg (Schweiz) den Demonstrationswettbewerb in der Kombination. "Ich bin schon ziemlich nervös und froh, dass ich nach einer Zwangspause wegen muskulärer Problemen überhaupt dabei sein kann", erklärt die Schülerin, die neben Sophia Maurus vom TSV Buchenberg die deutschen Farben vertritt.

Die erste Standortbestimmung der weltbesten Kombinierer vor dem WM-Winter wäre beinahe nicht am Fichtelberg über die Bühne gegangen. Die Veranstaltung hing am seidenen Faden, als sich abzeichnete, dass nun schon im dritten Jahr keine Aufstiegshilfe an der Schanze zur Verfügung steht. Die Endlosgeschichte des Baus einer neuen Liftanlage ließ WSC-Geschäftsführer Christian Freitag zweifeln, ob sich der Verein den Shuttle-Service mit Kleinbussen erneut leisten könne. Nach jedem Sprung müssen die Athleten vom Auslauf wieder hinauf an den Schanzenturm gefahren werden. "Für mich sind das 6700 Euro zusätzlich, die nicht im Budget stehen und bei denen ich noch nicht weiß, wo ich die herbekomme", meint Freitag, der zudem noch auf zugesagte Gelder aus den vergangenen Jahren wartet.

Letztlich entschied der WSC auch auf Anraten von Lasse Ottesen, dem Renndirektor des Weltskiverbandes FIS, den Grand Prix auszutragen. Nach Auskunft des Norwegers seien auch andere Veranstalter am Termin interessiert. "Wenn du einmal draußen bist, ist es schwer, wieder reinzukommen", sagt Christian Freitag, der Bruder vom deutschen Skisprung-Ass Richard. Der jahrelange Ausfall des Liftes, der laut Bürgermeister Mirko Ernst bis Ende September noch vom deutschen Tüv abgenommen werden muss, nennt der WSC-Geschäftsführer mit Blick auf den Nachwuchssport eine "mittelschwere Katastrophe". Momentan werden auch die neben der Fichtelbergschanze liegenden Nachwuchsanlagen (u. a. neue Anlaufspur und Banden im Hang) modernisiert. Im Winter sollen sie zumindest wieder sprungfähig sein.

Für Eric Frenzel ist der Liftausfall auf seiner Hausschanze zwar lästig, aber noch am ehesten zu verkraften. Denn im Nationalteam hat der 29-Jährige Möglichkeiten, bei Lehrgängen andere Schanzen zu nutzen. Nach einem Camp Ende Mai in Norwegen mit Skilanglauftraining gab es Schanzenkurse in Berchtesgaden, Kandersteg und Oberhof. "Ich habe einen Weg gefunden, wie ich wieder stabil meinen Grundsprung hinbekomme", sieht sich Frenzel bereits auf einem guten Weg. Aufgrund von leichten Schwankungen des Körpergewichts im Sommer (schwerer) und Winter hatte dem Olympiasieger etwas die Konstanz beim Springen gefehlt. Deshalb ist er auch bei der Wahl des Equipments wieder etwas zu den Wurzeln zurückgekehrt.

Eric Frenzel steht am Wochenende an der Spitze des 12-köpfigen Aufgebotes (mit nationaler Gruppe) von Bundestrainer Hermann Weinbuch. Acht Kombinierer, so viele wie noch nie, stammen aus Sachsen. Und dies ohne Björn Kircheisen, der erstmals als Trainer des B-Kaders vor Ort sein wird. Sein einstiger Zimmerkumpel Frenzel, jahrelang Aushängeschild des WSC Oberwiesenthal, wird übrigens ab sofort für den SSV Geyer antreten. Die Doppelmitgliedschaft bleibt zwar bestehen, das Startrecht wechselt aber zum SSV. "Ich war mit dem WSC nicht unzufrieden, möchte somit aber meinem Heimatverein Respekt zollen", begründet er den Wechsel. Im Herbst seiner Karriere - Frenzel plant bis Olympia 2022 - will der Erzgebirger als Zugpferd für die Nachwuchsarbeit in Geyer etwas zurückgeben.


 

Zeitplan und Tickets 

Samstag, 18. August, 14 Uhr: Einzel, Springen Damen, 15.30 Uhr: Teamsprint, Springen Herren; 18.15 Uhr: Skiroller Damen; 19 Uhr: Skiroller Herren.

Sonntag, 19. August, 9.20 Uhr: Einzel, Springen Damen, 11 Uhr: Einzel, Springen Herren, 13.15 Uhr: 5-km-Skiroller Damen, 14 Uhr: 10-km-Skiroller Herren.

Eintrittskarten (Schanze) gibt es in den "Freie-Presse"-Shops und an der Tageskasse. (tp)

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...