Auch mit Nübel übel: Schalke sorgt für Negativrekorde

Allmählich gehen die Negativ-Superlative aus: Das tief verunsicherte Schalke-Team sorgt seit Ende der Corona-Pause ständig für Enttäuschungen. Auch die Rückkehr des Bald-Bayern Nübel ins Tor zeigt keine Wirkung. Wagner bleibt nur die Hoffnung.

Gelsenkirchen (dpa) - David Wagner wirkt zunehmend ratlos. Nicht nur die Durchhalteparolen des Schalker Trainers scheinen seit Wochen zu verhallen. Auch alles, was Wagner mit seiner tief verunsicherten Mannschaft auf dem Platz probiert, funktioniert nicht.

Am Samstag blieb selbst der erneute Wechsel auf der Torwartposition wirkungslos. Am zurückgekehrten Alexander Nübel, der zur kommenden Saison bei Nationaltorhüter und Bayern-Kapitän Manuel Neuer in die Lehre geht, war die 0:1-Niederlage gegen Werder Bremen nicht festzumachen.

Gepatzt hatte vor dem Siegtreffer von Leonardo Bittencourt (32. Minute) am Samstag Jean-Clair Todibo, der sich im Mittelfeld einen unnötigen Ballverlust leistete. Das 25. Gegentor im elften Spiel ohne Sieg war Wagner schwer zu ertragen.

Am Pfingstmontag bestätigte Sportvorstand Jochen Schneider der «WAZ», dass der Club die Kaufoption für den 21 Jahre alten Todibo zum 31. Mai nicht wahrgenommen habe. «Die Frist ist gestern verstrichen. Wir besitzen jetzt keine Kaufoption mehr», sagte Schneider der Zeitung. Somit stehen die Zeichen auf Trennung von dem bis Saisonende vom FC Barcelona ausgeliehen Innenverteidiger, der für 25 Millionen Euro hätte verpflichtet werden können. Doch der Deal wäre für Schalke ohnehin zu teuer gewesen.

«Am Ende steht wieder eine Niederlage, am Ende steht wieder ein wahnsinniger individueller Fehler. Deshalb haben wir wieder verloren, auch wenn wir nicht viele Torchancen zugelassen haben», sagte Wagner nach der vierten Pleite seit der Corona-Pause, die sein Team völlig aus der Spur gebracht hat. Schon der Wiederbeginn im Derby war zum Debakel geraten. Dem 0:4 beim BVB folgten binnen sechs Tagen das 0:3 gegen Augsburg, das 1:2 in Düsseldorf und nun das 0:1 gegen Werder.

Angesichts der anhaltenden Talfahrt fand Schneider zudem deutliche Worte. «Unsere Rückrundenbilanz und insbesondere unsere Leistungen seit der Wiederaufnahme des Spielbetriebs sind niederschmetternd», sagte Schneider der «Bild». «Wir alle, sportliches Management, Trainerteam und Mannschaft, haben die dringende Verpflichtung, diesen erschreckenden Negativlauf umgehend zu stoppen. So können und dürfen wir uns als FC Schalke 04 nicht präsentieren.»

Ähnich sah es Wagner. «Ich möchte jetzt Corona nicht als Ausrede, als Alibi oder sonst etwas ausnutzen. Wir haben eine wahnsinnig schlechte Phase», meinte der Coach. «Natürlich geht so was an den Jungs nicht spurlos vorbei. Es ist jetzt an uns, ihnen das Selbstvertrauen zu geben, dass sie weiter sauber Fußball spielen.»

Sätze, die der Trainer seit Wochen gebraucht. Der letzte Schalke-Sieg resultiert aus einer gefühlt längst vergangenen Zeit, als noch Zuschauer im Stadion zugelassen waren. Am 17. Januar gewann Schalke zum Rückrunden-Start gegen den Champions-League-Kandidaten Mönchengladbach.

Nach dem 18. Spieltag war Schalke Fünfter, sieben Zähler hinter Bundesliga-Spitzenreiter RB Leipzig und punktgleich mit Erzrivale Dortmund. Mittlerweile fragen sich selbst Hardcore-Fans: Wie konnte Schalke damals so gut dastehen? Viereinhalb Monate später hat Königsblau die zweitschlechteste Serie der Clubhistorie aus der Saison 1996/1997 eingestellt. Und der nächste Tiefpunkt lauert schon.

Einmal blieb Schalke zwölf Mal nacheinander ohne Sieg - in der Spielzeit 1993/1994. Vor fast 27 Jahren. Am kommenden Sonntag müssen die Königsblauen bei Union Berlin antreten. «Die Situation für uns wird nicht angenehmer, wenn wir keine Zähler holen. Wir müssen weiter versuchen, wieder zu punkten - und das schnellstmöglich», sagte Alessandro Schöpf mit bangem Blick auf die nächste Herausforderung.

Hätte der Revierclub nicht schon in der Hinrunde 30 Zähler gesammelt - er wäre ein sicherer Abstiegskandidat. Dabei sind Wagners taktische Überlegungen durchaus nachvollziehbar. Nach den Patzern von Markus Schubert konnte er nicht an der eigentlichen Nummer zwei festhalten. Auch die Installation einer Fünfer-Abwehrkette - mit wechselndem Personal - erschien angesichts der Gegentorflut so logisch wie der Versuch, es gegen Bremen in der zweiten Hälfte mit der alten Offensiv-Taktik zu versuchen. Funktioniert hat aber auch das nicht.

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