Doppelschock für VfL: Nach Toptransfer auch Torwart verletzt

Eigentlich wollte der VfL Wolfsburg einen Rekord aufstellen und zum ersten Mal mit drei Siegen in eine Bundesliga-Saison starten. Herausgekommen ist aber: Nur ein 1:1 gegen den SC Paderborn und gleich zwei schwere Verletzungen.

Wolfsburg (dpa) - Den kommenden Gegnern in der Europa League kann der Kader des VfL Wolfsburg schon einigen Respekt einflößen. Da ist Wout Weghorst, der niederländische Torjäger. Oder Xaver Schlager, der 12-Millionen-Euro-Einkauf.

Oder auch Koen Casteels, der Torwart der belgischen Fußball-Nationalmannschaft. Das Bittere für den VfL ist nur, dass sich am Wochenende in nur einem Bundesliga-Spiel gleich zwei seiner besten und wichtigsten Spieler schwer verletzten.

Denn nach dem Knöchelbruch von Toptransfer Schlager in der 8. Minute des 1:1 (0:1) gegen den SC Paderborn gab der Verein am Sonntag auch noch den wochenlangen Ausfall seiner Nummer eins bekannt. Casteels erlitt «durch einen Tritt eines Gegenspielers einen Haarriss im rechten Wadenbein», wie es in einer Presseerklärung heißt.

«Ich bin selbst etwas geschockt, weil es sehr traurig ist, wenn sich ein Spieler so schwer verletzt», sagte Trainer Oliver Glasner nach dem Paderborn-Spiel. Und zu diesem Zeitpunkt konnte er nur etwas von der Verletzung Schlagers wissen und noch nichts von Casteels.

Der Unterschied zwischen beiden Fällen besteht darin, dass der Torwart nicht operiert werden muss und bereits in den letzten sieben Spielen der vergangenen Saison mehr als solide durch den Österreicher Pavao Pervan vertreten wurde. Schlager dagegen wird womöglich für mehrere Monate und damit auch in der Vorrunde der Europa League mit Spielen gegen PFK Olexandrija, AS Saint-Etienne und KAA Gent fehlen.

Der 21 Jahre alte Österreicher hatte sich in Wolfsburg nicht nur durch starke Leistungen eingeführt, sondern auch durch eine gewisse Schlagfertigkeit. «Es ist mein Job, dass ich viel laufe», sagte er dem «Kicker» erst in der vergangenen Woche. «Ansonsten könnte ich Schach spielen, da muss ich mich nicht anstrengen.»

Welchen Wert der Neuzugang von Red Bull Salzburg für das Spiel des VfL haben kann, ließ sich vor der Saison allein schon an der Höhe der Ablösesumme und an dem Umstand erkennen, dass auch RB Leipzig und Borussia Mönchengladbach den österreichischen Nationalspieler gern verpflichtet hätten. Schlager ist laufstark und dynamisch, auf seiner größten Stärke baut in dieser Saison das gesamte System des neuen Trainers Glasner auf: auf der Balleroberung im Zentrum des Spiels.

Schlagers Wert wurde deshalb am Samstag selbst in der kurzen Zeit deutlich, in der er gegen Paderborn mitspielen konnte. Am Anfang schienen die «Wölfe» den starken Aufsteiger geradezu auffressen zu wollen - bis Schlager bei einem Angriff im Rasen hängen blieb. Er musste erst behandelt und dann ausgewechselt werden. Gleich danach fiel das 0:1 durch Cauly Oliveira Souza (12.). Der VfL brauchte mehr als 40 Minuten, um sich von dem «Doppelschock» (Glasner) zu erholen. In der 56. Minute traf Josip Brekalo wenigstens noch zum 1:1.

Dieses Wolfsburger Wochenende ist ein gutes Beispiel dafür, wie schnell sich die Dinge im Fußball in die eine oder andere Richtung entwickeln können. Noch bis vor wenigen Tagen gab der VfL ein Musterbeispiel stringenter Kaderplanung ab. Früher als die meisten anderen Vereine hatten die Niedersachsen ein sehr ausgeglichenes und vor allem schon komplettes Aufgebot beisammen. Doch dann gaben sie am Mittwoch den deutschen U21-Nationalspieler Felix Uduokhai an den FC Augsburg ab und mussten am Samstag schon die zweite Verletzung eines defensiven Mittelfeldspielers nach Ignacio Camacho hinnehmen.

Und so ist nur wenige Stunden vor dem Ende der Wechselfrist an diesem Montagabend auf einmal die Frage, ob die Wolfsburger für die Teilnahme an drei Wettbewerben noch breit genug aufgestellt sind? Die Tendenz geht dahin, keinen neuen Spieler mehr zu holen. «Im Prinzip ist der Kader groß genug und gut genug aufgestellt», sagte Glasner.

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