"Eine extrem schwierige Saison"

Fußball: Frauenmannschaft des FC Erzgebirge Aue beendet Regionalligaserie auf Rang zehn - Trainer Alexander Zamzow im Zwiespalt

Aue.

Die Frauenfußballmannschaft des FC Erzgebirge Aue nimmt seit Jahren die Spitzenposition in der Region ein, spielt von allen Teams in der höchsten Klasse. Alexander Zamzow betreut seit Sommer 2016 den Regionalligisten ehrenamtlich als Trainer. Mit dem 48-Jährigen, der als Kfz-Lackierer arbeitet, sprach Martina Martin über die aktuelle Situation.

Freie Presse: Die dritte Saison als Frauencoach liegt hinter Ihnen. Wie fällt ein Vergleich aus?

Alexander Zamzow: Es war eine extrem schwierige Saison für uns. In den Vorjahren lief es bei weitem nicht so kompliziert. Wir wussten von Anfang an, dass es mit der jungen Mannschaft nicht einfach wird. Unsere Vermutung hat sich bestätigt, es war sogar noch schlimmer.

Den zehnten Rang in der Abschlusstabelle bewerten Sie als Enttäuschung?

Trotz aller Probleme wollten wir eigentlich nicht bis zum fast letzten Spieltag um den Klassenerhalt kämpfen. Wir hatten dann letztlich vier Punkte Vorsprung auf die Abstiegsplätze und das bessere Torverhältnis. Aber wie in den Jahren zuvor hatten wir wieder einen Platz im Mittelfeld anvisiert.

Welche Gründe waren für das unbefriedigende Abschneiden vor allem ausschlaggebend?

Drei Leistungsträgerinnen hatten uns nach der vergangenen Saison verlassen. Das war schwer zu kompensieren. Dazu kam aber, dass vier andere Säulen, auf die wir bauen wollten, plötzlich wegbrachen. Elisa Polusik, die einen Kreuzbandriss erlitt, und Nicole Dehne verletzten sich schwer und fielen aus. Heidi Dotzauer und Emelie Kuhl, von denen wir uns wegen ihrer Fähigkeiten einiges erhofft hatten, fehlten wegen der Ausbildung oder berufsbedingt sehr oft. Das wirkt sich natürlich bei unserem ohnehin schon schmalen Kader negativ aus, auch auf die Trainingsbeteiligung. Außerdem gab es generell zu viele Leistungsschwankungen in den einzelnen Spielen.

Können Sie das etwas näher beschreiben.

Unsere Liga war zweigeteilt. Vier Topteams spielten auf einem anderen Level. Gegen sie konnten wir uns aber meist ganz gut aus der Affäre ziehen, erkämpften beispielsweise gegen den Vierten Magdeburg ein Remis. Aber in den Partien gegen Kontrahenten auf Augenhöhe haben wir zu viele Punkte, die möglich waren, vergeben. Es fiel uns da schwer, selbst das Geschehen zu bestimmen. Den Tiefpunkt bildete das 0:1 gegen Berlin-Marzahn, einen der zwei Absteiger.

Ihr Team gehört hinsichtlich der Altersstruktur zu den jüngsten der Liga. Spielte die Unerfahrenheit auch eine Rolle?

Sicher war das auch ein Grund. Und diesbezüglich hatten wir die Erwartungen nicht zu hoch geschraubt. Aber, wenn es darauf ankam, wurde das eigentliche Können von allen zu wenig abgerufen. Wenn ein gewisser Druck da war, fehlte die Leichtigkeit. Da unterliefen sowohl den jüngeren als auch die reiferen Spielerinnen ungewohnt viele Fehler. In entscheidenden Situationen vermissten wir zudem die Cleverness. Wie oft tauchten Spielerinnen allein vor der gegnerischen Torhüterin auf und brachten den Ball nicht unter. Die Chancenverwertung bleibt unser Manko. Und durch die Besetzungsprobleme besaßen wir kaum Variationsmöglichkeiten oder Alternativen.

Wird es für die kommende Saison Verstärkungen geben?

Neuzugänge von außerhalb sind nicht in Sicht. Es ist schwierig, jemanden nach Aue zu locken. Wir können ja auch nicht auf Studentinnen zurückgreifen. Und als nebenberuflicher Trainer fehlt die Zeit für Beobachtungen. Ich hoffe dennoch immer, dass es Mädchen aus anderen Vereinen gibt, die den Wunsch und vor allem den Mut haben, bei uns höherklassig zu spielen. Unser Kader bleibt zusammen. Und wir bauen weiter auf den eigenen Nachwuchs, der sachsenweit die Spitze mitbestimmt. Vier starke Talente rücken altersmäßig auf.

Die zweite Mannschaft schaffte den Aufstieg in die Landesliga. Da sollten doch die interne Konkurrenz größer werden?

Die Problematik erweist sich als schwierig. Der Aufstieg ist eine schöne Sache. Er zeigt, dass es Entwicklungen gibt, die Spielerinnen nun mehr gefordert werden. Normalerweise brauchen wir die Leistungsträgerinnen für die erste Mannschaft, wollen aber die zweite nicht zu sehr schwächen. Da gibt es einige Interessenskonflikte, die Gefühle sind im Zwiespalt. Trotzdem müssen wir uns im Verein auf eine klare Linie dahingehend verständigen, dass die erste Mannschaft Priorität besitzt - und das mit aller Konsequenz. Ich möchte nicht noch einmal jede Woche unnötige Zeit damit verbringen, um den Kader zusammenzustellen.

Klingt da ein wenig Resignation heraus?

Nein. Ich bin nach wie vor motiviert, diese junge Mannschaft weiterzuentwickeln. Mein Co-Trainer Bernd Stettinius und ich sind uns einig, dass im Team noch extrem viel Potenzial steckt, Steigerungen möglich sind. Gott sei dank habe ich ihn als Fachmann und wichtigen Ansprechpartner sowie als Torwarttrainer an meiner Seite. Die Aufgabe bleibt reizvoll für mich. Ich hoffe, wir können noch einiges bewegen.

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