«Eine Riesenchance»: Kohfeldt hofft auf Werder-Neustart

Vor der Corona-Pause sah es so aus, als befände sich Werder Bremen im freien Fall Richtung Zweite Liga. Die Unterbrechung war deshalb für den Club auch eine Chance. Doch vor dem Leverkusen-Spiel am Montag zeigt sich: Werder hat nicht nur sportliche Sorgen.

Bremen (dpa) - Es klingt wie eine Drohung. «Für uns in Bremen ist der kommende Montag entscheidend», sagte der Bremer Innensenator Ulrich Mäurer vor dem Bundesliga-Spiel zwischen Werder und Bayer Leverkusen (Montag, 20.30 Uhr/DAZN).

Es gab am Wochenende bislang nicht die von ihm befürchteten Fan-Aufläufe vor den leeren Stadien. Und es gab auch noch keinen positiven Corona-Test bei einem Werder-Spieler, obwohl einer von ihnen wegen der Infektion eines Familienmitglieds seit mehreren Tagen in häuslicher Quarantäne hockt.

Trotzdem wird die Fortsetzung der Bundesliga nirgendwo sonst von der Politik so streng beobachtet und kritisch gesehen wie in dem kleinsten deutschen Bundesland. Nur ein größerer Zwischenfall, der den Einsatz der Polizei oder des Gesundheitsamtes nötig macht - und das könnte es selbst mit Geisterspielen im Weser-Stadion schon wieder gewesen sein, deutete SPD-Politiker Mäurer in einem Interview des Magazins «Der Spiegel» an. Der Tabellenvorletzte Werder ist deshalb vor dem auch sportlich so wichtigen Leverkusen-Spiel gleich doppelt angespannt.

«Das Spiel ist für uns eine Riesenchance, den Abstand zu verkürzen und Druck auf die anderen aufzubauen», sagte Trainer Florian Kohfeldt bei einer virtuellen Pressekonferenz am Sonntag. «Es ist kein Endspiel. Es ist eines von zehn Spielen. Wir wissen aber auch, dass wir punkten müssen und damit definitiv schnell anfangen sollten.»

Denn an der prekären sportlichen Situation der Bremer hat sich in zwei Monaten Corona-Pause nichts geändert. Werder hat nur eins seiner vergangenen elf Bundesliga-Spiele gewonnen und seit dem Unentschieden der beiden direkten Konkurrenten Fortuna Düsseldorf und SC Paderborn nun fünf Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz. Es ist der Mannschaft von Kohfeldt keine Hilfe, dass in Bremen das Spannungsfeld mit der Politik größer und die Nebengeräusche auch deshalb häufig lauter sind als an anderen Standorten.

Bremen durfte erst später wieder mit dem Mannschaftstraining anfangen, und der SV Werder weiß seit den Diskussionen der vergangenen Woche auch: Es kann sein, dass wir direkt absteigen, wenn die Saison doch noch endgültig abgebrochen werden muss. In Bremen klagt man über so etwas gern ausgiebig, trotzdem sieht Sportchef Frank Baumann die mehrwöchige Unterbrechung auch mit einigem Recht als «Chance für einen Neustart», wie er am Sonntag sagte.

Denn Werder hat in dieser Zeit etwas Abstand gewonnen zu den vielen Niederlagen und vor allem die körperlichen Defizite aufholen können, die aus den großen Verletzungsproblemen der Hinrunde entsprangen. «Wir sind vom physischen Stand in der besten Situation dieser Saison. Es ist jetzt eine ganz andere körperliche Frische da», sagte Kohfeldt. «Wir können auch aus der besten personellen Situation schöpfen, die wir in dieser Saison bislang hatten.» Nicht einmal die Gelbsperre von Davy Klaassen sowie die Verletzungen von Claudio Pizarro und Ludwig Augustinsson würden daran etwas ändern.

Und so hofft man bei Werder, dass sich die vielen Probleme dieser Saison doch noch nach und nach lösen. So wie das am Sonntag auch bei der Frage nach der Übertragung des Leverkusen-Spiels der Fall war, das nach langem Streit nun doch beim Streamingdienst DAZN zu sehen sein wird. Ähnlich zuversichtlich ist Baumann auch, dass sich am Montag anders als befürchtet keine Fanmassen am Stadion versammeln werden. «Es ist bei den Fans ein großes Verantwortungsbewusstsein zu spüren», sagte er am Sonntag. «Trotzdem möchte ich einen Appell an unsere Fans richten, morgen Abend nicht zum Weser-Stadion zu kommen.» Damit die Polizei nicht eingreifen muss. Und damit es bei den Debatten der vergangenen Tage bleibt.

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