Gegen Wölfe ist Kaltschnäuzigkeit gefragt

RB Leipzig hofft im Bundesliga-Topspiel gegen den VfL Wolfsburg auf die Trendwende. Nach drei Pflichtspielen ohne Sieg muss vor allem eine bessere Chancenverwertung her. Dabei wird die Aufstellung ein Puzzle. Eine Personalie ärgert den RB-Trainer besonders.

Leipzig.

Dem ein oder anderen traditionsbewussten Fußballfan mögen sich die Fußnägel hochrollen - doch nüchtern betrachtet, ist das Duell zwischen RB Leipzig und dem VfL Wolfsburg am Samstag (15.30 Uhr) das Topspiel des Bundesliga-Spieltages. Das Duell zwischen den von Red Bull finanzierten Tabellenvierten und den zweitplatzierten Wölfen aus der Autostadt bietet aus sportlicher Sicht allerhand Spannung. Der VfL hat aktuell die stärkste Defensive der Liga (vier Gegentore in sieben Punktspielen) und als einziger Bundesligaclub noch keine Niederlage auf dem Konto. Entsprechend erwartet Leipzigs Außenverteidiger Lukas Klostermann einen Gegner, der "mit breiter Brust aufspielen wird". Aus seiner Sicht ist der Plan klar: "Gute Arbeit gegen den Ball und in den entscheidenden Momenten vorn zuschlagen".

Allerdings liegt im letzteren Teil der Aussage der Knackpunkt: Die Leipziger schlagen aktuell eben nicht zu. RB hat in den vergangenen drei Pflichtspielen zwar 54-mal auf das Tor geschossen, aber nur zwei Mal in selbiges getroffen - und keine der drei Partien gewonnen. Vor allem Nationalstürmer Timo Werner ließ untypischer Weise viele gute Gelegenheiten aus. Ausgerechnet vor dem Duell mit dem Abwehrbollwerk aus Niedersachsen fehlt die Kaltschnäuzigkeit. "Nach dem Leverkusen-Spiel ist mir aufgefallen, dass wir keine gute Chancenverwertung haben. Da müssen wir ansetzen", meinte auch RB-Trainer Julian Nagelsmann.

Auf der Pressekonferenz vor dem Spiel lobte der 32-jährige Coach den Gegner: "Sie haben 19 Spiele mit allem drum und dran und keine Niederlage - das spricht für sich." Wolfsburg hat seit dem Sommer mit dem Österreicher Oliver Glasner einen neuen Trainer an der Seitenlinie. Dessen Fußballstil ähnelt dem der Leipziger, findet Nagelsmann: "Sie verteidigen sehr mutig, haben eine proaktive Spielweise." Und im Sturmzentrum wartet mit dem 1,97 Meter großen Wout Weghorst ein gefährlicher Angreifer. "Er ist ein klassischer Stoßstürmer, der nicht nur in der Box parkt. Er ist nicht nur von einem Spieler zu verteidigen, das müssen wir im Kollektiv machen", mahnte der junge Trainer.

Die Serie von nun 19 Partien ohne Niederlage (Testspiele mit einbezogen) wollen die Wolfsburger natürlich gern ausbauen, brauchen dafür laut Glasner aber eine Topleistung. Dass Leipzig in den vergangenen Jahren so erfolgreich war, führt der Österreicher vor allem auf die konstant verfolgte Spielidee zurück: "Es spielen wenige Neuverpflichtungen. Der Kern der Mannschaft ist schon viele Jahr beim Club."

In der Startelf der letzten Bundesligabegegnung (1:1 bei Bayer Leverkusen) standen bei den Leipzigern sieben Spieler, die schon mindestens seit 2015 im Verein sind. Neuzugänge kamen dagegen nur von der Bank. Mit Matheus Cunha war nur ein Profi in Startelf, der weniger als zwei Jahren im Verein ist. Ähnlich sieht es schon die ganze Saison aus. Lediglich Christopher Nkunku kam bislang zu regelmäßigen Einsätzen, stand insgesamt schon bei neun Pflichtspielen auf dem Platz.

Die anderen Sommerverpflichtungen konnten sich dagegen bislang kaum empfehlen. Der aufgrund seiner guten Leistungen zurückgeholte Ademola Lookmann stand erst 41 Minuten auf dem Feld. Für Last-Minute-Neuzugang Patrick Schick waren es gar erst 27. Dazu machte der tschechische Stürmer gegen Leverkusen keine gute Figur. "Er ist bei uns leider noch nicht wirklich angekommen und wir konnten seine Qualität nicht genießen", erklärte Nagelsmann. Daran wird sich erst einmal nichts ändern. Schick fällt vorerst aus, da sich während der Länderspielreise eine alte Verletzung am Sprunggelenk bemerkbar gemacht hat.

Das stößt dem RB-Coach sauer auf: "Die Absprache war eigentlich, dass er das Freundschaftsspiel nicht macht. Er wurde dann eingewechselt. Dass es jetzt dieselbe Verletzung ist und er sie sich in einem Testspiel zugezogen hat, hat natürlich einen faden Beigeschmack." Ärgerlich ist das auch für den Angreifer: Aufgrund der schwachen Torausbeute hätte er derzeit gute Chancen auf Einsatzminuten. So wird Nagelsmann wohl auch im Topspiel erneut auf die bekannten Gesichter setzen, um gegen den Trend anzukämpfen.

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