Gladbach fühlt sich «wie ein Punchingball»

Mehr als zwei Monate stand Borussia Mönchengladbach an der Spitze der Fußball-Bundesliga. Jetzt folgten aber zwei bittere Rückschläge in nur vier Tagen. Da half auch das späte Eingeständnis des DFB-Projektleiters für den Videobeweis nichts.

Mönchengladbach (dpa) - Für die zarte Selbstkritik des DFB konnte man sich bei Borussia Mönchengladbach am Montag auch nichts mehr kaufen. Die Tabellenführung in der Fußball-Bundesliga ist erst einmal weg.

Und auch die vermeintliche Pflichtaufgabe am Mittwoch gegen den Tabellenletzten SC Paderborn (20.30 Uhr/Sky) ist auf einmal mit einer gewissen Bedeutung und Anspannung versehen, weil die Gladbacher bis dahin zwei schwere Rückschläge innerhalb von nur vier Tagen zu verarbeiten haben. «Diese Liga ist ein Brocken», sagte Torwart Yann Sommer nach dem bitteren 1:2 (1:1) beim VfL Wolfsburg.

Die Duplizität dieser Rückschläge macht der Borussia besonders zu schaffen. Schon beim Europa-League-K.o. gegen Basaksehir Istanbul fiel das entscheidende Gegentor in der letzten Spielminute. Am Sonntag in Wolfsburg traf Maximilian Arnold sogar erst in der Nachspielzeit (90.+1) für den VfL. Bislang war es in dieser Saison immer die Mannschaft von Marco Rose gewesen, die den Ausgang wichtiger Spiele durch späte Tore entschied. Gegen Bayern München. Gegen AS Rom. Oder im Derby gegen Fortuna Düsseldorf.

Was hat sich in den vergangenen Tagen verändert? Dieser Frage ging in Wolfsburg vor allem Sommer nach. Ein Punkt war für den Schweizer von Anfang an, dass er gleich beide Tore des VfL für irregulär hielt. Vor dem 0:1 durch Xaver Schlager (13.) habe ihm ein Wolfsburger aus leichter Abseitsposition heraus die Sicht versperrt. Dem Siegtor von Arnold sei ein Foul des VfL-Stürmers Wout Weghorst vorausgegangen.

Die Gladbacher wollten daraus kein großes Thema machen, aber am Tag nach dem Spiel räumte selbst Jochen Drees, der Projektleiter für den Bereich Videoassistent beim Deutschen Fußball-Bund ein: Der Schiedsrichter hätte zumindest das erste Tor noch einmal überprüfen müssen. Denn: «Nach unserer fachlichen Analyse der Szene wäre die Sichtbehinderung des Gladbacher Torwarts nach den vorliegenden TV-Bildern eher zu bejahen.»

Der fehlende Videobeweis reicht als Erklärung aber nicht aus. Und so kommt zu der statistischen Auffälligkeit, dass die Borussia in der Volkswagen-Stadt nun schon 15 von 20 Bundesliga-Spielen verloren hat, noch ein weiterer Punkt hinzu: der körperliche Verschleiß nach mittlerweile 23 Spielen in gut vier Monaten. «Wenn man so viele englische Wochen hat wie wir, dann zehrt das an den Kräften», sagte Sommer. «Das muss man erstmal schlucken.»

Im Prinzip gilt das auch für die Wolfsburger, die ebenfalls noch in der Europa League gefordert waren. Aber beim VfL kommen in der Endphase dieser Hinrunde nach und nach Spieler wie Xaver Schlager oder Daniel Ginczek zurück, die vorher lange gefehlt hatten. Die sind hungrig statt müde und geben ihrem Team noch einmal einen Impuls, wie vor allem das Beispiel des auch von der Borussia umworbenen Österreichers Schlager zeigt.

Einen Impuls braucht jetzt auch die Borussia. «Wir werden sehr, sehr kritisch hinterfragen. Denn wir wollen auch wieder Fußballspiele gewinnen», sagte Trainer Marco Rose in einem Sky-Interview.

Im schlimmsten Fall rutscht der Spitzenreiter der vergangenen zwei Monate in der letzten Woche dieses Fußball-Jahres noch aus den Champions-League-Rängen, nachdem er vorher schon aus zwei von drei Wettbewerben ausgeschieden ist. Im günstigsten Fall aus der Sicht der Borussia aber verliert der neue Tabellenführer RB Leipzig schon am Dienstag in Dortmund und kann dann nur einen Tag später durch einen Heimsieg gegen Paderborn wieder von der Spitze verdrängt werden.

Beim nächsten Gegner jedenfalls ist man sich sicher: «Die Gladbacher sind nicht von der Rolle. Sie hatten nur Pech in letzter Zeit», sagte Paderborns Trainer Steffen Baumgart am Montag. «Sie haben eine sehr gute Hinrunde gespielt und wollen sich die Punkte jetzt wiederholen.»

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