Kein Vorankommen zu sehen

Wieder eine Pleite beim Angstgegner Freiburg: RB Leipzig taumelt, nach vier Bundesligaspielen ohne Sieg. Der Trainer genießt Rückendeckung. Doch ändern sich nicht bald die Ergebnisse, könnte die Saison schnell entgleiten.

Leipzig.

Es ist, wenn man so möchte, die alte Leier. RB Leipzig ist in der 1. Fußball-Bundesliga meist die überlegene Mannschaft, was sich auch so ziemlich in allen Statistiken niederschlägt. Nur in den entscheidenden - also Tore und Punkte - sieht es derzeit schlecht aus. Insofern passte die 1:2 (0:1)-Pleite beim SC Freiburg am Samstag perfekt ins Bild. Es war das vierte Spiel in der bisherigen Bundesligasaison ohne Dreier für die Leipziger. "So kommen wir nicht voran. Wir spielen nicht so gut, wie wir uns das vorstellen", stellte Trainer Julian Nagelsmann fest.

Wie zuvor gegen Wolfsburg (1:1), Leverkusen (1:1) und Schalke (1:3) hätte RB dieses Spiel durchaus gewinnen können. Denn die Leipziger hatten mehr Torschüsse (24:14), mehr Ballbesitz (60:40 Prozent, eine bessere Zweikampfquote (59:41) und mehr erfolgreiche Pässe (513:300). Nur half das alles nichts, weil der Ex-Auer Nicolas Höfler (45.+2) und Edeljoker Nils Petersen (90.) zwei Mal eiskalt zuschlugen. Der Anschlusstreffer durch Lukas Klostermann (90.+2) blieb folgenlos.

"Wir haben es 38 Minuten lang gut gemacht", analysierte Nagelsmann. "Und dann haben wir vor der Zeit die Halbzeitglocke gehört und das Spielen eingestellt. In diesen fünf Minuten haben wir das Spiel verloren." Durchaus angefressen ergänzte der 32-Jährige: "Nach der Pause war es sehr schlecht". Kapitän Willi Orban sagte: "In der ersten Hälfte hatten wir einen guten Spielvortrag, aber nur bis zum entscheidenden letzten Drittel".

Die Aussagen nach dem Spiel ähnelten sich zuletzt. Leipzig spielt gut, nur im entscheidenden Teil des Spielfeldes fehlt die Kreativität. "Uns fehlt momentan der Tiefgang, der Spielwitz, die Dynamik", brachte es Orban auf den Punkt.

So hat sich die Stimmung nach dem sehr guten Saisonstart merklich eingetrübt. "Ich glaube, dass wir in kaum einem Spiel die deutlich schlechtere Mannschaft waren. Aber das bringt uns natürlich nicht viel", sagte Torschütze Klostermann. "Der Druck, der eh schon ein bisschen da war, ist auf den Mann im schwarzen Pulli nicht kleiner geworden", sagte Nagelsmann, der besagtes Kleidungsstück trug, mit einem lakonischen Grinsen.

Bislang weißt er die Vereinsverantwortlichen noch voll hinter sich. Auch weil klar war, dass es dauern würde, bis der ehrgeizige Coach all seine Ideen würde umsetzen können. So wächst vor allem der Druck auf die Spieler, von denen viele auch höhere Ansprüche an sich selbst haben. Nach Informationen der BILD-Zeitung gab es in der Nacht von Samstag auf Sonntag noch ein Krisentreffen im Trainingszentrum von RB. Dem Bericht zufolge richtete Manager Markus Krösche noch einige ernste Worte an die Mannschaft, nachdem der Tross per Charterflug aus dem Schwarzwald zurückgekehrt war. Hauptkritikpunkte waren demnach fehlende Gier der Mannschaft und Führungsspieler, die zu leise sind. Letzteres hatte Nagelsmann schon in der Saisonvorbereitung öffentlich moniert.

Das Heikle an der aktuellen Lage: Bekommen die Leipziger nicht schleunigst die Kurve, könnte die Saison früh eine schlechte Wendung nehmen. Bereits übermorgen spielt RB im DFB-Pokal in Wolfsburg. Gerne würden die Sachsen ihren Finaleinzug aus der Vorsaison wiederholen - gegen formstarke Wölfe wird schon das Weiterkommen in Runde zwei schwer. In der Liga folgen Spiele gegen die Kellerkinder Mainz (H), Hertha BSC (A), Köln (H) und Paderborn (A). Nagelsmann muss mit seinen Männern für diese Partien dringend die Kreativität in der Offensive zurückfinden - sonst droht ein ungemütlicher Herbst.

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