«Leben total in Balance»: Hoeneß über sich, Kahn & Co.

Uli Hoeneß zieht vor seinem Rückzug von der Spitze des FC Bayern München noch mal Bilanz. Im Vereinsmagazin «51» äußert er sich über Herbert Hainer, Oliver Kahn, die 100-Millionen-Marke bei Transfers und seine eigene Lernfähigkeit.

München (dpa) - Uli Hoeneß sieht sich künftig auch ohne Spitzenamt als wichtigen Ratgeber seines Herzensvereins.

Der scheidende Bayern-Präsident äußerte sich in einem Abschieds-Interview des Vereinsmagazins «51» unter anderem über seine Nachfolgeregelung beim deutschen Fußball-Rekordmeister, seinen größten Fehler und das Internet. Hoeneß über...

Herbert Hainer und Oliver Kahn:

«Oliver saß oft in meinem Büro zum Kaffee auf der Couch, und seine Entwicklung in den letzten Jahren hat mir immer mehr imponiert. Wir hatten sehr tiefgreifende Gespräche. Vor zehn oder auch vor fünf Jahren hätte ich ihn mir in dieser Position noch nicht vorstellen können - und als ich ihn schließlich gefragt habe, ob das für ihn überhaupt interessant wäre, hat er kurioserweise zunächst auch gemeint, er könne sich das gar nicht vorstellen. Eine Woche später rief er dann aber an und sagte, wir sollten das vielleicht doch mal genauer durchsprechen. Als ich Herbert Hainer fragte, sagte er: 'Das ist der einzige Posten auf der Welt, der mich reizen würde.'»

Hainer, der auch als DFB-Boss im Gespräch war:

«Ja. Bei der nächsten Wahl in drei Jahren wäre er dann vielleicht nicht mehr zur Verfügung gestanden. Ich halte Fritz Keller nun beim DFB aber auch für eine fantastische Besetzung. Wenn ich von Hainer und Kahn nicht völlig überzeugt wäre, hätte ich noch mal kandidiert. Dieser Präsident in den USA ist 73, sein Herausforderer sogar bald 78 und der große Hoffnungsträger der Demokraten 70 - da habe ich mir schon gedacht: 'Und du Idiot hörst mit 67 auf!' Aber ich finde zwei Aspekte wichtig: Ich will nicht zum Teufel gejagt werden. Und ich will auch nicht sagen: Hoffentlich geht es dem FC Bayern nach meinem Abschied schlecht, damit mein Schaffen im Nachhinein im größtmöglichen Licht dasteht. Meine Maxime ist, dass es dem Verein künftig sogar noch besser geht. Weil es mir immer um den FC Bayern geht, nie um einzelne Personen.»

die Kritik, Hainer und Kahn seien nur Vertraute für den Machterhalt:

«Das behaupten nur Menschen, die hinter jedem Busch einen Feind sehen. So ticke ich nicht. Ich habe Leute ausgesucht, denen ich diese Aufgabe zutraue. Und ich darf schon auch mal selbstbewusst feststellen: Ohne mich sähe dieser FC Bayern anders aus. Wenn meine Nachfolger das ähnlich hinbekommen, könnten doch alle recht glücklich sein.»

seinen neuen Lebensabschnitt:

«Ich bin selbst neugierig. Mein Büro soll Herbert Hainer beziehen. Wenn man beim FC Bayern meinen Rat braucht, bin ich da. Wenn sie ihn nicht brauchen, ist es ein gutes Zeichen. Mein Leben ist total in Balance. Besonders freue ich mich auf noch mehr Zeit mit meinen Enkelkindern. Ich bin unter anderem Vorsitzender des Kuratoriums der Dominik-Brunner-Stiftung und sitze im Vorstand der FC Bayern Hilfe eV, werde weiter meine Vorträge halten, dazu Golfen und Schafkopfen - es wird nicht so sein, dass ich zuhause vor dem Telefon sitze und warte, dass jemand anruft.»

seine Fehler:

«Mein allergrößter Fehler war meine Steuersache. Das bereue ich zutiefst, und Kritik daran ist höchst berechtigt. Ich bin meiner Familie unendlich dankbar, sie war ein ungeheurer Halt. Damals konnte ich viel nachdenken und über das Leben lernen. So verrückt es klingt: Auch diese Zeit möchte ich nicht missen. In schweren Stunden erinnere ich mich an die Schicksale, die ich da mitbekommen habe. Einmal saß einer noch in meiner Kammer, obwohl er entlassen war. Er sagte, er wüsste nicht, wohin er soll. Keiner hat ihn abgeholt. Irgendwann saß er dann doch in einem Taxi. Ins Nirgendwo. Solche Erlebnisse gehen nicht spurlos an einem vorüber.»

das Fallen der 100-Millionen-Marke bei Transfers 2020:

«So eine Summe wäre stemmbar. Aber ich glaube nicht, dass sie fällt, wenn man geschickt genug vorgeht.»

das Internet:

«Ich werde mich damit beschäftigen und es dann soweit beherrschen, dass ich mir darin auch mal gezielt Informationen besorgen kann. Es wird bei meiner Frau und mir jedoch nie so weit kommen wie bei diesem amerikanischen Ehepaar, das im Sommerurlaub am Nebentisch saß und sich eine Stunde nicht unterhalten hat, weil beide mit ihrem Smartphone beschäftigt waren. Ich habe mir fest vorgenommen, dass ich bei sozialen Medien in Zukunft bei meinen Familienmitgliedern mitreden kann. Momentan werde ich da immer etwas mitleidvoll in die Ecke gestellt (grinst).»

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