Passmaschine und Dauerläufer: Renaissance des Kevin Kampl

Sechs Monate hatte Kevin Kampl kein Spiel absolviert. Weil Leipzig in seiner Abwesenheit gut spielte, wurde sogar über den Abgang des Spielmachers spekuliert.

Leipzig (dpa) - Die Corona-Pause hat an Kevin Kampl sichtliche Spuren hinterlassen. Seine silberblond gefärbte Mähne muss der Spielmacher von RB Leipzig mittlerweile mit einem Zopf bändigen. Doch nicht nur wegen seiner Haarpracht war Kampl beim Neustart der Fußball-Bundesliga im Blickpunkt. Der Slowene war beim 1:1 gegen den SC Freiburg - seinem ersten Spiel nach sechs Monaten Verletzungspause - gleich der beste Leipziger.

Vor allem nach einer Taktikumstellung von Trainer Julian Nagelsmann in der zweiten Halbzeit blühte Kampl auf. «Auf der Acht hat er mir nicht 100 Prozent gefallen», befand der Coach. «Er ist ein Spieler, der sich total wohlfühlt, wenn er viel vom Feld vor sich hat. Als er dann in der zweiten Halbzeit auf der Doppelsechs gespielt hat, war er sehr gut.»

In Zahlen ausgedrückt: Kampl wies eine Passquote von 92 Prozent aus. Das schaffte keiner seiner Teamkollegen und lag vier Prozent über dem Schnitt von RB in diesem Spiel. Zudem gewann der 29-Jährige 17 Zweikämpfe (die meisten beider Teams) und war mit 11,7 abgespulten Kilometern die Laufmaschine der Sachsen. Als Krönung bereitete Kampl den Ausgleich durch Yussuf Poulsen mit einer maßgeschneiderten Flanke vor.

Zuvor hatte Kampl bereits Ademola Lookman bedient - doch der Brite war kläglich aus wenigen Metern gescheitert. Verständlich, dass Kampl nicht rundherum zufrieden war. «Ich glaube, wir sind fünfmal vorm leeren Tor gestanden und müssen das Ding einfach nur machen», sagte der zweifache Familienvater. Man sehe aber aufgrund der vorhandenen Chancen, das man in der Vorbereitung gut gearbeitet habe.

Vor allem Kampl hat einiges an Arbeit hinter sich. Am 9. November hatte er beim 4:2 gegen Hertha sein letztes Spiel gemacht. Dann zog er selbst die Notbremse. Seine Knöchelverletzung, an der er mehr als ein Jahr laborierte, lies der Allrounder schließlich operativ behandeln und quälte sich im Anschluss durch die Reha. In Kampls Abwesenheit legte Leipzig eine Serie mit nur einer Niederlage aus 14 Spielen hin. Den nur bis 2021 gebundenen Kampl, so konnte man meinen, werde man wohl bald nicht mehr in der Red Bull Arena sehen. Schließlich fährt man bei RB die Strategie, mit Spielern zu verlängern oder sie spätestens ein Jahr vor Vertragsablauf zu verkaufen.

Wie falsch manche Kritiker lagen, bewies Kampl mit seiner Renaissance gegen den SC Freiburg. Er gab den Takt vor, setzte seine Mitspieler klug ein, war kaum vom Ball zu trennen. «Er hat eine gute Struktur», betonte Nagelsmann. Seine Spielstärke hebt Kampl von seinen direkten Konkurrenten Konrad Laimer, Tyler Adams und Marcel Sabitzer ab, macht ihn in der Freiburg-Form unverzichtbar.

Deshalb soll in den nächsten Wochen die Vertragsverlängerung erfolgen. Nach Informationen der «Bild» habe es erste Gespräche bereits gegeben. Kampl dürfte auf einen Vertrag über drei Jahre aus sein, es wäre wohl sein letzter großer. Seine Auslandspläne scheint der Führungsspieler zu den Akten gelegt zu haben. Er wohnt mit Freundin Vanessa und den Söhnen Jordi Noel und Louis Jamie nur wenige Hundert Meter vom Stadion entfernt, fühlt sich in Leipzig pudelwohl. Und das merkt man auch auf dem Platz.

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