Pauken fürs Business: Fußball-Manager aus der Akademie

Baumann, Bobic, Salihamidzic, Kehl: Bei den Fußballvereinen werden die Geschicke häufig von früheren Profis gelenkt. Ab Herbst soll ein akademisches System bei der Suche nach Managertalenten helfen.

Frankfurt/Main (dpa) - Eigentlich gibt es im Fußballgeschäft klare Spielregeln. Wer Trainer werden will, muss einen Trainerschein machen. Wer Schiedsrichter werden will, kommt um einen Schiedsrichterschein nicht herum.

Und wer Manager werden will, der hat am besten früher selbst höherklassig gespielt und ist dem Verein nach der aktiven Karriere als Profi treu geblieben - so ist es bisher.

Um die Rolle der Manager und Sport-Geschäftsführer in Zukunft deutlich zu stärken, haben der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und die Deutsche Fußball Liga (DFL) ein Zertifikat entworfen, eine Art Mini-Universität für die Fußball-Bosse von morgen. Denn im Milliardenbusiness Profifußball geht es nicht nur um Fußball-Fachwissen, Siege und Tabellen, sondern um gewaltige Summen, strategisches Zukunftsdenken und Personalverantwortung für hunderte Angestellte.

«Es ist nicht damit getan, dass ich ein breites Adressbuch oder eine bestimmte Anzahl an Länderspielen habe», sagte der derzeit in der Corona-Krise besonders gefragte DFL-Boss Christian Seifert.

Der Lehrgang, den Seifert mit DFB-Direktor Oliver Bierhoff und Akademieleiter Tobias Haupt Anfang März just vor Beginn der Krise vorgestellt hatte, soll in diesem September erstmals beginnen. Er kostet die zukünftigen Manager 14.300 Euro, die entweder selbst oder vom Verein übernommen werden.

In den drei Bereichen Bundesliga-Know-how, sportliches Know-how und Management-Know-how sollen die maximal zwölf Teilnehmer pro Jahrgang von angesehenen Referenten profitieren und anders als ihre Vorgänger ihr Wissen auf einer breiten akademischen Basis erlernen. Eineinhalb Jahre Ausbildung mit 18 Präsenztagen sind die Rahmendaten des Zertifikats, das unter dem Dach der DFB-Akademie derzeit entsteht.

«Das Wichtigste ist mal, das Basiswissen zu haben. Am Ende hat jeder seine eigene Note», sagte Fredi Bobic, der früher für Stuttgart, Dortmund, Hannover und Hertha Tore schoss und heute als Sport-Vorstand von Eintracht Frankfurt selbst Stürmer verpflichtet. Der 48-Jährige hat sich die Inhalte nach der Karriere selbst angeeignet, unter Seifert war er damals bei der DFL Praktikant, um einen Einblick zu bekommen in die Geschäfte des Business. «Langsam verstehe ich auch viele, viele Dinger besser», erklärte Bobic, der schon seit knapp zehn Jahren in sportlicher Verantwortung im deutschen Fußball steht.

«Wir sehen eine unglaublich gestiegene Professionalität, in nahezu allen Bereichen», betonte Seifert. Das Zertifikat ist zwar nicht verpflichtend. Aber wenn mit jedem Jahrgang künftig zwölf zukünftige Manager ausgebildet werden und diese den Weg ins Profigeschäft finden, dürften schon innerhalb weniger Jahre zahlreiche Proficlubs von der neuen Managerriege mit akademischer Ausbildung profitieren.

Erst im vergangenen Winter waren zahlreiche Manager in den USA zu einer Bildungsreise unterwegs, sie waren unter anderem im Silicon Valley. Akademieleiter Haupt sagte: «Das permanente Lernen von den Besten ist etwas, was wir in der DFB-Akademie sehr intensiv vorleben.»

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