Rangnick in Länderspielpause fast allein daheim

Nach dem Stotterstart bei RB Leipzig kommen viele Fragen auf: Reicht bei der Dreifachbelastung der dünne Kader? Ist die Rotation gut für die Abläufe? Sollte bei neun Pflichtspielen der Rhythmus auch aus körperlicher Sicht nicht schon da sein?

Leipzig (dpa) - Als einziger Bundesligist hat RB Leipzig neun Pflichtspiele absolviert, doch von eingespielten Abläufen keine Spur. Auch die großangelegte Rotation von Ralf Rangnick bringt abgesehen vom ständigen Torhüter-Wechsel (bislang) kaum Besserung. Während viele Bundesliga-Kontrahenten die Länderspielpause für die Feinabstimmung nutzen, steht Rangnick wegen der Abstellung seiner zahlreichen Nationalspieler fast allein auf dem Trainingsplatz am Cottaweg. Neun Spieler aus dem 18er Feldspieler-Kader (ohne Atinc Nukan) sind auf Länderspielreise. Beim angesetzten Testspiel an diesem Donnerstag (17.30 Uhr) gegen den polnischen Erstligisten Lubin kommen vor allem die zweite Reihe und talentierte U19-Spieler zum Zug.

Es wartet vor dem nächsten Bundesliga-Spiel gegen Hannover 96 (15. September/15.30 Uhr) viel Arbeit auf den 60-jährigen Rangnick, vor allem im Abwehrverbund. «Die gesamte Mannschaft muss beim Verteidigen besser werden. Es gibt noch ein zu großes Gefälle: Einige Spieler haben sehr gut gespielt, andere sind noch nicht wieder da, wo sie mal waren», meinte der Fußballlehrer nach dem mühsamen 1:1 gegen Aufsteiger Fortuna Düsseldorf. Auch Routinier Stefan Ilsanker kennt die Ansätze: «Wir wissen, woran wir arbeiten müssen: hinten weniger zulassen und vorne die Möglichkeiten effektiver nutzen.»

Wie schon beim 1:4 in Dortmund hatten die Leipziger gegen Düsseldorf ein deutliches Plus beim Ballbesitz. Doch das Tiki-Taka-Spiel ist nicht der Fußball, den Rangnick mit seiner RB-DNA spielen will. Dauerhafter Ballbesitz ist für Rangnick nicht zielführend. Er setzt auf hohes Pressing, schnelles Umschaltspiel und auf viel Tiefgang. Sein Credo: in zwölf Sekunden nach der Balleroberung schießt man die meisten Tore, oft sogar schon nach fünf bis zehn Sekunden. Doch dafür braucht er geniale Pässe und starke Dribblings wie sie der nach Liverpool gewechselte Naby Keita einst zelebrierte.

Von den gestalterischen Offensivkräften Emil Forsberg und Bruma war da zuletzt wenig zu sehen. «Wir mussten viel tun, um uns Chancen zu erarbeiten und haben diese dann leider nicht konsequent genug genutzt. Jetzt werden wir die Partie schnell aufarbeiten, abhaken und in zwei Wochen wieder angreifen», meinte der schwedische Spielmacher, der mit seinem Elfmetertor zum 3:2-Sieg in der Schlussminute in der Europa-League-Qualifikation gegen Luhansk noch der gefeierte Held war.

So wartet Trainer-Rückkehrer Rangnick weiter auf seinen ersten Bundesliga-Sieg. Noch schlimmer: Nach dem Bundesliga-Startrekord von Ralph Hasenhüttl in der Premieren-Saison, als es erst am 14. Spieltag beim FC Ingolstadt die erste Niederlage (0:1) gab, sowie Tabellenplatz sieben nach zwei Spieltagen im vergangenen Jahr ist es mit Rang 14 der bislang schlechteste Start. «Aber man kann nicht von einem Fehlstart reden», sprang RB-Vorstandschef Oliver Mintzlaff seinem Chefstrategen Rangnick zur Seite, der im Vergleich zum Playoff-Rückspiel gegen Luhansk sein Team gleich auf acht Positionen veränderte.

Fehlt da die Abstimmung, wenn man ständig einen anderen Mitspieler an seiner Seite hat? «Das kommt noch alles, wir stehen erst am Anfang der Saison», meinte Torhüter Peter Gulacsi, der wie zuletzt Yvon Mvogo in der Europa League zu den Aktivposten der Sachsen zählte. Die von Rangnick neu eingeführte Torwart-Rotation scheint zu fruchten. Der Rest funktioniert noch nicht.

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