RB Leipzig träumt vom ersten Titel zum 10. Geburtstag

Ausgelassen feierten die Spieler von RB Leipzig den Einzug ins DFB- Pokalfinale. Während Ralf Rangnick nüchtern das Halbfinale analysierte, dachten die Spieler schon an den Titel. Es stehen nicht nur im Pokal besondere Wochen an.

Hamburg/Leipzig.

"Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin", brüllten die Spieler von RB Leipzig, während sie im Kreis standen, hüpften und ihre Bierflaschen schwenkten. "Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin", schrien auch die Fans im Auswärtsblock des Hamburger Volksparkstadions, während Yussuf Poulsen am Zaun hing und in ein Megafon brüllte. Ekstase allenthalben. Der Club, der im Mai 2009 gegründet wurde, der vor zehn Jahren in der 5. Liga kickte und anschließend mit vielen Millionen des österreichischen Getränkeherstellers Red Bull und dem nötigen sportlichen Know-how großgezogen wurde, steht am 25. Mai im Berliner DFB-Pokalfinale.

Viele nackte Oberkörper, dazu einige Bierflaschen waren auf den Jubelbildern der RB-Spieler in den sozialen Netzwerken zu sehen. Wenn ein kühles Blondes erlaubt ist, dann heißt das im Disziplin vorgebenden Club, dass etwas Besonderes passiert sein muss. Der erste Titel pünktlich zum zehnten Geburtstag könnte Realität werden.

Sportlich hatten sich die Leipziger das Leben im Halbfinale gegen den HSV selbst lange schwer gemacht, am Ende stand dann aber doch ein recht deutliches und den Kräfteverhältnissen entsprechendes 3:1 (1:1) beim Zweitligisten. "Wir haben verdient gewonnen, und ich hatte auch beim 1:1 das Gefühl, dass wir gewinnen werden", meinte Poulsen, der das erste Tor (12.) selbst schoss und das zweite - ein Eigentor durch Vasilije Janjicic (53.) - vorbereitete. "Jetzt freuen wir uns übertrieben, dass wir endlich in einem großen Finale stehen", sagte der Däne. Poulsen ist seit Wochen in bestechender Form. Wettbewerbsübergreifend hat der 24 Jahre alte Nationalspieler in 40 Spielen 19 Treffer erzielt und sieben vorbereitet.

"Ich freue mich sehr über das Finale. Egal, auf wen wir treffen, wir wollen den Pokal jetzt gewinnen", jubelte Emil Forsberg, der mit seinem Tor (72.) den Finaleinzug perfekt machte. Dass die Leipziger zwischenzeitlich dreißig Minuten lang in Bedrängnis gerieten, lag am Ausgleich von Bakery Jatta (24.), der Kevin Kampl den Ball abluchste und Peter Gulacsi im Leipziger Tor auf dem falschen Fuß erwischte.

Einer blieb in der Euphorie um ihn herum kühl und analysierte sachlich: Ralf Rangnick. "Normalerweise muss das Spiel nach 20 Minuten entschieden sein. Es war die schwerere Tour, die wir gewählt haben", kritisierte der Trainer Minuten nach Abpfiff in der ARD, dass seine Jungs die vielen Chancen im ersten Durchgang ungenutzt ließen. Auf der Pressekonferenz etwas später fügte er dann noch hinzu: "Keiner meiner Spieler hat bislang ein Endspiel bestritten. Ich freue mich aber besonders, dass sieben meiner Jungs, die vor vier Jahren noch in der 2. Liga gespielt haben, jetzt so eine Saison spielen." Gemeine sind Forsberg, Poulsen, Gulacsi, Lukas Klostermann, Willi Orban, Marcel Halstenberg und Marcel Sabitzer.

Kapitän Orban gab sichtlich gut gelaunt den Plan für die nächsten Tage vor: "Wir werden schon ein bisschen feiern, die Musik ist angeschmissen und ein paar Kaltgetränke stehen bereit. Aber alles in Maßen. Am Samstag wollen wir gegen Freiburg die Champions League klarmachen." Es wäre der nächste Grund zu feiern. In Leipzig stehen Partywochen an. Die Pflicht ist nahezu erfüllt, der Rest der Saison kann genossen werden.

Ein Sieg am Sonnabend gegen die Breisgauer - und die Qualifikation zur Königsklasse ist RB nicht mehr zu nehmen. Zwei Wochen später kommen die Münchner Bayern zum großen Kräftemessen nach Sachsen. Ende Mai steht das DFB-Pokalfinale an. "Wir fahren nach Berlin, um zu siegen. Das ist jetzt unser Anspruch. Eintracht Frankfurt hat voriges Jahr gezeigt, dass man auch als Underdog gewinnen kann", sagte Geschäftsführer Oliver Mintzlaff.

Der Einzug ins DFB-Pokalfinale zeigt auch, dass Leipzig in den kommenden Jahren ein ernstzunehmender Faktor im deutschen Fußball sein wird. Viele junge Spieler wie Klostermann oder Halstenberg haben sich zu Nationalspielern entwickelt und sind dennoch nicht an ihrem Zenit angekommen. Aus den Highlight-Wochen für die Leipziger Fans könnten Highlight-Monate werden.

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4Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 3
    5
    Blackadder
    25.04.2019

    @suzuki: ich habe selbst mit Fußball nicht viel am Hut, aber als Außenstehender denke ich mir so: immer noch besser als ein drittklassiger Verein mit HoNaRa Fans, der sich alles von der Stadt bezahlen lässt!

  • 4
    1
    Lesemuffel
    25.04.2019

    Ja, Suzuki, so ist es nun mal halt im Profigeschäft. Man sagt beispielsweise "Die Fohlen" obwohl bei Gladbach keine Fohlen spielen, man sagt die Münchner, obwohl zwar Spieler aus der halben Welt dort spielen, aber keiner aus München. Hr. Hoeneß wohnt zwar nicht in Fuschl, aber auch nicht in München. RB hat ausreichend Mitglieder, so ein Unternehmen kann nicht wie eine Konsumgenossenschaft geführt werden. Viele Köche Verderben den Brei. Manch einer, der weder Finanzen noch Sonst was zum Erfolg beigetragen hat, erlaubt sich meist die größte Lippe. Siehe die unten herumwurstelnden Vereine, Namen zu nennen reicht der Platz nicht. Und Spitzenfussballern wollen viel Geld verdienen, nicht mit Tradition bezahlt werden, egal in welcher Stadt.

  • 1
    3
    suzuki
    25.04.2019

    Das ging aber schnell - RB plötzlich nicht mehr "die Sachsen" sondern "die Leipziger". Was freilich nichts daran ändert, das der aus Gründen der Gewinnoptimierung (Herr Mateschitz ist schließlich nicht die Heilsarmee) in Leipzig angesiedelte Verein, in dem noch nicht einmal die eingefleischtesten Fans Mitglied werden dürfen, hier keine Wurzeln hat. Daran ändern auch sportliche Erfolge nichts.

  • 3
    2
    Lesemuffel
    25.04.2019

    Es wäre gut, wenn RB das Endspiel mal auf Bayern Art gewinnen könnte. Mal bei Unentschieden in der 89.Minute einen unberechtigten Elfmeter für RB und Forsberg verwandelt ihn dann sicher, das wär's doch. Aber welcher Schiri würde/könnte /dürfte sich das gegen die großen Bayern trauen?



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