RB-Tore wie am Fließband, doch die Verteidiger gehen aus

Die Spieler von RB Leipzig treffen derzeit, wie sie wollen. Allen voran Timo Werner, der Rekorde aufstellt und auf die Tabellenspitze schielt. Vor der Englischen Woche droht sich allerdings die Abwehr aufzulösen.

Leipzig.

Kurz nach Abpfiff, vermutlich noch voller Adrenalin und leicht berauscht vom neuerlichen Erfolg, wurde Timo Werner angriffslustig. "Wir ziehen unseren Fußball durch. Wir wollen den Weg weitergehen und vielleicht am Ende nicht nur Zweiter, sondern noch einen Platz weiter vorne stehen", sagte Werner am Mikrofon von "Sky". Ungewöhnlich deutlich war das für Leipziger Verhältnisse. Fast schon ertappt, schob der Nationalstürmer dann hinterher: "Doch wir schauen mal, was am Ende dabei herausspringt. Wir stehen in jedem Fall in allen Wettbewerben gut da." Was mag schon rauskommen, wenn man am Ende der Saison Erster ist. Eine Nachfrage in München könnte da helfen.

Offiziell wird noch nicht von der Meisterschaft gesprochen, es ist ja auch erst ein Drittel der Saison gespielt. Meisterlich war der Auftritt der Leipziger dagegen durchaus, gegen eine sichtlich überforderte Mannschaft des 1. FC Köln. Das 4:1 war am Ende auch in der Höhe verdient, Leipzig hat damit in den vergangenen fünf Spielen 24 Treffer geschossen. Im zwölften Saisonspiel hat Werner das zwölfte Saisontor beigetragen. Er ist mit 23 Jahren und 262 Tagen zudem der jüngste Spieler in der Geschichte der Bundesliga, der sein 200. Spiel absolviert hat.

Alles beeindruckende Zahlen, ebenso beeindruckend wie die Tore der Leipziger. Das erste in der 22. Minute entstand aus perfektem Pressing, bei dem Christopher Nkunku auf Höhe des Strafraums Jonas Hector den Ball abluchste und Werner bediente. Emil Forsberg traf danach per Strafstoß (32.) und später mit einem perfekt getretenen Freistoß (79.) zum Endstand. Zwischendurch knalle Konrad Laimer (39.) das Leder mal eben aus 18 Metern in Richtung Winkel. Der junge Österreicher meinte lapidar über sein Tor: "Ich haue einfach drauf. Wer nicht schießt, der schießt auch keine Tore". Derzeit scheint alles zu klappen. Doch woran liegt's?

"Der Trainer stellt uns jedes Spiel gut ein, in welche Räume wir spielen und wo wir uns hinbewegen sollen. Das können wir gerade sehr gut umsetzen", sagte Laimer. "Wir haben gut Fuß gefasst nach der Länderspielpause, wir haben sehr viel Selbstvertrauen. Es funktioniert viel", meinte Diego Demme. Und: "Zurzeit spielen wir geilen Fußball", formulierte Emil Forsberg. Eine Tendenz ist offensichtlich: Im Vergleich zur vergangenen Saison unter Ralf Rangnick fallen mehr Tore - vorne, wie hinten. Würden die Leipziger ihren Schnitt beibehalten, kämen sie am Ende der Saison auf ein Torverhältnis von 94:37. In der vergangenen Spielzeit lag es bei 63:29.

Dass Peter Gulasci jetzt öfter hinter sich greifen muss, dürfte auch den Personalsorgen in der Abwehr liegen. Willi Orban, Nordi Mukiele und Ibrahima Konaté sind bereits verletzt, jetzt könnte auch Dayot Upamecano ausfallen. Simon Terodde hatte ihn kurz vor Abpfiff unnötig hart im Zweikampf getroffen, der baumlange Franzose zog sich dabei eine schwere Knöchelprellung zu. Ob er übermorgen beim Champions League-Spiel gegen Benfica Lissabon dabei sein kann, ist offen. Trainer Julian Nagelsmann gehen so oder so die Verteidiger aus, auch wenn er für das Szenario ohne "Upa" in der Innenverteidigung nach eigenem Bekunden eine Idee hat. "Dann muss ich vielleicht nach hinten", hatte Forsberg gescherzt. Ganz so schlimm wird es aber wohl nicht.

"Ich bin mit den Ergebnissen und den Auftritten sehr zufrieden", sagte Trainer Nagelsmann über sein Team, das die vergangenen fünf Pflichtspiele allesamt gewonnen hat. "Wir müssen am Mittwoch schauen, dass wir wieder so ein Feuerwerk abrufen, um das Achtelfinale klarzumachen." Ein Sieg gegen Lissabon und RB hat erstmals die K.-o-Phase der Königsklasse erreicht. Torschütze Laimer trat am Samstagabend als Mahner auf. "Wir wissen, wenn wir nachlassen, funktioniert ist es nicht mehr so", erinnerte der Mittelfeldspieler an die Phase im Oktober, als RB vier Spiele nicht gewann und den guten Start in die Saison zu verspielen drohte. Schaffen die Leipziger, diese geforderte Konstanz abzuliefern, ist ein Eingreifen ins Titelrennen durchaus realistisch. Der Abstand zu Tabellenführer Mönchengladbach ist dank des Patzers der Fohlen gegen Union Berlin auf einen Punkt geschmolzen. Insofern war die mutige Aussage von Torjäger Werner gar nicht so gewagt. Der merkte auch noch an: "Die aktuelle Tabellenkonstellation kommt ja nicht von ungefähr."

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