RB-Torwart Gulasci: "Jetzt kommt meine beste Phase"

Peter Gulasci, Torwart von RB Leipzig, über das Pokalfinale, 100 Spiele in der Bundesliga und seine Rituale vor dem Anpfiff

Chemnitz.

Peter Gulasci spielt als Torwart von RB Leipzig bislang eine starke Saison. Keiner hält seinen Kasten in der Bundesliga öfter sauber, keiner vereitelt mehr Großchancen. Mit dem DFB-Pokalendspiel gegen den FC Bayern steht nun das erste große Finale der RB-Vereinsgeschichte an. Fabian Held sprach mit 29-Jährigen Ungarn.

Freie Presse: Herr Gulasci, haben Sie sich schon einmal überlegt, wieviel Bier in den DFB-Pokal hineinpasst?

Peter Gulasci: Nein. Damit das wichtig wird, muss man erst einmal das Finale gewinnen. Wenn wir das geschafft haben, gibt es genug Zeit, um sich mit Bier zu beschäftigen.

Es sind acht Liter. Denken Sie manchmal daran, wie es wäre, den Pokal in den Himmel zu heben?

Ich bin kein Träumer. Wir haben noch ein Bundesligaspiel vor der Brust. Auch das nehmen wir sehr ernst - als Generalprobe für das Pokalfinale, und weil wir mit einem Sieg gegen Bremen unseren eigenen Punkterekord brechen können.

Was bedeutet Ihnen der Pokalwettbewerb?

Er ist großartig. Wir haben Hoffenheim und Wolfsburg geschlagen - zwei Topmannschaften. Dann hatten wir zwei schwere Auswärtsaufgaben in Augsburg und Hamburg zu meistern. Wir sind also verdient ins Finale gekommen.

Das erste von zwei Duellen in kurzer Zeit mit den Bayern endete 0:0. Sind sie zufrieden mit dem Ergebnis?

Ja, wir haben das erste Mal gegen Bayern zu null gespielt. Deswegen bin ich zufrieden. Aber wir hatten ein paar Umschaltsituationen, die wir besser ausspielen müssen. Dann können wir so ein Spiel auch gewinnen.

Sie haben viele Spiele in dieser Saison mit einer Fünferkette absolviert, jetzt aber gegen die Bayern mit einer Viererkette gespielt. Warum?

Wir können beide Systeme gut spielen. Bayern hat sehr starke Flügelspieler und die Außenverteidiger schalten sich immer wieder offensiv ein. Dagegen mit einer Fünferkette zu spielen, ist schwer. Deshalb haben wir eine andere Grundordnung gewählt.

Sie sind in dieser Saison bislang 16-mal ohne Gegentor geblieben - das ist der beste Wert der Bundesliga, außerdem sind Sie der Torwart, der die meisten Großchancen vereitelt hat. Was bedeuten Ihnen diese Statistiken?

Es macht mich stolz. Es zeigt, dass ich der Mannschaft helfen konnte. Und das ist meine Aufgabe, vor allem in schwierigen Situationen, in denen man als Torwart vielleicht die letzte Hoffnung ist, ein Gegentor zu vermeiden. Ich bin gerade 29 Jahre alt geworden. Für mich kommt jetzt die beste Phase in meiner Karriere. Ich habe viel Erfahrung, körperlich fühle ich mich topfit.

Was zeichnet Ihr Torwartspiel aus?

Man muss natürlich möglichst viele Bälle halten, das ist das Entscheidende. Aber auch die Zusammenarbeit zwischen Abwehr und Torhüter ist sehr wichtig, um der Mannschaft Stabilität zu geben. Das machen wir sehr gut, das ist eine unsere Stärken. Wir stehen stabil und machen keine unnötigen Fehler, lassen damit auch keine unnötigen Chancen zu.

Sie sind vor knapp vier Jahren nach Leipzig gekommen, damals in die 2. Liga. Am Samstag bestreiten Sie ihr 100. Bundesligaspiel.

Für den Verein ist es das 102. Bundesligaspiel, für mich das 100. Dieses Vertrauen, bei einer Bundesligamannschaft die Nummer eins sein zu dürfen, ist sehr wichtig für mich. Ich habe jeden Tag versucht, das zurückzugeben. Wenn ich die 100 erreicht habe, macht mich das sehr stolz. Aber dann geht es weiter und ich versuche, die nächsten 100 Bundesligaspiele draufzupacken.

Sie stehen in Leipzig bis 2022 unter Vertrag. Ihr Traum ist aber ein Engagement in England. Wird es damit noch etwas?

Ich fühle mich mit meiner Frau in Leipzig sehr wohl und schätze die Unterstützung, die ich vom Verein und von den Fans bekomme. Ich bin der Zweitälteste in der Mannschaft, obwohl ich erst 29 bin. RB ist ein Verein, der auf junge Spieler setzt. Mein Traum ist es, auf dem höchstem Level zu spielen - in der nächsten Saison mit RB Leipzig, das ist klar. Wir spielen Bundesliga, Champions League und DFB-Pokal. Ich will jedes Spiel machen. Dafür, an diesen Punkt zu kommen, habe ich in meiner Karriere lang gearbeitet.

RB Leipzig hat sich in der dritten Bundesligasaison das dritte Mal für einen europäischen Wettbewerb qualifiziert - ist das schon selbstverständlich?

Nein. Aber es ist eine selbstverständliche Folge unserer Leistungen in der Saison. Wir sind Dritter, weil wir aktuell die drittbeste Mannschaft in Deutschland sind. Wenn wir uns nur die Rückrunde anschauen, vielleicht sogar die zweitbeste. Wenn wir diese Entwicklung fortsetzen, können wir uns oben festbeißen und etablieren.

Für Ungarn standen Sie bislang 24-mal im Tor gestanden. Wie wichtig ist Ihnen die Nationalmannschaft?

Sehr wichtig. Als kleines Kind war ich mit meinem Vater bei fast jedem Länderspiel dabei. Nationalspieler zu werden, das war natürlich immer mein großer Traum. Bie der Europameisterschaft 2020 finden vier Spiele in Budapest statt. Sollten wir uns qualifizieren, hätten wir zwei Heimspiele. So eine Chance kommt nur einmal im Leben.

Wer war Ihr Vorbild: Oliver Kahn oder eher Gabor Kiraly?

Ich hatte andere Vorbilder, bin ein großer Fan von Edwin van de Saar. Wegen seiner Leistungen als Torwart und auch jetzt als Manager bei Ajax Amsterdam. Er ist menschlich und sportlich ein Vorbild. Großes Einfluss auf mich hatte zudem Petr Czech.

Sie tragen immer viele Tapes um Ihre Finger, präparieren Ihre Handschuhe auf eine ganz bestimmte Weise. Sind Sie ein ritueller Mensch?

Die Tapes sind wegen der vielen Fingerverletzungen notwendig. Davon würde ich gern weniger nehmen. Ansonsten gibt es Kleinigkeiten, die mir helfen, meine Konzentration hochzufahren. Diese Routine gibt mir die Ruhe, die dafür sorgt, dass danach im Spiel alles perfekt läuft.

Was sind diese Kleinigkeiten?

Ich habe auf meinen Schienbeinschonern Bilder meiner Familie. Vor jedem Spiel gebe ich ihnen einen Kuss. Für mich hat Familie eine ganz große Bedeutung.

Zurück zum Pokalfinale: Es wird das letzte Spiel von Ralf Rangnick als Trainer. Wollen Sie den Titel auch für Ihn holen?

Er hat in dieser Saison als Trainer und Sportdirektor Großartiges geleistet. Es ist wichtig, dass wir einen positiven Saisonabschluss haben und den Pokal gewinnen. Für ihn, für uns Spieler, für den ganzen Verein, für die Stadt und die ganze Region.

Ist die Siegesfeier schon geplant?

Wie gesagt: Ich bin kein Träumer, niemand, der zu früh einen Schritt nach vorn geht. Wir haben genug Spieler in der Mannschaft, die schnell etwas organisieren können. Ich nicht. Ich bin der Typ, der lieber erst seine Aufgabe auf dem Platz erledigt.

Zur Person

Peter Gulasci wurde am 6. Mai 1990 in Budapest geboren, ist verheiratet und erwartet gemeinsam mit seiner Frau im Sommer das erste Kind.

Der 1,90 Meter große Torwart kam über die Stationen MTK Budapest, FC Liverpool (U23), Hereford United, Tranmere Rovers, Hull City und Red Bull Salzburg 2015 nach Leipzig.

Bei RB steht er bis Sommer 2022 unter Vertrag. Für die ungarische Nationalmannschaft bestritt Gulasci bislang 24 Partien.fahe

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