Schalke ändert nach Pokalabsage Vorbereitung

Nach der ärgerlichen Posse um das abgesagte Pokalspiel muss Schalke seine Vorbereitung auf den Bundesliga-Kracher beim FC Bayern neu gestalten. Derweil geht das Gerangel, wer in der ersten Pokal-Runde nun gegen die Königsblauen spielen darf, weiter.

Gelsenkirchen (dpa) - Trainingskick statt Pflichtspiel-Auftakt und Bundesliga-Generalprobe: Der FC Schalke 04 hat nach der kurzfristigen Absage des für Sonntag geplanten DFB-Pokalspiels gegen den 1. FC Schweinfurt den unverhofften Freiraum zu einem internen Testspiel genutzt.

Wie ein Schalke-Sprecher am Samstag auf Anfrage mitteilte, traten 23 gesunde Profis der Mannschaft von Trainer David Wagner am Vormittag in der Veltins-Arena in einem Trainingsspiel unter Wettkampfbedingungen gegeneinander an.

21 Akteure kamen über die volle Distanz von 90 Minuten zum Einsatz. Die Rekonvaleszenten Omar Mascarell und Guido Burgstaller spielten je 45 Minuten, nur Salif Sané und Matija Nastasis waren wegen Blessuren nicht auf dem Rasen. «Es gewann Blau gegen Orange», sagte Schalkes Leiter Sportkommunikation, Marc Siekmann, schmunzelnd.

Am Sonntag haben die Königsblauen nun frei, statt wie geplant ihren Pflichtspiel-Auftakt gegen einen bayerischen Amateurvertreter als Bundesliga-Generalprobe zu absolvieren. Für den Erstligisten ist die Pokal-Posse extrem ärgerlich, weil die Vorbereitung auf das Saison-Eröffnungsspiel bei Bayern München am kommenden Freitag völlig neu gestaltet werden muss. Von Montag an wollen sich die Königsblauen dann intensiv auf die Bayern-Partie vorbereiten.

Chefcoach Wagner sieht sich in der ohnehin nicht unproblematischen Corona-Vorbereitung auf die neue Spielzeit mit immer neuen Hindernissen konfrontiert. Schon im von Mittersill nach Längenfeld in Österreich verschobenen Trainingslager gab es durch einen Corona-Fall unkalkulierbare Rückschläge. Nicht nur der Betroffene, sondern auch einige weitere Spieler der Kontaktgruppe eins mussten vorübergehend in Quarantäne, ein Testspiel musste kurzfristig abgesagt werden.

«Letztendlich kann man jedoch nur den Kopf über die Vorgehensweise des Bayerischen Fußballverbandes schütteln, der über Wochen und Monate hinweg offensichtlich nicht in der Lage war, den rechtmäßigen Vertreter am DFB-Pokal zu bestimmen», hatte Schalkes Sportvorstand Jochen Schneider am Freitagabend nach Bekanntwerden der Pokal-Absage die Verantwortlichen im BFV kritisiert.

Nicht einmal 48 Stunden vor dem geplanten Anpfiff in Gelsenkirchen hatte der DFB die Partie gegen den Regionalligisten Schweinfurt nach einem Gerichtsentscheid vorerst absetzen müssen. Zuvor hatte das Landgericht München I entschieden, dass der Drittligist Türkgücü München anstelle der Unterfranken als bayerischer Amateurvertreter gegen Schalke antreten soll. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der BFV kündigte Widerspruch an.

«Der BFV hat bereits im Mai 2020 eine entsprechende Regelung erlassen und veröffentlicht, von deren Rechtmäßigkeit wir nach wie vor überzeugt sind und von der wir ausgehen, dass diese auch gerichtlich bestätigt wird», sagte BFV-Vizepräsident Reinhold Baier der Deutschen Presse-Agentur am Samstag. Baier ist Richter am Oberlandesgericht und im Landesverband des Freistaats für Rechtsfragen zuständig.

Türkgücü-Geschäftsführer Max Kothny will ebenfalls nicht nachgeben und gegen den FC Schalke 04 spielen. Allein schon aus wirtschaftlichen und Imagegründen, wie er in einem Interview des «Sportbuzzer» betonte. «So eine Sache müssen wir einfach mitnehmen. Deswegen bleiben wir auch weiter hartnäckig dran und wollen unbedingt am Wettbewerb teilnehmen.»

Wann, gegen wen und wo das Schalker-Pokalspiel nachgeholt wird, ist komplett offen. Zunächst sind die Gerichte und Verbände am Zug, um möglichst schnell für Klarheit zu sorgen. Fest steht, dass die von Schalke für das Pokalspiel am Sonntag eingeladenen Mitarbeiter von Gelsenkirchener Krankenhäusern und Seniorenheimen sowie weitere Personen aus der Region, die sich während der Corona-Pandemie besondere Verdienste erworben haben, nicht um ihr Stadion-Erlebnis gebracht werden. Der Revierclub versprach, dass sie bei einem der nächsten Heimspiele willkommen sind.

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