Schalker stoßen RB vom Thron

RB Leipzig muss die erste Pflichtspiel-Niederlage unter Julian Nagelsmann verkraften. Beim 1:3 gegen Schalke ließen die Leipziger viel vermissen. In die Mannschaftskasse muss aber der Trainer einzahlen.

Leipzig.

"Das sind Laktat-Junkies", sagte David Wagner über seine Spieler und strahlte. Der Trainer von Schalke 04 hatte am Samstagabend auch allen Grund zur guten Laune. 100 Minuten Fußball waren zuvor in Leipzig gespielt worden, weil es immer wieder längere Unterbrechungen gegeben hatte. Und am Ende dieser 100 Minuten war RB Leipzig nicht mehr Tabellenerster, Schalke hatte dagegen ein 3:1 sowie drei Punkte im Gepäck für den Heimweg.

"Bei mir tut alles weh", sagte Schalkes Mittelfeldspieler Omar Mascarell. "Beine, Rücken, alles". 124,45 Kilometer legten die Knappen insgesamt zurück. Das sind über neun Kilometer mehr als in einem durchschnittlichen Bundesligaspiel gelaufen werden und zwei Kilometer mehr als die Hausherren von RB am Samstag unter die Füße nahmen. Es war vor allem der Einsatz, mit dem Schalke beeindruckte. Ein wenig erinnerte das Auftreten der Gäste an die erste Bundesliga-Saison von RB Leipzig. Mir forschem Pressing schon am Strafraum der Leipziger setze S04 den Gegner unter Druck. Die Sachsen fanden nie richtig ins Spiel, konnten sich viel zu selten aus dem Dauerdruck befreien.

"Mentalität schlägt manchmal auch Qualität. Und die haben wir heute auf den Platz gebracht", sagte Schalkes Torwart Alexander Nübel. Der hatte gewaltigen Anteil am Spielverlauf. Die ersten klaren Torchancen hatte nämlich RB nach etwa einer Viertelstunde. Zweimal Marcel Sabitzer und einmal Emil Forsberg hätten die Führung erzielen müssen. Doch Nübel parierte stark und hatte das Quäntchen Glück, bzw. die Querlatte, auf seiner Seite. "Gehen wir in Führung, geht es auf jeden Fall anders aus", sagte Leipzigs Marcel Halstenberg.

Doch es kam anders: Salif Sané (29.) brachte Schalke nach einer Ecke in Führung. Dann der Knackpunkt im Spiel: Amadaou Haidara (40.) berührt Amine Harit im Strafraum leicht am Fuß. Schiedsrichter Manuel Gräfe ließ zunächst weiterspielen, doch der Videoassistent in Köln meldete sich. Minutenlang blickte Gräfe auf den Monitor am Spielfeldrand, schaute sich die Szene acht-, neunmal an. Es sei dann nur noch darum gegangen "die richtige Entscheidung" zu treffen, sagte Gräfe. Auf dem Bild sei der Kontakt klar zu erkennen gewesen, also habe er auf Elfmeter entscheiden müssen. Den verwandelte Harit (43.) selbst.

Nach dem Seitenwechsel erzielte Rabbi Matondo (54.) das 3:0. Auch der Anschlusstreffer durch Emil Forsberg (84.) konnte an der Schalker Überlegenheit nichts mehr ändern. Nach der Partie standen die Leipziger Spieler mächtig enttäuscht in den Katakomben der RedBull-Arena. "Die Qualität fast aller Spieler war heute zu schwach. Zu viele Ballverluste, zu wenig Präsenz und Bereitschaft, zweite Bälle zu holen", konstatierte Yussuf Poulsen. Sieben Pflichtspiele hatte RB zuvor nicht mehr verloren. Es war die erste Punktspielpleite unter der Regie Trainer Julian Nagelsmann überhaupt. Der erklärte nach der Partie eloquent und sachlich, welche falschen Räume RB bespielt hatte und dass vor allem Seitenwechsel gefehlt hätten. Dabei fielen Worte wie Abwehr-"Switch", "Dreieraufbau", "Flügelverschiebung" und "Verlagerungsräume". "Aber das muss ich im Detail gar nicht alles erzählen, weil das eh keiner versteht. Muss auch keiner verstehen", sagte Nagelsmann und hatte den Lacher im Pressearbeitsraum auf seiner Seite.

Kaum eine halbe Stunde vorher war der Chefcoach noch so emotional gewesen, dass er erstmals eine Gelbe Karte sah. "Die (...) kam deshalb zustande, weil ich mich aufgeführt habe wie ein Verrückter", gab sich der 32-Jährige einsichtig. "Ich weiß nicht, was es kostet. Das haben die Jungs gemacht, aber Philipp Tschauner wird schon draußen mit dem Kassenschwein warten. Und da werde ich ein paar Scheine reinwerfen müssen". Kapitän Willi Orban war direkt bemüht, der Niederlage etwas Positives abzugewinnen: "Das tut weh, aber es sensibilisiert wieder, dass wir die Basics wieder bringen müssen: in den Zweikämpfen konsequenter sein und im Kopf gieriger."

Für die Leipziger stehen in den kommenden fünf Tagen zwei Pflichtspiele an, die zum Gradmesser werden könnten: Übermorgen in der Champions League zu Hause gegen Olympique Lyon und am Samstag bei Bayer Leverkusen. Dabei könnte es einen Fingerzeig geben, ob die zwischenzeitliche Tabellenführung ein Zwischenhoch war oder Leipzig tatsächlich bereits zu den deutschen Spitzenteams zählt.

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