Top-Stürmer Timo Werner: Verlängert, getroffen, gewonnen

RB Leipzig hat auch das dritte Pflichtspiel der Saison gewonnen. Die Leipziger freuten sich nicht nur über den perfekten Start, sondern vor allem über die Verlängerung ihres Stars.

Leipzig.

Es war eine Szene, wie sie kitschiger kaum sein kann: Nach einem Eckball segelt das Leder in den Strafraum von Eintracht Frankfurt. Yussuf Poulsen verlängert den Ball in Richtung der Kante des Fünfmeterraums. Dort steht Timo Werner, dreht sich mit dem Rücken zum Tor auf seinem linken Bein, schießt mit rechts auf den Kasten und trifft links unten ins Eck. Ein Treffer, wie ihn nur ein Vollblutstürmer schießen kann. Und das an dem Tag, an dem eben jener Stürmer nach monatelangen und zähen Verhandlungen seinen Vertrag bis zum Sommer 2023 verlängert hat. Neben Werner (10.) traf auch Sturm-Partner und Vorlagengeber Poulsen (80.). Goncalo Paciencia (89.) ließ die 40.108 Zuschauer in der sechsminütigen Nachspielzeit nochmal zittern. Am Ende stand für RB Leipzig ein 2:1 (1:0)-Sieg gegen Eintracht Frankfurt zu Buche, der "glücklich war, aber auch glücklich macht", wie es Trainer Julian Nagelsmann nach seinem Heimdebüt formulierte.

"Sehr froh", sei er jetzt, gestand Nagelsmann nach der Partie, dass das Thema rund um die Vertragsverlängerung von Werner erst einmal vom Tisch ist. Viel war geschrieben worden. Werner selbst hatte sich seit Dezember nicht mehr öffentlich geäußert, es nach dem Sieg erstmals wieder getan. Mehr Geld wird der 23-Jährige verdienen und soll eine 30 Millionen Euro-Ausstiegsklausel in seinem Vertrag stehen haben. Ein Topstürmer zum Schnäppchenpreis. Allerdings hatte RB fürchten müssen, keinen Cent für Werner zu sehen, hätte er seinen Vertrag auslaufen lassen.

Bei sommerlicher Schwüle erwischte RB Leipzig den besseren Start, spielte tolle erste 30 Minuten. Leipzig hätte zu diesem Zeitpunkt schon viel höher führen müssen. Insgesamt ließ allein Werner noch zwei Chancen aus, auch Poulsen hätte mehr als ein Tor schießen können. Frankfurt witterte Morgenluft und war trotz des Spiels in der Europa-League-Qualifikation am Donnerstag spritzig. "Wir haben Frankfurt ein bisschen falsch eingeschätzt", gestand der Däne Poulsen. Trainer Nagelsmann konkretisierte: "Wir haben erwartet, dass der Gegner mehr lange Bälle spielt." Doch das trat nicht ein. Frankfurt fehlte aber oft die nötige Präzision im allerletzten Pass. In der Schlussphase wurde es durch den Anschlusstreffer hitzig, Leipzig konnte die knappe Führung aber ins Ziel retten. So gelang dem neuen Trainer Nagelsmann die Heimpremiere, dessen Handschrift immer besser zu erkennen ist. Die heißt vor allem für Stürmer-Star Emil Forsberg nichts Gutes. Der Schwede stand auch beim zweiten Saisonspiel nicht in der Anfangself, musste diesmal Neuzugang Christopher Nkunku den Vortritt lassen. Geschäftsführer Oliver Mintzlaff geht aber dennoch davon aus, dass es bei den Leipzigern in der aktuellen Transferperiode ruhig bleiben wird.

Nagelsmann coachte wie ein Wilder an der Seitenlinie, versuchte immer wieder seinem Team Hinweise zu geben. Das spielte mit einer offensiveren Ausrichtung als noch unter Vorgänger Rangnick. Schnelles Umschaltspiel und Gegenpressing sind geblieben. Die Fans rundeten den perfekten Sonntag ab. Mit einer großen Choreo begrüßten sie ihre Idole in der neuen Spielzeit. Die Verlängerung mit Werner wurde laut bejubelt. Am Ende gab es eine Ehrenrunde.

Nach dem Sieg gegen Frankfurt stellte sich Timo Werner den Fragen der Journalisten. Fabian Held hat sie für die "Freie Presse" aufgezeichnet.

Wie wichtig war Ihr Tor zum 1:0?

Timo Werner: Bin froh, dass ich es gemacht habe. Es war nicht einfach heute. Wir haben nicht unser bestes Spiel abgeliefert, aber solche Spiele muss man auch mal gewinnen.

Warum fiel die Entscheidung, den Vertrag zu verlängern erst jetzt?

Ich habe nie gesagt, dass es mir hier nicht gefällt. Seit ich aus Stuttgart hergekommen bin, war das eine gute Sache zwischen RB Leipzig und mir. Natürlich war es ein langes Hin und Her. Aber im Endeffekt muss man sich seine Gedanken machen, in allen Bereichen. Am Ende habe ich gesagt, dass der Schritt, dieses Jahr nochmals mit Ruhe anzugreifen, vielleicht das Beste ist.

Welche Rückmeldung gab es von den Teamkollegen?

Es wussten nur vereinzelte. Mir war es schon unangenehm, dass es groß im Stadion bekannt gegeben wurde. Ich wollte kein Brimborium darum machen. Am Ende ist es ein Stück Papier, das unterschrieben wurde. Natürlich ist es wichtig für viele Leute. Nach dem Spiel haben die Teamkollegen mir zum Tor und zur Verlängerung gratuliert. Es wurde genug geschrieben darüber. Ich wollte es jetzt ad acta legen.

Ist es so, dass Sie den Kopf frei haben wollten?

Natürlich ist es ein anderes Gefühl, als wenn man abseits des Platzes Stress mit nicht alltäglichen Dingen hat. Aber wenn ich auf dem Feld stehe, denke ich nicht, ich muss heute wegen der Vertragsverlängerung ein Tor schießen. Ich will Tore schießen, der Mannschaft helfen. Das zählt.

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