Um den Ausgleich gebettelt

Weil Leipzig das Fußballspielen in der zweiten Halbzeit einstellt, schafft der VfL Wolfsburg noch ein 1:1. Das bringt RB-Geschäftsführer Oliver Mintzlaff auf die Palme.

Leipzig.

Wenn RB-Boss Oliver Mintzlaff nach einem Spiel der Presse ein Interview gibt, dann meistens, weil er eine Botschaft hat. So war es auch am Samstag nach einem ernüchternden 1:1 von RB Leipzig zu Hause gegen den VfL Wolfsburg. "Fünf Punkte aus den letzten vier Heimspielen ist zu wenig und zwei Punkte aus den vergangenen vier Pflichtspielen sind auch zu wenig", sagte Mintzlaff, der sichtlich angefressen war. Ein Unentschieden gegen starke Wolfsburger ist für sich genommen kein Grund für den Ärger, doch die Entwicklung bei RB Leipzig ist zuletzt in die falsche Richtung gegangen.

Trainer Julian Nagelsmann wirkte ebenfalls enttäuscht. Er sei nach dem Abpfiff erstmals laut in der Kabine geworden, verriet er. "Wir waren im letzten Drittel zu hektisch an der Murmel und hatten oft einen ersten schlampigen Kontakt", lautete die erste Analyse. Zuletzt war das Leipziger Problem die schwache Chancenverwertung gewesen, am Samstag gelang es Leipzig dagegen nicht, Torszenen zu kreieren. Und das, obwohl die "Wölfe" durchaus Lücken aufzeigten und RB immer wieder Platz boten.

Besonders verheerend: Nach einer schwachen ersten Halbzeit gingen die Leipziger durch ein Tor von Timo Werner (54.) sogar in Führung. Doch dann geschah das, was Mintzlaff auf die Palme brachte: "Wir haben nach dem glücklichen 1:0 aufgehört Fußball zu spielen. Und wenn du das tust und um den Ausgleich bettelst, dann bekommst du ihn auch, verdientermaßen. Das ärgert mich sehr." Ungewohnt deutliche Worte eines RB-Verantwortlichen. Trocken schob Mintzlaff hinterher: "Das ist zu wenig, da erwarte ich mehr!"

Und welche Erklärung gibt es für den merkwürdigen Zusammenbruch nach der Führung? "Ich habe keine. Ich bin auch nicht der Trainer und habe auch nicht gespielt", antwortete Mintzlaff. Das kann durchaus als erste Kritik an Nagelsmann verstanden werden. Der hatte nach der Führung einen Wechsel in der Offensive und einen im Mittelfeld vorgenommen, statt die linke Abwehrseite zu stärken. Dort machte Marcelo Saracchi defensiv keine gute Figur, weshalb die Wolfsburger nur noch über diesen Flügel attackierten. In der 82. Minute traf Wout Weghorst nach einem schönen Angriff über die schwache Abwehrseite der Messestädter folgerichtig zum verdienten Ausgleich.

So ist Leipzig jetzt seit vier Spielen ohne Sieg. Das ist für das eigenen Anspruchsdenken zu wenig. Trainer Nagelsmann hat grundlegende Probleme ausgemacht: "Wir verlieren einfach zu viele Bälle ohne Druck des Gegners".

Auf Leipzig kommen jetzt schwere Wochen zu. Bereits übermorgen kommt Zenit St. Petersburg (Anstoß: 18:55 Uhr). RB will unbedingt die Gruppenphase der Champions League überstehen und bräuchte dafür dringend drei Punkte gegen die Russen. Danach steht ein Auswärtsspiel beim Angstgegner SC Freiburg an, ehe es in der nächsten Englischen Woche im DFB-Pokal erneut gegen die Wolfsburger geht, diesmal aber auswärts. Ein Sieg in der Bundesliga wäre für die Psyche der jungen Mannschaft wichtig gewesen. "Die drei Punkte lagen da, wir haben sie nicht aufgehoben und jetzt musst du wieder viel Energie reinstecken, um die Mannschaft stark zu machen", ärgerte sich Mintzlaff.

"Verteidigen ist eine Mentalitätssache"

Peter Gulacsi: Verteidigen ist eine Mentalitätssache. Wir müssen das in die Köpfe reinkriegen, dass wir zu Null spielen wollen. Das haben wir in der vergangenen Saison oft gemacht und es hat Spaß gemacht. Das ist der Schlüssel: hinten zu Null spielen.

Diego Demme: "Wir hätten drei Punkte mitnehmen müssen. Wir haben nach dem 1:0 aber das Fußballspielen eingestellt und nicht mehr hoch genug verteidigt. Das 1:1 für Wolfsburg war verdient. Generell muss man sagen, dass wir solche Heimspiele gewinnen müssen.

Lukas Klostermann: "Die erste Hälfte war okay, doch in der zweiten waren wir fast immer zu passiv und trotz des 1:0 nicht mehr im Spiel. Es hat die mannschaftliche Gesamt-Geschlossenheit bei den meisten unserer Aktionen gefehlt." (fah/mit dpa)

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