Abschied vom Phantom-Tor

Beim letzten Auftritt in Darmstadt fühlte sich der FCE benachteiligt - durch eine Fehlentscheidung des Schiedsrichters, die der Videobeweis wahrscheinlich verhindert hätte. Den gibt es in der 2. Bundesliga ab kommender Saison. Viele Freunde hat die Neuerung in Aue trotzdem nicht.

Aue.

"Wenn wir in einer ähnlich brenzligen Situation wie im vergangen Jahr wären, würde das alles wieder hochkommen. Zum Glück können wir diesmal entspannt nach Darmstadt fahren, da spielt das Drama vom vergangenen Mai keine Rolle mehr." Das sagt Calogero Rizzuto, vor einem Jahr Schütze des "Phantom-Tors" von Darmstadt. Ein Treffer, der - obwohl der Ball klar hinter der Linie war - nicht zählte. Der FC Erzgebirge musste nach einer 0:1-Niederlage bei den Lilien in die Relegation. Gott und die Welt wollten die Veilchen-Chefs verklagen, Präsident Helge Leonhardt die 2. Bundesliga aufstocken.

Die Story nahm ein gutes Ende. So wird es sie künftig nicht mehr geben. Mit Beginn der neuen Serie gilt auch in der 2. Bundesliga der Videobeweis. "Klar, so ein Tor würde dann wohl zählen", meint Rizzuto. Trotzdem kann der 27-Jährige dieser Neuerung nicht viel abgewinnen: "Mein Eindruck aus der Bundesliga ist: Der Videobeweis tritt nur dann auf, wenn er Lust hat. Es gab viele Situationen, wo man ihn hätte anwenden müssen, aber nichts passiert ist. Auf der anderen Seite sind durch den Videobeweis Entscheidungen getroffen, die völliger Blödsinn sind, vor allem viele Handspielszenen betreffend. Wir hätten das in der 2. Liga nicht gebraucht." Darauf vorbereiten, sagt der Auer Flügelflitzer, muss man sich trotzdem: "Egal, was man macht - man kann dafür immer noch im Nachhinein bestraft werden, auch für ein kleines verstecktes Foul. Man muss mehr aufpassen."

Seine Spieler auf den Videobeweis vorbereiten will auch Daniel Meyer: "Das wird eine große Herausforderung. Ich muss die Jungs darauf einstellen, dass ihnen Tore wieder aberkannt werden, sie danach schnell wieder ins emotionale Gleichgewicht kommen." Grundsätzlich sagt der 39-Jährige: "Mir wäre eine andere Entscheidung lieber gewesen. Die Vorteile werden durch die Nachteile mehr als aufgewogen. Der Videobeweis verändert das Spiel nachhaltig. Es gibt noch mehr Unterbrechungen, die Nettospielzeit nimmt immer weiter ab. Und das Ganze ist eine Emotionsbremse, verändert das Spiel nachhaltig. Fußball lebt von den Emotionen, vom Moment. Nun traut sich keiner mehr zu jubeln, wenn ein Tor fällt. Alle warten noch eine Minute, ob ein Signal aus dem Videokeller kommt. Und was außerdem dagegen spricht: In der Bundesliga hat der Videobeweis ja nicht zu weniger, sondern eher zu noch mehr Diskussionen geführt."

Am ehesten anfreunden könnte sich Meyer mit der ebenfalls diskutierten Challenge-Regelung, die besagt, der Videobeweis würde nur auf Intervention des Trainers eines vermeintlich benachteiligten Teams zum Einsatz kommen, der Schiedsrichter seine Entscheidung noch einmal überprüfen und gegebenenfalls korrigieren. "Das wäre durchaus spannend", sagt Meyer, "man würde sich nicht hilflos fühlen, wenn man in einer strittigen Szene auf dem Videoschiedsrichter wartet, aber kein Signal aus dem Keller kommt." "Fehlentscheidungen gibt es weiter zuhauf, der Videobeweis macht das Spiel kaputt. Ich halte nichts davon", sagt auch Aues Mittelfeldspieler Philipp Riese.

Ein kleines bisschen anders denkt Dimitrij Nazarov darüber. "Es wird mehr Elfmeter geben, gefühlt für jede Kleinigkeit. Das kommt mir natürlich zugute", lächelt der 29-Jährige, der in seiner Zeit als Zweitligaprofi bislang 13-mal zum Strafstoß antrat und 13-mal verwandelte. Zeigt der Referee am Sonntag in Darmstadt für den FCE auf den Punkt, wird es wieder tun. Und das Kapitel "Phantomtor" abhaken. Endgültig.

Horschig vor seinem Debüt bei den Profis

Für die Partie in Darmstadt (Anstoß am Sonntag, 15.30 Uhr) hat der FC Erzgebirge durchaus noch Ziele. Mit einem Sieg ist für die Veilchen noch Platz zehn in der Abschlusstabelle drin. Außerdem, so betont Daniel Meyer, wolle man mit einem positiven Gefühl in die Ferien gehen.

Personell hat der Trainer einige Sorgen: Malcolm Cacutalua, Dennis Kempe, Philipp Zulechner, Martin Männel, Louis Samson und Jan Kral sind verletzt, Florian Krüger erkrankt, Steve Breitkreuz wird geschont. Und der aus Aue scheidende Mario Kvesic hat schon eher Urlaub bekommen, damit er seine Zukunft klären kann.

Zum zweiten Mal bei den Profis im Kader, und erstmals wahrscheinlich auch auf dem Feld wird deswegen Paul Horschig auftauschen. Das erste Mal saß der 19-jährige A-Jugend-Spieler im April bei der 1:2-Niederlage in Bielefeld auf der Zweitligabank.

Schiedsrichter ist Christian Dietz aus Kronach. Es ist seine achte Partie mit Beteiligung der Veilchen.ts

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