Aue kommt im Revier nicht auf Touren

Der FC Erzgebirge kassiert beim VfL Bochum die vierte Saisonniederlage in der 2. Fußball-Bundesliga. Nach dem 0:2 (0:0) findet Trainer Dirk Schuster kritische Worte.

Bochum.

Die Rückkehr an seine alte Wirkungsstätte hatte sich Dominik Wydra anders vorgestellt. Der Defensivspieler des FC Erzgebirge Aue schlich nach der 0:2 (0:0)-Niederlage beim VfL Bochum mit hängendem Kopf zunächst in die Kabine. Wenig später stellte er sich den Fragen und lieferte ehrliche Antworten. "Wir haben den Spielfluss der starken Bochumer nicht unterbinden können und letztendlich nicht unverdient verloren", resümierte Wydra, der in der Saison 2016/17 noch das VfL-Trikot getragen hatte. Trainer Dirk Schuster fand ebenfalls kritische Worte zum Auftritt seiner Mannschaft: "Uns wurde klar aufgezeigt, dass wir in der 2. Liga Riesenprobleme bekommen, wenn wir die Leistungsgrenze nicht erreichen. Um konkurrenzfähig zu sein, muss die Lauf- und Zweikampfbereitschaft stimmen."

Weil die Auer über 90 Minuten in diesen und anderen Bereichen zu viele Defizite offenbarten und vor allem in der Offensive harmlos blieben, stand nach dem Schlusspfiff die vierte Saisonniederlage zu Buche. So musste auch Wydra enttäuscht die Rückreise aus dem Revier antreten - mit dem Wissen im Hinterkopf, im nächsten Auswärtsspiel am Samstag bei Hannover 96 wahrscheinlich wieder auf der Bank zu sitzen: "So weit denke ich noch nicht. Der Trainer wird in dieser Woche entscheiden, ob es ihm gefallen hat oder nicht. Man braucht schon zwei, drei Spiele am Stück, um seine Top-Leistung abzurufen", warb Wydra um Verständnis, dass in Bochum nicht alles wie gewünscht funktionierte.

In der Rückrunde der vergangenen Saison war der Österreicher Stammkraft. Aktuell hat es der 25-Jährige schwerer. Wegen Hüftproblemen und einem bakteriellen Magen-Darm-Infekt verpasste Wydra einen Großteil der Vorbereitung. Weil der FCE bislang eine erfolgreiche Saison spielt, sah Schuster nur selten einen Grund, seine eingespielte Formation zu verändern. Wydra musste warten, bekam beim VfL aber eine neue Chance.

Neben Kreativspieler Jan Hochscheidt (Rot-Sperre) fehlten mit Clemens Fandrich und Philipp Riese die beiden etatmäßigen Mittelfeld-Sechser jeweils gelb-gesperrt. Schuster entschied sich neben Louis Samson für Wydra. "Ich habe nicht erwartet, nach einem halben Jahr das erste Mal auf der Sechserposition mein bestes Spiel abzuliefern", zeigte sich der Rückkehrer mit seiner Leistung dennoch "halbwegs zufrieden": "Ich habe das erste Mal mit Louis in der Mitte zusammengespielt. Wenn man von null auf hundert reinkommt, braucht es eine gewisse Zeit, um sich zu finden."

Vor allem in der Anfangsphase wurden die tief stehenden Auer von den spielfreudigen Bochumern vor große Probleme gestellt. Der Abschlussschwäche der VfL-Kicker und einigen guten Paraden von FCE-Torhüter Martin Männel war es zu verdanken, dass der FC Erzgebirge nicht schon vor der Pause in Rückstand geriet.

Die wenigen Kontermöglichkeiten der Auer wurden kläglich vergeben. Für Gefahr sorgte nur ein Schuss von Florian Krüger, der den linken Außenpfosten streifte (57.). Nur vier Minuten später brachte Anthony Losilla, der plötzlich frei vor Männel auftauchte, den VfL mit 1:0 in Führung (61.). Die Gelb-Rote Karte für Teamkollege Marko Mihojevic (84.) und den zweiten Gegentreffer, für den Samson in der Nachspielzeit mit einem Eigentor sorgte, sah Wydra nach seiner Auswechslung in der 73. Minute von der Bank.

"Ich werde einen Teufel tun und die Niederlage an einzelnen Spielern festmachen. Louis und Dominik hatten sich ihre Chance verdient und haben so gespielt, wie wir das erwartet haben", stärkte Schuster seinen beiden Schützlingen Samson und Wydra demonstrativ den Rücken. "Dafür standen auch acht andere Feldspieler mit auf dem Platz, die ihr Leistungsvermögen ebenfalls nicht so erreicht haben wie vergangene Woche beim Heimsieg gegen St. Pauli", betonte der Trainer, der mit seiner Mannschaft dank der 23 Punkte auf dem Konto dennoch relativ entspannt in die drei verbleibenden Spiele bis zur Winterpause gegen Hannover, Regensburg und Fürth gehen kann.


"Wären wir nicht so heimstark, dann hätten wir ein Problem" 

Aues Torjäger Pascal Testroet kam diesmal nicht wie erhofft zum Zug. Nach dem Spiel sprach Lukas Sander mit dem 29-Jährigen Stürmer. 

Welche Vorwürfe muss sich die Mannschaft gefallen lassen?

"Wir haben gar nicht ins Spiel gefunden und die ersten 30 Minuten völlig verschlafen. Wir sind nicht in die Zweikämpfe gekommen und hatten kaum Ballbesitz. Zudem konnten wir unser Kontermöglichkeiten nicht nutzen. Insgesamt ist es eine verdiente Niederlage, die bitter ist."

17 Punkte wurden im Erzgebirgsstadion geholt, nur sechs Zähler in der Fremde ...

"Auswärts haben wir in dieser Saison noch nicht viel geholt, das stimmt. Wären wir nicht so heimstark, dann hätten wir ein Problem. Jetzt haben wir in Hannover noch ein Auswärtsspiel zu bestreiten. Dort wollen wir mindestens einen Zähler mitnehmen und in den letzten beiden Heimspielen gegen Regensburg und Fürth unsere Punkte sammeln. Man sieht ja, wie wichtig das ist."

Kann man den Auftritt auch mit dem Fehlen der Mittelfeld-Achse Hochscheidt, Riese und Fandrich erklären?

"Nein, gar nicht. Louis Samson und Dominik Wydra, die neu in die Startelf gekommen sind, haben ein gutes Spiel gemacht und alles reingeworfen. Man darf auch nicht vergessen, dass Bochum trotz der Platzierung eine Top-Mannschaft ist. Es ist keine Schande, gegen den VfL zu verlieren."

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