Aues Marathon-Mann

Philipp Riese freut sich auf das Spiel des FCE beim Hamburger SV, dort werden sein Qualitäten wieder gefragt sein. Cheftrainer Dirk Schuster weiß jedenfalls, was er an ihm hat.

Aue.

Wenn der FC Erzgebirge Aue am Sonntag (Anstoß: 13.30 Uhr) beim Hamburger SV gastiert, dann ist die Ausgangslage relativ klar. Der Ex-Bundesligist, der lieber heute als morgen in die Beletage des deutschen Fußballs zurück möchte, dürfte nach der bitteren Derbyniederlage gegen den FC St. Pauli hoch motiviert sein, die Scharte auszuwetzen. "Der HSV wir dieses Heimspiel mit aller Macht positiv gestalten wollen. Da wird einiges auf uns zurollen", ist sich FCE-Chefcoach Dirk Schuster sicher. Seine Mannschaft hingegen kann nach elf Punkten aus sechs Spielen voller Selbstvertrauen in den Norden reisen. Oder wie es Philipp Riese ausdrückt: "Wir haben eine breite Brust und sind guter Dinge, dass wir dort etwas mitnehmen können."

In der vergangenen Saison klappte das. Beim 1:1 (0:1) am 30. Spieltag entführten die Erzgebirger einen wichtigen Zähler aus dem Volksparkstadion. Philipp Zulechner hatte die Gäste nach einer Ecke von Riese in Führung geschossen, Manuel Wintzheimer nur noch den Ausgleich geschafft. "Ja, das sind gute Erinnerungen. Die Atmosphäre war toll, viel Fans von uns waren dabei, deshalb freuen wir uns wieder auf das Spiel", sagt Riese. Er weiß aber auch: "Geschenkt kriegen wir da nix. Wir müssen wieder über unsere Grenzen gehen, um etwas Zählbares mitzunehmen."

Für das "bis an die Grenze gehen", weniger für Zauberfußball, steht der 29-Jährige exemplarisch im FCE- Team. Laut einer "Laufleistungsstatistik" des Fachmagazins "kicker" ist der Mittelfeldmann in den sechs bisherigen Partien 70,60 Kilometer gelaufen. Das entspricht einem Schnitt von 11,77 Kilometern und Platz fünf in der Rangordnung der Zweitligaprofis. Angeführt wird die Liste vom Bochumer Anthony Losilla (75,70). Zweitbester Erzgebirger ist Jan Hochscheidt mit 62,75 Kilometern (Schnitt 10,74) auf Rang 42. Er hat allerdings 14 Minuten weniger Spielzeit als Riese auf der Uhr.

Freilich ist so eine Statistik nur bedingt aussagekräftig für die Gesamtbeurteilung eines Spielers. Läuferisch stark ist Riese allemal. Das ist auf dem Feld nicht zu übersehen. "Das war immer so und wird hoffentlich immer so bleiben", sagt Aues Marathon-Mann. Groß darauf herumreiten, möchte der gebürtige Neubrandenburger, der in Meuselwitz aufwuchs, nicht. "Ich denke, es geht nicht anders, wir müssen alle ans Limit gehen. Und wenn ich dann die meisten Kilometer laufe, dann ist das eben so. Dafür schießt ein anderer mehr Tore. Das gleicht sich alles aus."

Lob in eigener Sache ist ohnehin nicht das Ding des 1,75 Meter großen Kickers. Das übernimmt Dirk Schuster, der als erstes und nicht ganz überraschend Mannschaftsdienlichkeit und Laufstärke nennt. "Darüber hinaus verfügt Pippo noch über sehr gute fußballerische Qualitäten, das Ganze gepaart mit hoher taktischer Intelligenz", meint der Coach. Zudem lobt er das Zusammenspiel mit Clemens Fandrich, meist Rieses Nebenmann auf den Positionen vor der Abwehrkette. "Ein hervorragend harmonierendes Duo, welches ich zu den Besseren in der 2. Liga zählen möchte." Zugute kommt den beiden dabei, dass sie schon drei Jahre in Aue zusammenspielen. Unterbrechungen einbegriffen. In dieser Saison fehlte Fandrich etwa in Bielefeld in der Startelf, Aue verlor 1:3.

Im Sommer 2015 hatte Riese im Lößnitztal angeheuert. Vom Zweit-ligisten 1. FC Heidenheim, wo er kaum zum Zuge gekommen war, ging es zurück in die Dritte Liga. "Ich wollte wieder Fußball spielen, eine neue Chance bekommen und eine Perspektive haben", begründete er damals gegenüber "Freie Presse" seinen Schritt. Und auch wenn der Weg nicht geradlinig verlief, nicht jeder Trainer 100-prozentig von ihm überzeugt war, scheint er vieles richtig gemacht zu haben. In der aktuellen Saison stand der bissige Zweikämpfer in allen Partien 90 Minuten auf dem Platz. Kürzlich unterschrieb er einen Kontrakt bis 2023. "Von dem einen oder anderen kommt schon mal der Spruch vom Rentenvertrag. Aber ich persönlich sehe da noch lange kein Ende, weil der Körper mit noch kein Zeichen gibt, dass es soweit sein könnte."

Ob es dann beim FC Erzgebirge oder wo auch immer weitergeht, wird sich zeigen. Augenblicklich fühlt sich der Vater eines Sohnes und einer Tochter, der mit Familie und Hund in Bad Schlema wohnt, pudelwohl in Aue. "Alles sehr entspannt", sagt Philipp Riese, den die Hamburger am Sonntag ganz sicher von einer anderen Seite kennenlernen werden.

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