Brust raus dank Matchplan

Aues Trainer Domenico Tedesco will seine Spieler nicht an Ergebnissen messen. Das gilt auch für das Spiel am Sonntag gegen die Würzburger Kickers - einen Konkurrenten aus dem Tabellenkeller, der seit Monaten nicht mehr gewonnen hat.

Aue.

Wenn man die Profis des FC Erzgebirge fragt, wie Trainer Domenico Tedesco sie in kurzer Zeit in die Erfolgsspur gebracht hat, fällt nahezu immer ein Wort: Matchplan. Der junge Coach schafft es also, die Zweitligafußballer gut auf den nächsten Gegner vorzubereiten. Nun würde man Tedescos Vorgänger Pavel Dotchev großes Unrecht tun, behaupte man, er hätte die Mannschaft ohne Plan in eine Partie geschickt. Bemerkenswert ist aber, wie konsequent Tedesco - auch öffentlich - immer wieder den Matchplan in den Vordergrund stellt. Das hilft den Spielern nicht nur fußballerisch, sondern auch psychologisch vor und nach den Partien.

In der Vorbereitung macht es für den Einzelnen einen Unterschied, ob ihm konkrete und erreichbare Aufgaben gestellt werden oder ein Ergebnis gefordert wird. "Wenn ich Ihnen sage, Sie sollen ein Eins- gegen-eins gewinnen, sind Sie mit der Aufgabe überfordert. Sage ich Ihnen jedoch, dass Sie Tempo aufnehmen sollen, den Körper einsetzen und so weiter - dann zeige ich Ihnen den Weg zum Erfolg auf", erklärt Tedesco. Natürlich halfen die guten Ergebnisse gleich in den ersten Partien dem 31-Jährigen. Die Profis merkten, dass die Matchpläne ihres neuen Chefs aufgingen. Sie tankten Selbstvertrauen. Kurze Zeit nachdem sie bei der Derbypleite gegen Dynamo Dresden ausgepfiffen wurden, wurden sie wieder gefeiert.

Tedesco selbst - auch das betont er immer wieder - misst die Leistung der Mannschaft nicht an Ergebnissen. "Wir müssen andere Parameter finden", meint der Deutschitaliener. "Es ist für die mittel- und langfristige Entwicklung aber auch kurzfristig nicht gut, wenn ein Team auf die Mütze bekommt, wenn es gut spielt, aber verliert. Das gilt auch für den Fall, wenn es irgendwie gewinnt, aber schlecht spielt." Was ist dann der Parameter, der Gradmesser für gute Leistung? "Wir beziehen uns da auf den Matchplan", sagt Tedesco. Die Frage ist: Wie haben die Einzelspieler und die Mannschaft ihre Aufgaben erfüllt, den Matchplan umgesetzt? Den Druck, ein bestimmtes Ergebnis zu erreichen, gibt es von Trainerseite nicht.

Auch vor der Partie am Sonntag im Erzgebirgsstadion (13.30 Uhr) gegen die Würzburger Kickers hält der FCE-Coach an seiner Marschroute fest. Dass die Franken seit der Winterpause kein Spiel mehr für sich entscheiden konnten und in der Tabelle bis auf Rang 14 durchgereicht wurden, ändert nichts. "Es gibt für uns keine Spiele, die wir gewinnen müssen", sagt Tedesco, der aber grundsätzlich jede Partie für sich entscheiden will. "Die Favoritenrolle lassen wir uns nicht mehr zuschreiben. Vor fünf Wochen hat noch ganz Deutschland gedacht, wir wären abgestiegen."

Eine Niederlage gegen den Konkurrenten im Tabellenkeller täte mit Blick auf den engen Kampf um den Klassenerhalt jedoch besonders weh. Auch das Restprogramm mit zwei Auswärtspartien und einem Heimspiel hat es für den FC Erzgebirge in sich. Letztendlich wird der Trainer Tedesco nämlich an nichts anderem als an schnöden Ergebnissen gemessen. Und auch wenn der Trainer es anders sehen mag: Es sind vor allem die 14 Punkte aus den bisherigen sieben Partien, die dem jungen Fußballlehrer in seiner Art und Weise das Team zu führen, recht geben.

Restprogramm

Vier Spieltage stehen in der 2. Bundesliga noch an. Elf Mannschaften kämpfen gegen den Abstieg in die 3. Liga.

1. FC Nürnberg (8. Platz, 39 Punkte): Stuttgart (H), Sandhausen (A), Düsseldorf (H), Kaiserslautern (A)

SV Sandhausen (9., 38 Punkte): Berlin (A), Nürnberg (H), Würzburg (A), Hannover (H)

VfL Bochum (10., 37 Punkte): Dresden (H), Bielefeld (H), München (A), St. Pauli (H)

FC St. Pauli (11., 35 Punkte): Heidenheim (H), Kaiserslautern (A), Fürth (H), Bochum (A)

Fortuna Düsseldorf (12., 35 Punkte): Hannover (A), Würzburg (H), Nürnberg (A), Aue (H)

1. FC Kaiserslautern (13., 35 Punkte): Karlsruhe (A), St. Pauli (H), Aue (A), Nürnberg (H)

Würzburger Kickers (14., 33 Punkte): Aue (A), Düsseldorf (A), Sandhausen (H), Stuttgart (A)

1860 München (15., 33 Punkte): Braunschweig (H), Dresden (A), Bochum (H), Heidenheim (A)

Erzgebirge Aue (16., 33 Punkte): Würzburg (H), Stuttgart (A), Kaiserslautern (H), Düsseldorf (A)

Arminia Bielefeld (17., 31 Punkte): Fürth (H), Bochum (A), Braunschweig (H), Dresden (A)

Karlsruher SC (18., 22 Punkte): Kaiserslautern (H), Fürth (A), Dresden (H), Braunschweig (A)

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