Der Veilchen-Schreck

Der FC Erzgebirge verlor beim 1. FC Köln 1:3 (1:1). Der Aufstiegsfavorit der 2. Bundesliga war am Sonnabend eine Nummer zu groß für die Auer, insbesondere Simon Terodde. Der Stürmer hätte vor einigen Jahren fast im Lößnitztal angeheuert.

Köln.

Dreimal kam Simon Terodde vor dem Tor des FC Erzgebirge Aue an den Ball, dreimal zappelte die Kugel im Netz. Der Stürmer des 1. FC Köln sorgte mit seinen Toren nahezu im Alleingang für die 1:3 (1:1)-Niederlage der Veilchen am Sonnabend in der Domstadt. "Am Ende konnten wir ihn nicht verteidigen. Da sind uns auch keine gravierenden Fehler vor den Treffern unterlaufen. Er überspringt unsere Leute - das ist dann einfach individuelle Qualität", stellte Aues Trainer Daniel Meyer fest.

Der 1,92 Meter große Hüne darf sich spätestens nach seinem Dreierpack Veilchen-Schreck nennen. Achtmal traf er in seiner Karriere gegen die Erzgebirger, gegen keinen anderen Gegner war er erfolgreicher. "Er verschafft sich seine Freiräume, hat mit dem Kopf und dem Fuß brutale Qualität", musste FCE-Torwart Martin Männel neidlos anerkennen. Zweimal brachte Terodde die Kölner mit Kopfbällen in Führung (26./69.), Clemens Fandrich hatte zwischenzeitlich ausgeglichen (29.). Beim vorentscheidenden 3:1 behielt der 30-Jährige nach einem Konter allein vor Männel die Ruhe und verwandelte sicher (89.). "Er wartet genau den Moment ab, in dem ich einen Schritt nach vorn mache und schließt dann ab", sagte Aues Torwart, der sich etwas zerknirscht an eine Meldung aus dem Jahr 2014 erinnerte: "Er wurde uns mal angeboten und für zu alt befunden. Leider hat er danach angefangen, gegen uns zu treffen."

Trotz der bitteren Erkenntnis, dass der Absteiger am Sonnabend nicht nur in Person seines Mittelstürmers eine Nummer zu stark war, betonten die Auer die positiven Aspekte der Auswärtsreise. "Wir haben uns teuer verkauft. Wir wollten sie auf Granit beißen lassen. In der ersten Halbzeit haben sie sich auch die Zähne ausgebissen", sagte Männel. "Wir haben im ersten Durchgang immer wieder vernünftige Umschaltaktionen gesetzt, das 0:1 gut weggesteckt und den Ausgleich gemacht", meinte Meyer. Fandrich hielt nur knappe drei Minuten nach dem Kölner Führungstor aus der Distanz drauf, mit seinem vermeintlich schwachen linken Fuß haute er die Kugel genau in den Winkel und sorgte damit für einen abrupten Stimmungsabfall beim Kölner Anhang.

Als im zweiten Durchgang der zweite FC-Treffer auf sich warten ließ, machte sich bei den mehr als 40.000 Kölner Zuschauern im Rheinenergiestadion langsam Unmut breit. "Wir hatten sie langsam soweit, dass sie gepfiffen haben", berichtete Männel. Doch immer mehr Flanken segelten durch den Auer Strafraum. Mit Serhou Guirassy wechselte Kölns Trainer Markus Anfang noch einen zweiten baumlangen Angreifer ein. "Wir wollten über außen kommen. Gerade im Heimspiel müssen die Dinger reinfliegen, da muss die Box brennen. Da kann der Gegner acht Bälle verteidigen, aber der neunte ist eben drin", zeigte sich Terodde zufrieden mit der Zuarbeit seiner Kollegen.

Für FCE-Trainer Meyer waren weniger die vielen Flanken die Ursache für das Übel. "Wir hatten in der ersten Halbzeit mehr Ruhe am Ball und konnten ihn länger in den eigenen Reigen halten. Wenn du wie im zweiten Durchgang die Bälle immer wieder zu schnell herschenkst, musst du noch mehr laufen. Das kostet Kraft, ist frustrierend und der Druck wird irgendwann zu groß", meinte der 38-Jährige.

Der gebürtige Brandenburger hatte noch bis zum Sommer selbst beim 1. FC Köln unter Vertrag gestanden und das Nachwuchszentrum der Geißböcke geleitet. Über seine Rückkehr reden wollte er jedoch nicht: "Klar macht es mehr Spaß, als Profitrainer im Innenraum zu sein als irgendwo auf der Tribüne zu sitzen. Ich bin aber nicht als Tourist hier, sondern mit meiner Mannschaft. Die hat hier alles rausgehauen und sitzt geknickt in der Kabine. Darum geht es jetzt - nicht um mein privates Vergnügen."

Die Veilchen haben nach dem 3. Spieltag nur einen Zähler auf dem Konto, den man durch ein nicht zufriedenstellendes 1:1 gegen Magdeburg geholt hatte. Hinzu kommt das DFB-Pokal-Aus gegen einen knapp 90 Minuten in Unterzahl spielenden Bundesligisten aus Mainz. Erfolgserlebnisse, die das Selbstvertrauen vor dem nächsten schweren Auswärtsspiel am Freitag beim FC Ingolstadt stärken können, sind rar gesät. "Wir müssen zusammenhalten und den Kopf oben behalten. Wir werden mit dem klaren Ziel nach Ingolstadt fahren, vor der Länderspielpause den ersten Dreier zu holen", erklärte Meyer und fügte an: "Nicht überall spielt ein Simon Terodde."

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