Die Auer Formationen: Vor- und Nachteile zweier Spielsysteme

Der FC Erzgebirge hat alle drei Pflichtspiele in der noch jungen Saison gewonnen. Das lag auch daran, dass die Veilchen inzwischen taktisch variabler sind. Eine Analyse.

Aue.

Einst waren die Auer Fußballer in der 2. Bundesliga für mächtige Hünen, die grobe Klinge und weit geschlagene Bälle berüchtigt. Diese Zeiten sind seit mehreren Jahren vorbei. Beim FC Erzgebirge setzt Trainer Daniel Meyer auf andere Mittel, um den Klassenerhalt zu schaffen. Der Saisonstart war mit dem 2:0 in Fürth, dem 3:2 gegen Wiesbaden und dem 4:1 im Pokal gegen Regionalligist Nordhausen so vielversprechend wie selten in der jüngeren Vergangenheit. Auffällig war, dass in allen Spielen zwei Grundordnungen - ein 3-5-2 und ein 4-3-3 - zum Einsatz kamen. "Freie Presse" erklärt die Systeme.

Ursprung: Das 3-5-2 ist Weiterentwicklung des von Domenico Tedesco eingeführten und von Meyers Vorgänger Hannes Drews übernommenen 5-2-3-Systems. Tedesco stabilisierte damit die Defensive und führte die Auer in elf Partien zum nicht mehr für möglich gehaltenen Klassenerhalt. In der Saison danach musste Drews aber feststellen, dass dieses System über eine komplette Spielzeit zu ausrechenbar ist, es keinen Plan B gab. Als Meyer vor der vergangenen Saison übernahm, gestaltete er die Grundordnung offensiver.

Das 4-3-3 resultierte aus Meyers Wunsch nach mehr Variabilität. Er probierte vergangene Saison mehrere Grundordnungen aus - erst mit wenig Erfolg. Das 4-3-3 schlug jedoch ein. Auch, weil gleich ein Erfolgserlebnis eingefahren wurde. Am 4. Advent überraschten die Auer den späteren Aufsteiger Union Berlin und gewannen 3:0.Idee: Im 3-5-2 rücken die Außenbahnspieler (in der Aufstellung: Rizzuto und Baumgart) im Abwehrmodus zurück und bilden eine Fünferkette wie unter Tedesco. Im Ballbesitz sorgen sie sowohl für Überzahl im Mittelfeld als auch für Flankenläufe ganz nach vorn. Ein laufintensiver Job, der zudem eine vielseitige Palette an Fähigkeiten erfordert. "Wir brauchen Flügelstürmer, die wie Außenverteidiger denken", beschreibt Meyer die Position. Im Angriff hat ein offensiver Mittelfeldspieler (in der Aufstellung Hochscheidt) hinter dem Sturmduo die Zügel in der Hand.

Die Vorzüge des 4-3-3 wurden gegen Fürth und Wiesbaden jeweils in der ersten Halbzeit deutlich. Für Gegner, die darauf aus sind, früh den Auer Spielaufbau zu attackieren, ist diese Grundordnung extrem gefährlich. Wer beim unter Druck setzen zu sehr aufrückt, steht gegen das offensive FCE-Trio und den "Zehner" (in der Aufstellung Nazarov) nach nur einem langen Ball oder wenigen Kurzpässen unmittelbar vor dem eigenen Tor in Unterzahl da. Zudem bringen vier waschechte Offensivkräfte von Natur aus viel Torgefahr mit in die Startelf.

Schwachstelle: Der Nachteil des 3-5-2 ist, dass sieben Spieler (im Beispiel: Baumgart, Mihojevic, Gonther, Kusic, Rizzuto, Riese und Fandrich) defensiv elementare Aufgaben erfüllen müssen. Trauen sich diese Akteure nicht zu, zusätzlich den Weg nach vorn zu gehen, fehlt es im Angriff schlicht an Unterstützung, um Torgefahr zu entfachen.

Das offensive 4-3-3 beinhaltet naturgemäß ein kalkuliertes Risiko für die Defensive. Räume findet der Gegner bei den Erzgebirgern besonders hinter den Flügelstürmern (Krüger und Hochscheidt). Zu sehen war das in den beiden zweiten Halbzeiten gegen Fürth und Wiesbaden, als Aue stark unter Druck geriet. Meyer begegnet dem Problem damit, dass er auf den Außenverteidigerpositionen mit Kalig und Kusic zwei Akteure aufstellt, die von Haus aus eher klassische Verteidiger als Flügelflitzer sind. Wenn der Gegner aber offensiver wird, stoßen auch sie an ihre Grenzen. "Wir sind außen häufig in Unterzahl ", erklärte Kalig nach dem Spiel gegen Wiesbaden.

Fazit: Dass die Auer zwei sehr unterschiedliche Formationen beherrschen, sie auch in der laufenden Partie wechseln können, macht sie für den Gegner schwer ausrechenbar. Als in den beiden Punktspielen der Gegner mit Nachdruck auf den Ausgleich drückte, stellte Meyer auf das defensiv stabilere 3-5-2 um. Als man gegen Nordhausen 0:1 zurücklag, war die Umstellung auf 4-3-3 der Schlüssel zum Erfolg. Da die Veilchen im Ligavergleich mit überschaubaren finanziellen Mitteln agieren müssen, haben sie nicht die besten Einzelspieler in ihren Reihen. Neben den Grundtugenden wie Wille und Zweikampfhärte ist die Variabilität ein geeignetes Mittel, diesen Nachteil zu kompensieren.

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