Die Neuzugänge glänzen: FCE vergrößert Abstand auf den Keller

Der FC Erzgebirge Aue gewinnt 2019 erstmals ein Heimspiel. Gegen den SC Paderborn ist Emmanuel Iyoha der Spieler des Tages. Für die Geschichte der Partie sorgte aber Philipp Zulechner.

Aue.

FCE-Trainer Daniel Meyer ließ nach dem 2:1(1:0)-Sieg seines FC Erzgebirge gegen den SC Paderborn im Anschluss an turbulente Tagen der guten Stimmung freien Lauf. "Wir hatten eine typische Aue-Woche, oder?", fragte Meyer am Sonnabend in die Runde und lachte laut los. "Wir haben doch immer Nebenbewegungen mit dazwischen." Was der Coach meinte: Nach der Freistellung des langjährigen Co-Trainers Robin Lenk am Mittwoch sorgte zwei Tage später die Absage des geplanten Testspiels gegen RB Leipzig für Diskussionen. Nachdem FCE-Anhänger in sozialen Netzwerken gegen die für diese Woche geplante Partie Stimmung machte, sagten die Veilchen dem Bundesligisten ab - "aus organisatorischen Gründen", wie der Zweitligist mitteilte.

Der Mannschaft waren im Erzgebirgsstadion gegen die offensiv starken Paderborner die "Nebenbewegungen" der jüngeren Vergangenheit nicht anzumerken. "Wir sind mittlerweile so ein eingeschworener Haufen, können uns auf die Spiele fokussieren. Wir haben noch Ziele dieses Jahr, sind noch lange nicht durch. Uns fehlen noch Punkte", erklärte Meyer. Die Veilchen sind nach dem 25. Spieltag Tabellenzehnter mit elf Zählern Vorsprung auf Relegationsplatz 16.

Gegen Paderborn fiel vor allem auf, dass sich eine Vielzahl der Neuzugänge als echte Volltreffer entpuppen. Das 1:0 war eine Co-Produktion der Sommerverpflichtungen Emmanuel Iyhoa und Pascal Testroet (11.), der mit 16 Torbeteiligungen (13 Tore, drei Vorlagen), alle Erwartungen übertrifft. Philipp Zulechner, der im Januar einen Vertrag in Aue unterschrieben hatte, erzielte das 2:0 (81.). Louis Samson - er war im Winter nach Aue zurückgekehrt - wurde für den verletzten Malcolm Cacutalua eingewechselt und löste die Aufgabe auf der ungewohnten rechten Abwehrseite mit Bravour, obwohl er beim späten Anschlusstreffer der Gäste durch Christopher Antwi-Adjei (88.) nicht gut aussah. Jan Hochscheidt, im Sommer als Rückkehrer sofort eingeschlagen, war an der sehenswerten Kombination vor dem 1:0 beteiligt. Filip Kusic zeigt seit dem Start der Rückrunde, warum ihn Meyer vom 1. FC Köln mit ins Erzgebirge brachte.

Doch beim ersten Heimsieg der Auer im Jahr 2019 hatten die Gastgeber auch Glück. Testroet sah für seinen Kopfstoß (26.) ebenso nur die Gelbe Karte wie Calogero Rizzuto für seinen Schubser (41.). Dass die Paderborner schließlich in Unterzahl zum Pausentee in die Kabine gingen, brachte die Ostwestfalen auf die Palme. Schiedsrichter Lasse Koslowski hatte das Foul von SCP-Kapitän Hünemeier an Iyoha als Notbremse gewertet, eine zumindest strittige Entscheidung (45.+1).

Das änderte nichts daran, dass Iyoha der Mann des Spiels war. Der von Fortuna Düsseldorf ausgeliehene Stürmer hatte zuletzt geglänzt, aber das Tor nicht getroffen. Gegen Paderborn drosch er die Kugel nach einer Flanke von Testroet volley ins Netz. "Paco hat mich super gesehen. Normalerweise ist es ja andersrum: Ich lege ihm die Dinger auf", sagte Iyoha. Das 2:0 bereitete er mit einem Dribbling gegen drei Verteidiger mustergültig vor. Das einzige Problem für Aue ist, dass Düsseldorf nach Ablauf der Leihe am Saisonende den Schlaks angesichts seiner Leistungen wieder zurückfordern wird. "Die Gespräche laufen gerade. Es ist noch alles offen", sagte Iyoha.

Während Iyoha zum Matchwinner avancierte, sorgte Zulechner mit seinem Treffer für die emotionale Geschichte des Tages. Anfang vergangenen Jahres hatte ein multiresistenter Keim den Österreicher schwer zugesetzt. Der gebürtige Wiener war auf den Rollstuhl angewiesen. Vor dieser Saison hatte er keinen Club gefunden. Ende Januar überzeugte er Aues Trainer im Probetraining. "Ich freue mich unheimlich für ihn. Ich hoffe, dass unser gemeinsames Projekt ins Rollen kommt", meinte Meyer.

"Einfach riesig, nach so langer Zeit wieder zu treffen. Das war der perfekte Einstand im ersten Heimspiel - alles top", sagte der 28-Jährige und bedankte sich. "In den ersten Trainings hat man mir angemerkt, dass die Kraft fehlt und ich technische Mängel hatte. Das ist von den Mitspielern super akzeptiert worden." Der Stürmer weiß, dass noch viel Arbeit auf ihn wartet. Am Samstagabend stand erst einmal Entspannung an: "Meine Frau kommt heute aus Österreich. Es wird mit einer Cola angestoßen und dann geht es vor die Glotze zur Regeneration."

Obwohl es sportlich gut aussieht, gibt es offenbar Redebedarf. Während FCE-Präsident Helge Leonhardt noch in dieser Saison einen neuen Co-Trainer finden will, sagte Meyer: "Wir machen gar nichts bis Saisonende. Wir haben unsere festen Abläufe, wollen da gar keine Störfeuer reinbringen." Typisch Aue eben.

Statistik Aue: Männel - Cacutalua (31. Samson), Wydra, Kusic - Kalig (V), Fandrich (V), Riese (V), Rizzuto (V) - Hochscheidt (V/83. Nazarov), Iyoha, Testroet (V/70. Zulechner). Paderborn: Zingerle - Dräger, Hünemeier, Schonlau, Collins - Pröger (46. Strohdiek), Ritter, Vasiliadis, Tekpetey - Zolinski (V/67. Klement), Michel (82. Antwi-Adjei). SR.: Koslowksi (Berlin); Zu.: 7350; Tore: 1:0 Iyoha (11.); 2:0 Zulechner (81.), 2:1 Antwi-Adjei (88.); Rote Karte: Hünemeier (45.+1/Notbremse).

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