"Druck? Wir arbeiten weiter wie bisher"

Louis Samson gab bei der 0:2-Niederlage des FC Erzgebirge Aue gegen Eintracht Braunschweig sein Startelfdebüt in der 2. Bundesliga. Seinen Platz kampflos räumen will der Mittelfeldspieler vor dem Derby in Dresden nicht.

Aue.

Während aus der Braunschweiger Kabine ein Ballermannhit nach dem anderen dröhnte, schlurften die Profis des FC Erzgebirge wortlos durch das provisorische Funktionsgebäude an der Baustelle Erzgebirgsstadion. Zum dritten Mal in Folge lobte ein gegnerischer Trainer die Leistung der Veilchen, zum dritten Mal in Folge gab es aber nichts Zählbares. Auch bei Louis Samson war am späten Freitagabend nach dem 0:2 (0:1) gegen Eintracht Braunschweig die gute Laune vom Morgen verflogen. Der 21-Jährige hatte nach dem Frühstück von FCE-Trainer Pavel Dotchev erfahren, dass er den gesperrten Christian Tiffert ersetzen wird. "Nach der Gelb-Roten Karte von Christian in Fürth konnte ich mich zwei Wochen auf mein Startelfdebüt in der 2. Bundesliga vorbereiten - deswegen war es keine Überraschung, aber die Freude war natürlich groß", berichtete Samson.

Anders als bei seinen ersten Drittligaspielen vor einem Jahr präsentierte sich der gebürtige Berliner nicht nervös. Er überzeugte im Zweikampf, war lauffreudig. Gerade einmal drei seiner 50 Pässe fanden nicht den Mitspieler. "Er hat eine super Partie gemacht, war bärenstark", lobte Dotchev, der Samson in der 76. Minute auswechselte, um mit Nicky Adler für mehr Offensivkraft zu sorgen. Geholfen hat das am Ende nicht, statt des Ausgleiches fiel in der 89. Minute das 0:2 und damit die Entscheidung.

"Jeder hat gesehen, dass wir genauso gut Fußball spielen können wie Braunschweig - nur sie waren eben in Person von Domi Kumbela cooler vor dem Tor", analysierte Samson. Der Eintracht-Stürmer nahm dreimal an der Partie teil, zweimal klingelte es im Auer Kasten, einmal rettete Julian Riedel auf der Linie. "In der Summe haben wir oft genug auf das Tor geschossen, es hat doch ein wenig das Glück gefehlt", so Samson. Wenn allerdings von 26 Versuchen gerade einmal vier auf das Tor kommen, lässt sich das nicht nur mit Pech erklären.

"Es ist ein Problem, dass wir uns nicht belohnen", ärgerte sich Dotchev. "Irgendwann fangen die Spieler an zu zweifeln - und genau das darf nicht passieren. Die negativen Erlebnisse zerstören unsere guten Leistungen." Das Derby am Sonntag gegen Dynamo Dresden könnte mit seiner Bedeutung für das Umfeld zum Gradmesser werden: Nach fünf Spieltagen eventuell mit nur drei Punkten und einer Derbypleite dazustehen, stellt mit Blick auf die ohnehin angespannte Stimmung im Lößnitztal ein Horrorszenario dar.

Von zusätzlichem Druck vor der Partie gegen den formstarken Rivalen aus Landeshauptstadt wollte Samson jedoch nichts wissen: "Den spüren vielleicht Trainer und Präsident, aber sie halten ihn von uns fern. Wir arbeiten genauso weiter wie bisher, denn bei keinen der vier Niederlagen waren wir unterlegen." Für den Schlaks bedeutet das, im Training Druck auf die Stammformation zu machen. Denn auch er war nach dem Abpfiff bereits sicher, dass Tiffert nach der abgesessenen Sperre wieder gesetzt ist. "Ich gebe mich kämpferisch - aber ich weiß natürlich, dass ich kein Tiffert bin. Da fehlt mir noch einiges", schätzte sich der 21-Jährige im Vergleich mit seinem 13 Jahr älteren Mitspieler ein. "Christian ist einer unserer wichtigsten Spieler, wenn nicht sogar der wichtigste."

Die Position als dritter Mann hinter dem Duo Tiffert/Philipp Riese festigte Samson mit seinem Auftritt, bestätigte gegen den Spitzenreiter, dass er den Anforderungen der 2. Bundesliga gewachsen ist. "Ich werde weiter Gas geben und meine Chancen bekommen", erklärte der defensive Mittelfeldspieler - und vielleicht findet sich ein Platz neben Tiffert in der Startformation.

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