"Einen Abstieg hakt man nie ganz ab"

Florian Ballas war Kapitän bei Dynamo Dresden, stieg ab und wechselte zum FC Erzgebirge Aue. Bei den Veilchen will der Verteidiger es in der 2. Bundesliga besser machen - und auch ohne Kapitänsbinde Verantwortung übernehmen.

Aue.

Für Florian Ballas wird die Generalprobe des FC Erzgebirge Aue am morgigen Sonnabend ein schnelles Wiedersehen mit seinem Ex-Club Dynamo Dresden. Lautstarke Unmutsbekundungen der schwarz-gelben Anhänger bleiben ihm anders als Pascal Testroet und Sören Gonther, die in den vergangenen zwei Jahren den Weg von der Elbe ins Lößnitztal gewählt haben, erspart. Schließlich sind die Dresdner aus der 2. Bundesliga abgestiegen. "Natürlich wird man nicht gern ausgepfiffen. Aber uns allen war, denke ich, bewusst, wie der Wechsel gesehen wird", meint Ballas. "Ganz ehrlich: Ich würde liebend gern so ein Derby in der Liga spielen, weil gerade diese Partien den Fußball ausmachen. Unser Sport lebt von einer gewissen Rivalität. Da ist es sehr schade, dass das diese Saison fehlt. Ich werde es vermissen."

Sechs Sachsenderbys hat der Innenverteidiger für Dynamo gegen die Veilchen bestritten, beim 4:0-Erfolg der Dresdener im Dezember 2018 trug er sich in die Torschützenliste ein. "Klar haben wir über die letzten Aufeinandertreffen gesprochen. Da hat man sich auch gegenseitig aufgezogen - aber alles auf einer freundschaftlichen Ebene", verrät der 27-Jährige, der derzeit gemeinsam mit seinem Freund Sören Gonther aus der Landhauptstadt nach Aue pendelt. "Ich werde mir aber was in der Region suchen. Die Fahrerei ist für mich nicht optimal."

Auf sechs Spielzeiten in der 2. Bundesliga kann der 1,96 Meter große Abwehrrecke zurückblicken. In 134 Einsätzen wurde er nicht einmal vom Platz gestellt, sah nur in einer Saison mehr als vier Gelbe Karten und fehlte somit lediglich ein einziges Mal gesperrt - für einen Defensivakteur eine bemerkenswerte Bilanz. "Ich habe in meiner Karriere auch mal eine Rote Karte gesehen", gibt Ballas zu. "Ich gehe nicht mit dem Gedanken in einen Zweikampf, dass ich bloß keine Karte sehen darf. Ich versuche aber, die Duelle sauber und clever zu führen. Anscheinend gelingt mir das ganz gut."

Bereits als junger Profi trug der gebürtige Saarländer die Kapitänsbinde beim FSV Frankfurt, zuletzt führte er auch die Dynamo-Elf aufs Feld. In Aue wird es dies voraussichtlich erst einmal nicht tun, schließlich sind die Hierarchien geklärt - mit Torhüter Martin Männel als Kapitän und Gonther als Abwehrchef. "Um Verantwortung zu übernehmen, braucht man weder die Binde noch eine spezielle Bezeichnung. Wichtig ist, dass man sich gegenseitig pusht. Da ist jeder gefordert", meint Ballas und kündigt an: "Ich werde meine Erfahrung einbringen. Wenn mir eine Entwicklung negativ auffällt, die ich in der Vergangenheit so schon erlebt habe, werde ich das intern ansprechen."

Denn Ballas ist zwar seit Winter 2015 durchgehend Zweitligaprofi, stieg allerdings bereits zweimal aus dem deutschen Fußball-Unterhaus ab: 2016 mit dem FSV Frankfurt und diesen Sommer mit Dynamo. Ob er den bitteren Ausgang der vergangenen Saison bereits verarbeitet hat? "Das ging nicht spurlos an einem vorbei. Ich hatte in der Sommerpause länger daran zu knabbern. Der Urlaub war auch sehr komisch. Weil man nicht weit weg reisen und somit nicht komplett abschalten konnte, hat man sich immer wieder mit dem Thema beschäftigt", berichtet Ballas und fügt an: "Einen Abstieg hakt man nie ganz ab. Der bleibt in einem verankert. Du musst aber einen Punkt erreichen, an dem du nach vorn blickst. Die nächste Serie startet bald. Deswegen wäre es fatal, sich jetzt nicht auf das tägliche Geschäft zu konzentrieren."

Auf die Generalprobe am Samstag gegen Dynamo folgt für Ballas und Co. eine Woche Training, bis es nächste Woche ernst wird: Bei Regionalligist SSV Ulm gilt es, eine Blamage im DFB-Pokal zu vermeiden. Wiederum sieben Tage später geht es für Aue bei den Würzburger Kickers um die ersten Punkte in Liga zwei. "Ich freue mich darauf, dass es wieder losgeht", erklärt Ballas, "dass ich es jetzt nach den Fehlern der letzten Monate besser machen kann."

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