"Erhobenen Hauptes" - Testroet wechselt von Dynamo zum FCE

Der FC Erzgebirge hat lange nach einem echten Mittelstürmer gesucht. Nun ist er beim Rivalen in Dresden fündig geworden. Pascal Testroet entschied sich bewusst für den Wechsel nach Aue.

Pascal Testroet: ein bulliger, aber trickreicher Angreifer für Erzgebirge Aue. In Dresden konnte er das zuletzt nur im Training beweisen.
Neben Pascal Testroet stellte Helge Leonhardt mit Florian Krüger (von rechts) am Dienstag einen weiteren Neuzugang der Auer vor.

Für Sie berichtet: Thomas Scholze Und Sebastian Siebertz

Zum Saisonstart in Berlin war die Position des Auer Mittelstürmers noch vakant, Dimitrij Nazarov und Sören Bertram teilten sich mit mäßigem Erfolg diese Rolle. Seit Dienstag hat der FC Erzgebirge Aue nun gleich zwei Männer für das Sturmzentrum. Aus der zweiten Mannschaft des FC Schalke 04 wechselt Florian Krüger zu den Veilchen. Ein Paukenschlag ist der zweite Transfer: Vom Zweitligarivalen Dynamo Dresden kommt Pascal Testroet. 1,85 Meter groß, kräftig, beidfüßig, trickreich und durchsetzungsfähig - genau der Spielertyp, den die Auer gesucht haben und der womöglich den zur Berliner Hertha in die Bundesliga abgewanderten Pascal Köpke ersetzen kann.

"Ich habe richtig Bock auf diese Aufgabe", meinte Pascal Testroet nach seinem ersten Tag in Aue. "Ich hatte ein paar andere Optionen, aber die Offerte des FC Erzgebirge hat mich am meisten überzeugt. Ein geradliniger Trainer, ein klares Konzept, ich werde mich hier richtig reinhängen. Das habe ich immer gemacht, auch in Dresden. Deswegen gehe ich erhobenen Hauptes und glaube, dass auch die Dynamo-Fans meine Entscheidung verstehen."

Im Sommer 2015 war der gebürtige Bocholter von Arminia Bielefeld nach Dresden gekommen, entwickelte sich schnell zum Publikumsliebling. Mit 18 Treffern verhalf er Dynamo neben Justin Eilers (23 Tore) maßgeblich zum Aufstieg in die 2. Bundesliga. Dort spielte er in den vergangen zwei Jahren aber keine Hauptrolle mehr. "Er ist heiß darauf zu beweisen, dass er mehr im Kessel hat, als er zuletzt zeigen konnte", sagte FCE-Trainer Daniel Meyer. In der Saison 2016/17 musste Testroet sich zumeist hinter Stefan Kutschke anstellen, der größten Teil der zurückliegenden Serie verpasste er, nachdem er sich gleich im Auftaktspiel das Kreuzband des linken Knies gerissen hatte.

Mühsam war der Weg zurück nach Operation und langer Reha. "Es war eine Quälerei", berichtet der Stürmer. Erst in den letzten sieben Ligapartien konnte Testroet wieder helfen, den Klassenerhalt für Dynamo zu sichern. Das gelang ihm vor allem mit seinem einzigen Saisontor, dem goldenen zum 1:0-Auswärtssieg am 31. Spieltag in Kaiserslautern. Ein ganz wichtiger Treffer - und Testroets Abschiedsgeschenk an die schwarz-gelbe Fangemeinde.

In den Planungen von Trainer Uwe Neuhaus spielte er trotz des bis Sommer 2019 datierten und nun aufgelösten Vertrags keine tragende Rolle mehr, war beim letzten Testspiel und auch am Montag beim Ligastart gegen Duisburg nicht mal mehr im Kader. "In einem gemeinsamen Gespräch ist klargeworden, dass Paco bei uns in Zukunft nicht mehr die Einsatzzeiten bekommen wird, die er sich vorstellt. Er ist an uns mit dem Wunsch herangetreten, den Verein wechseln zu wollen", erklärte SGD-Interimsgeschäftsführer Kristian Walter. Über die Ablösemodalitäten vereinbarten der FCE und Dynamo Stillschweigen. Umsonst dürfte der 27-Jährige aber nicht zu haben gewesen sein. Wahrscheinlich ist, dass eine sechsstellige Ablösesumme aus dem Erzgebirge nach Dresden fließt.

Nun soll Testroet das Netz für den FCE zappeln lassen. "Pascal und Florian sind klassische Mittelstürmer. Ihr Auftrag ist ganz klar, Tore für uns schießen", umschreibt denn auch Vereinspräsident Helge Leonhardt ganz klar die Anforderungen an die Neuzugänge, die am Dienstag beide einen Vertrag bis Sommer 2021 unterzeichneten.

Wobei Krüger wohl mehr Zeit bekommen wird, um den Auftrag zu erfüllen. Der 19-Jährige schoss für Schalke 04 in den vergangenen zwei Spielzeiten der A-Jugend-Bundesliga 26 Treffer und bereitete 19 vor. Meyer sieht in ihm "eines der größten Sturmtalente Deutschlands". Der Magdeburger wird am Sonntag gegen seinen Heimatclub nicht auflaufen können. Auf der China-Reise der Schalker zog sich Krüger eine Syndesmosebandverletzung zu, ein Einsatz in der Partie der Veilchen gegen den 1. FC Magdeburg am Sonntag ist nicht möglich.

Testroet, wie in Osnabrück, Bielefeld und Dresden nun auch in Aue mit seiner Lieblingstrikotnummer 37 unterwegs, könnte hingegen schon beim ersten Heimspiel des FCE sein Debüt für sein neues Team feiern. "Pascal kennte die Liga und die Region - ich hoffe, dass er sofort funktioniert", meinte Meyer. Der Aufsteiger ist ein Gegner, der ihm liegen könnte. Zweimal spielte Testroet in Dynamo-Diensten gegen die Magdeburger, dabei gelang ihm im Herbst 2015 beim 3:2-Erfolg in Dresden wie auch beim 2:2 im Frühjahr 2016 beim Rückspiel elbabwärts jeweils ein Tor. Insgesamt 58 hat er in 189 Drittligaeinsätzen auf dem Konto, eine Etage höher in der 2. Bundesliga steht er bei 30 Spielen und erst drei Treffern. Ein Wert, der nun vervielfacht werden soll.

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