Fabian lacht, Fabio mit Tränen

Erzgebirge Aue klettert in der 2. Bundesliga dank eines 3:1 gegen die Würzburger Kickers auf Rang 13. Während ein FCE-Profi einen besonderen Tag in seiner Karriere bejubeln durfte, war die Stimmung eines anderen getrübt.

Aue.

Fabian Kalig erlebte am Sonntag im Erzgebirgsstadion gleich eine doppelte Premiere in seiner Profikarriere. Der Verteidiger erzielte sein erstes Zweitligator. "Der Ball springt mir direkt an den Kopf, da war es nicht mehr die schwerste Aufgabe, das Ding reinzudrücken", sagte der 24-Jährige zu dem Treffer, mit dem er in der 3. Spielminute den 3:1 (3:0)-Sieg des FC Erzgebirge gegen die Würzburger Kickers einleitete. "Es war super, direkt vor dem Fanblock. So bin ich nach dem Tor sofort in den Jubel übergegangen. Das hat gepasst", freute sich der Rotschopf, der vor der Saison von der zweiten Mannschaft des Bundesligisten FSV Mainz ins Lößnitztal gewechselt war.

Eine knappe Stunde später stand Kalig wieder vor der neuen Fantribüne auf der Baustelle Erzgebirgsstadion - und feierte sein zweites Debüt. Erstmals wollten die Anhänger ihn auf dem Zaun zum obligatorischen Jubel sehen. "Das war ein sehr schönes Gefühl. Es kam etwas überraschend für mich, dass ich hoch durfte", meinte der gebürtige Wiesbadener, der in dieser Saison 15-mal in der Startelf stand, jedoch eher die Aufgabe des zuverlässigen Arbeiters verrichtete als zu glänzen.

Und auch gegen die Franken lieferte Kalig gemeinsam mit Louis Samson und Steve Breitkreuz in der Dreierkette eine tadellose Leistung ab. "In der letzten Linie haben wir gut verteidigt. Deswegen kam auch nur dieser Sonntagsschuss zustande", analysierte Kalig zutreffend die Defensivarbeit der Veilchen. Beim "Sonntagsschuss" des eingewechselten Würzburgers Patrick Weihrauch zum 1:3 (60.) genau in den Winkel war Torhüter Martin Männel chancenlos.

Aus dem Nichts kam das Tor der Franken allerdings nicht. "Wir haben es verpasst, für Entlastung zu sorgen", erklärte Kalig das Würzburger Übergewicht im zweiten Durchgang. "Wenn du mit einem 3:0 in die Halbzeit gehst, machst du vielleicht einen Schritt weniger, stehst tiefer, weil du keinen Treffer mehr kassieren willst", suchte Pascal Köpke eine Erklärung. "Wir haben nach der Pause zwischen uns zu viel Raum gelassen. Deswegen hatten wir keinen Zugriff." Der Stürmer krönte vor der Pause die effektive Anfangsphase der Erzgebirger und einen blitzsauberen Angriff mit dem 3:0 (18.). Dimitrij Nazarov hatte zuvor mit seinem bereits siebten verwandelten Elfmeter in diesem Jahr auf 2:0 erhöht (10.).

Keine Entlastung, viele Ballverluste, kein ordentlich zu Ende gespielter Konter - war die zweite Halbzeit für sich betrachtet sogar die schwächste unter Trainer Domenico Tedesco? "Wir können den Spieß auch umdrehen und sagen, dass es der Gegner gut gemacht hat. Die Wahrheit liegt wahrscheinlich in der Mitte", antwortete der 31 Jahre alte Coach. Wie schon beim Remis gegen den VfL Bochum kam jeder Klärungsversuch der Lila-Weißen umgehend zurück. "Es gibt durchaus Parallelen. Ich würde meinen, Würzburg hat es sogar besser gemacht", sagte Tedesco zum Vergleich mit dem 1:1 im Ruhrgebiet, bei dem seine Mannschaft im zweiten Durchgang eine 1:0-Führung aus der Hand gegeben, aber immerhin einen Punkt mitgenommen hatte. Weil den Würzburgern jedoch anders als den Bochumern die Konsequenz fehlte, Kalig, Samson und Co. alles abräumten, wurde es in der Schlussphase am Sonntag nicht mehr eng.

Damit zog Aue in der Tabelle nicht nur an den Kickers vorbei, sondern kletterte vom 16. bis auf den 13. Rang - die beste Platzierung seit Ende September.

Während sich die FCE-Spieler - allen voran Fabian Kalig - mit einem Lächeln auf den Heimweg machten, humpelte Fabio Kaufmann mit Tränen in den Augen durch die Katakomben. Der verbundene linke Knöchel trübte die Stimmung des 24-Jährigen. "Nächste Woche ist für mich persönlich eine ganz wichtige Partie. Ich bin großer VfB-Sympathisant, es ist für mich ein Kindheitstraum in dem Stadion zu spielen", erklärte der gebürtige Schwabe. Ob Kaufmann bis zur Auswärtspartie am Sonntag beim Tabellenführer Stuttgart fit wird, ist unklar. Gegen Würzburg vertrat er den gelbgesperrten Sebastian Hertner auf dem linken Flügel und zeigte eine auffällige Leistung. Mit seiner Schnelligkeit stellte er die Kickers vor Probleme, wurde deswegen aber auch in der ersten Halbzeit sechsmal gefoult. Valdet Rama und Tobias Schröck auf der rechten Seite der Franken hätten allein durch Vergehen an Kaufmann die Gelb- Rote Karte sehen können.

Die Aktion, die ihm im zweiten Durchgang schlussendlich den Rest gab, war jedoch kein Foul. Er knickte nach einem Befreiungsschlag um und musste ausgewechselt werden (60.). Bei der Analyse des so wichtigen Erfolges hellte sich auch bei Kaufmann die Gemütslage wieder auf. "Ich bin stolz auf die Mannschaft, was wir momentan schaffen. Ich hoffe, dass wir so weitermachen und über dem Strich bleiben."

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