FC Erzgebirge Aue früh im Soll

Mit einem guten Gefühl können Trainer und Spieler von Erzgebirge Aue in die Länderspiel-Pause gehen. Das liegt nicht nur am Tabellenstand. Auch die Leistung beim 1:1 in Karlsruhe stimmt zuversichtlich für den weiteren Saisonverlauf.

Aue (dpa) - Dirk Schuster hatte ein Einsehen. Der Trainer von Fußball-Zweitligist FC Erzgebirge Aue gab seinen Spielern am Tag nach dem 1:1 beim Karlsruher SC kurzfristig frei. Die Sachsen, die 50 Minuten in Unterzahl spielen mussten, hatten sich diesen Punkt hart erkämpft. «Respekt an unsere Arbeit und Respekt, wie die Jungs fighten und wie wir immer um unser Leben laufen», meinte Mittelfeldspieler Clemens Fandrich, der im Wildparkstadion selbst 11,4 Kilometer auf dem nassen und tiefen Rasen abgespult hatte.

Durch das Unentschieden wurde die ominöse Marke von 20 Zählern schon nach dem 13. Spieltag geknackt - für Auer Verhältnisse ein sehr früher Zeitpunkt. Als Tabellenfünfter gehen die «Veilchen» daher mit einem guten Gefühl in die Länderspiel-Pause, doch von der Platzierung wollen sich Trainer und Spieler nicht täuschen lassen. Absolute Priorität habe weiterhin nur der Klassenverbleib, betonen die Auer bei jeder Gelegenheit. «Am Ende können wir mit 20 Punkten trotzdem nicht überleben. Wir müssen nach der Pause weiter Gas geben», fordert Fandrich von sich und seinen Mitspielern, nicht nachzulassen.

«Die Marke ist ein sehr gutes Fundament für das Erreichen unserer Ziele», betonte auch Schuster, der Aue «auf einem richtig guten Weg» sieht und einmal mehr die Mentalität und den Charakter seiner Spieler lobte. Doch es ist nicht nur der Kampfgeist, der die Kicker aus dem Erzgebirge in dieser Saison auszeichnet und dafür sorgt, dass die Gegner aus dem Spiel heraus kaum zu Möglichkeiten kommen.

Auch spielerisch hat die Mannschaft um Kapitän Martin Männel einen Sprung nach vorn gemacht. Das wurde in Karlsruhe speziell in der Anfangsphase sichtbar. In den ersten 23 Minuten erspielten sich die Auer drei Großchancen, wovon aber nur eine genutzt wurde. Jan Hochscheidt traf zum frühen 1:0 (7.). Es war sein 33. Zweitliga-Tor für Aue, damit stellte der 32 Jahre alte Mittelfeldspieler den Vereinsrekord von Andrzej Juskowiak ein.

Der Torschütze wurde anschließend allerdings zum tragischen Helden. Nach einem harten Einsteigen gegen KSC-Spieler Marco Thiede sah Hochscheidt mit Hilfe der Videobeweis-Entscheidung von Schiedsrichter Sven Waschitzki die Rote Karte (40.). Hochscheidt selbst wollte sich hinterher dazu nicht äußern - das tat dafür sein Trainer. «Wenn man hört, dass beide Spieler weggerutscht sind, dann ist das eine harte Entscheidung und sehr bitter. Aber wir müssen sie respektieren und akzeptieren», sagte Schuster. «Wobei ich für Jan auch eine Lanze brechen möchte. Er ist ein Top-Sportsmann und ein ganz feiner Kerl, der in seiner Karriere vorher noch nie eine Rote Karte bekommen hat.»

Jetzt hoffen sie in Aue, dass Hochscheidt vom DFB-Sportgericht nicht zu lang gesperrt wird. «Jan ist mit seinen Ideen offensiv ein Unterschied-Spieler in unserem Team. Da muss sich der Trainer etwas einfallen lassen, wie er den blonden Engel irgendwie ersetzt», meinte Fandrich im MDR mit einem Augenzwinkern.

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