FCE gegen HSV: Ein bisschen Glück und viel Geschick

Nach zuvor vier Niederlagen meldet sich Fußball-Zweitligist Erzgebirge Aue mit einem Unentschieden beim Hamburger SV zurück. Das 1:1 war Lohn für eine vor allem kämpferisch überzeugende Leistung. Wert ist es viel mehr als nur den einen Punkt.

Hamburg.

Der Abwärtstrend ist gestoppt, die Fans atmen auf, der Trainer atmet durch. Viel zu verlieren hatte der FC Erzgebirge beim Aufstiegsaspiranten HSV nicht, er hat eine Menge gewonnen: einen Zähler, der durchaus noch wichtig werden kann, vor allem aber die Erkenntnis, was mit Mut und Entschlossenheit möglich ist. "Wir hatten uns fest vorgenommen, hier etwas mitzunehmen", erklärte Clemens Fandrich, "dieser Wille hat uns getragen. Jetzt müssen wir mit genau dieser Einstellung in die letzten vier Partien gehen."

Eine Frage der Einstellung, aber auch eine der Aufstellung. Neben Steve Breitkreuz, der sein Comeback gegen Heidenheim gegeben hatte, konnten am Ostersamstag im Volksparkstadion auch Fabian Kalig, Calogero Rizzuto und Dennis Kempe wieder auflaufen, was der Auer Defensive zu deutlich mehr Stabilität verhalf. In einer aus Gästesicht nahezu perfekten ersten Halbzeit kam der HSV über die Außenseiten kein Stück vorwärts, weil Kempe und Rizzuto - unterstützt von den Offensivkollegen - überhaupt nichts anbrennen ließen. Und in der Mitte warfen sich Breitkreuz und Kalig in die Zweikämpfe und in die Schüsse. Dominik Wydra sorgte ein Stück weiter vorn als eine Art Vorstopper dafür, dass die Hausherren in ihrem Kombinationsspiel früh gestört wurden.

Ein paar Chancen für seinen HSV sah Günter Netzer als prominenter Tribünengast dann aber doch: Janjicics strammer Schuss ging über den Auer Kasten (28.), beim Tohuwabohu vor Martin Männel klärten Breitkreuz, Kalig und Kempe gleich mehrfach. Später spitzelte Kalig in höchster Not Jatta den Ball vom Fuß (39.). "Wir wussten, was hier auf uns zukommt", meinte Trainer Daniel Meyer später, "der Auftritt des HSV in Köln war schon sehr beeindruckend. Darauf mussten, darauf haben wir mit ein paar taktischen Maßnahmen reagiert."

Eine davon war, den besten Torschützen auf der Bank zu lassen. Anstelle von 13-Tore-Mann Pascal Testroet, der das erste Mal seit seinem Wechsel aus Dresden ins Erzgebirge nicht in der Auer Startelf zu finden war, ließ Meyer vorn neben Florian Krüger und Jan Hochscheidt Philipp Zulechner beginnen. Er sollte intensiv anlaufen, den HSV im Aufbau stören. Das erledigte der Österreicher. Und noch ein bisschen mehr. Nach dem ersten Eckball des FCE stand es plötzlich 1:0. Riese hatte den Ball von der rechten Seite getreten, HSV-Torwart Pollersbeck an der Kugel vorbeigefaustet, der am langen Pfosten allein gelassene Zulechner den Ball mit links unter die Latte des Hamburger Kastens genagelt (43.). Beim sechsten Einsatz schon der dritte Treffer des 29-Jährigen - die Quote stimmt. Nach dem Schlusspfiff lobte der Torschütze in aller Bescheidenheit vor allem die Kollegen: "Nach dem Abpfiff sind wir alle umgefallen. Gegen einen Großen der Liga muss man mit Kampf und Leidenschaft agieren - und das haben wir heute gemacht."

Die zu erwartende wütende Offensive des HSV kam nach der Pause und wurde ziemlich schnell mit dem Ausgleich honoriert. Weil sich Narey auf der rechten Angriffsseite gegen Jan Kral - der jetzt an Stelle des schon wieder verletzten und zur Pause ausgetauschten Kempe verteidigte - durchsetzten und flanken konnte, Martin Männel den Ball ein bisschen unterschätzte, Mangala präzise Wintzheimer bediente, stand es nach 53 Minuten 1:1.

Die Bastion der Veilchen wankte, aber sie fiel nicht. Auch nicht, als HSV-Trainer Hannes Wolf sich auf seiner starbesetzten Wechselbank bediente. Dort saßen Beine mit 13 Millionen Marktwert, mehr wert als der komplette Auer Kader. Hwang, Lasogga und Hunt brachten frischen Schwung, Kapitän Hunt traf zweimal das Gebälk (aus spitzem Winkel an den Pfosten/78., mit direktem Freistoß an die Latte/85.), Lasogga war dem Siegtreffer in der Nachspielzeit nahe, doch Männel fischte dem Goalgetter den Ball gekonnt vom Fuß.

Dann war das Gezitter vorbei, der Jubel groß. Kleines Manko an einem sonst für den FCE rundum gelungenen Nachmittag waren die ungenau ausgespielten eigenen Konter. Ernsthafte Auer Torgelegenheiten gab es in der zweiten Hälfte nicht. Das geht besser - bestimmt schon am kommenden Sonntag gegen Bochum.

Statistik Hamburger SV: Pollersbeck - Sakai, Lacroix, van Drongelen, Douglas Santos - Janjicic - Narey, Özcan (64. Hwang), Mangala, Jatta (68. Lasogga) - Wintzheimer (76. Hunt) Aue: Männel - Kalig, Wydra, Breitkreuz (V) - Rizzuto, Fandrich, Riese (V), Kempe (46. Kral) - Hochscheidt - Krüger (77. Iyoha), Zulechner (60. Testroet) Schiedsrichter: Jöllenbeck (Freiberg am Neckar). Zuschauer: 52.354. Tore: 0:1 Zulechner (43.), 1:1 Wintzheimer (53.)

Randale auf St. Pauli

Zwischen Fans des Hamburger SV und des FC Erzgebirge ist es nach der Zweitligapartie in der Nacht zum Ostersonntag im Hamburger Stadtteil St. Pauli zu handgreiflichen Auseinandersetzungen gekommen. Nach Angaben der Hamburger Polizei waren zwischen 80 und 200 Anhänger beider Lager daran beteiligt. Sie seien mit Flaschen und Pyrotechnik aufeinander losgegangen.

Auch Polizisten sind den Schilderungen zufolge angegriffen worden. Ein Beamter habe leichte Verletzungen erlitten. Auf Auer Seite wurden 30 Fans vorläufig in Gewahrsam genommen. Die Polizei war bis in den frühen Morgen im Einsatz. Auch Beamte der Bundespolizei und bei den Osterfeuern eingesetzte Kollegen seien zur Verstärkung nach St. Pauli beordert worden.dpa

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