FCE: Premieren, Traumtore und ein Aha-Effekt

Der FC Erzgebirge Aue feiert in Fürth den höchsten Auswärtssieg seiner Zweitligahistorie. Beim 5:0 (1:0)-Erfolg war die überragende zweite Halbzeit der Veilchen das Resultat eines Lerneffekts nach einer bitteren Niederlage.

Aue.

Wenn sich der gegnerische Trainer nach einem Heimspiel beim eigenen Anhang entschuldigt, dann hat die Auswärtsmannschaft in der Regel sehr viel richtig gemacht. Während Fürths Coach Damir Buric versuchte, das Debakel der Spielvereinigung zu erklären, feierten die Fans, Spieler und Betreuer des FC Erzgebirge ausgelassen ihren 5:0 (1:0)-Erfolg im Sportpark Ronhof.

"Das war ein goldener Samstag für uns", freute sich FCE-Stürmer Pascal Testroet. Sein Trainer Daniel Meyer resümierte mit einem breiten Grinsen im Gesicht: "Ein runder Tag." Dieser nasskalte 8. Dezember in Franken schaffte es in die Geschichtsbücher der Auer: Nie gewannen die Veilchen auswärts höher in der 2. Fußball-Bundesliga.

Vor allem nach der Pause klappte bei den Erzgebirgern alles. "Die zweite Halbzeit lief wie aus einem Guss. Ein Tor war schöner als das andere", sagte Testroet, der mit dem 2:0 zwei Minuten nach Wiederanpfiff den Torreigen einleitete. War sein Kopfballtreffer noch vergleichsweise unspektakulär, verdienen die Treffer von Jan Hochscheidt und Emmanuel Iyoha das Prädikat Traumtor. Hochscheidt zirkelte einen Freistoß nahe der Seitenlinie über den chancenlosen Fürth-Torhüter Sascha Burchert hinweg in den Winkel des langen Ecks (69.) zum 3:0. "Was Jan da macht, ist Wahnsinn", meinte Testroet lachend. "Der kommt diese Woche mit Fußballschuhen, Modell WM 1998, an. Wir haben aus Spaß zu ihm David Beckham gesagt. Wenn er jede Woche so eins macht, nenne ich ihn ab sofort nur noch so."

Der eingewechselte Iyoha ließ bei seinem Treffer zum 4:0 gleich zwei Verteidiger mit Übersteigern ins Leere laufen, um die Kugel anschließend aus rund zwanzig Metern an den Innenpfosten zu schlenzen (85.). Das 5:0 durch Robert Herrmann drei Minuten später fasste die Partie treffend zusammen: Hochscheidt wurde im Strafraum gefoult, der an allen Toren schuldlose fränkische Schlussmann Burchert parierte den fälligen Strafstoß von Herrmann, doch die Kugel sprang von der Hand des Keepers an den Pfosten und zurück zu Herrmann, der nur noch zum Endstand einköpfen musste. "Das Ergebnis ist sicherlich klarer, als es der Spielverlauf hergab", räumte Meyer ein. "Aber wir waren einfach mal dran."

Ein weiterer Beleg dafür, wie außergewöhnlich dieses Spiel war: 133 Eckbälle blieben die Auer saisonübergreifend ohne Torerfolg - gegen Fürth endete diese Serie nicht nur mit dem 1:0 durch Florian Krüger (28.), gleich der nächste Auer Eckstoß führte zum 2:0 durch Testroet. Jener Treffer war gleichzeitig das erste Auer Kopfballtor der Saison. Hochscheidts direkt verwandelter Freistoß bedeutete in dieser Spielzeit ebenso eine Premiere. "Das ist schon kurios", so Meyer.

Wie ist es zu erklären, dass seine Mannschaft, die bis zu diesem Spieltag 15 Treffer geschossen hatte, nun in 90 Minuten gleich fünf nachlegte? Warum gelingt einem Team, das diese Saison zuvor in fremden Stadion gerade einmal vier Zähler sammelte, ein vereinshistorischer Auswärtserfolg? Der Trainer erklärte es mit dem Lerneffekt nach der 1:2-Niederlage beim VfL Bochum. Im Ruhrgebiet hatten seine Schützlinge vor zwei Wochen auch mit 1:0 geführt und ihr Heil in einer Abwehrschlacht gesucht. In der Nachspielzeit waren sie mit dem Gegentreffer bestraft worden. "Wir hatten heute nach einer guter Anfangsphase einen Bruch im Spiel, sind in ein Muster verfallen, das wir nicht mehr sehen wollen: Wir standen tief, waren zu ängstlich. So ähnlich wie in Bochum", erklärte Meyer. Die Fürther wären fast zum Ausgleich gekommen: Julian Green (30.) und Sebastian Ernst (35.) schossen nur knapp am Tor vorbei.

Anders als beim 1:2 in Bochum änderte sich das Geschehen nach der Pause. "Wir haben im zweiten Durchgang mutig nach vorn verteidigt und sind dafür belohnt worden", analysierte Meyer. "Ich hoffe auf einen Aha-Effekt: Dass wir bei einer Führung künftig nicht mehr, aus Angst etwas verlieren zu können, in Passivität verfallen, sondern dass wir selbst gestalten und attackieren." In den zwei verbliebenen Heimspielen vor der Winterpause - gegen Darmstadt und Union Berlin - können die Auer nachweisen, dass dieser Lerneffekt nachhaltig ist. "Wir werden nicht vier Tage feiern, weil wir fünf Tore erzielt haben. Wir brauchen die Partie zwar nicht schlecht reden, aber wir müssen es vernünftig einordnen - genauso wie die Niederlage in Bochum."

Statistik

Fürth: Burchert - Sauer, Magyar (59. Abouchabaka/64. Omladic), Maloca (V), Mohr - Ernst, Jaeckel - Reese, Green, Raum - Keita-Ruel.

Aue: Männel - Cacutalua, Breitkreuz (V), Rapp (32. Kalig/V) - Rizzuto, Fandrich, Riese, Herrmann (V)- Hochscheidt (V) - Krüger (73. Iyoha), Testroet (82. Tiffert).

Schiedsrichter: Petersen (Stuttgart); Zuschauer: 9305; Tore: 0:1 Krüger (28.), 0:2 Testroet (47.), 0:3 Hochscheidt (69.), 0:4 Iyoha (85.), 0:5 Herrmann (88.).


Testroet: Die Quote von Flo hätte ich in dem Alter auch gern gehabt 

Florian Krüger (Foto) strahlte nach dem 5:0-Erfolg des FC Erzgebirge bei Greuther Fürth. Der Stürmer erzielte das 1:0, sein erstes Tor im Profifußball. "Dieser Treffer wird mir immer in Erinnerung bleiben", sagte der Stürmer, der im Sommer aus der Jugend von Schalke nach Aue gewechselt war. Nach einem Eckball landete die Kugel über Umwege beim Talent. "Der Ball fällt mir vor die Füße. Ich brauche ihn aus einem Meter nur reinschießen. Einfacher geht es nicht", sagte Krüger.

In allen drei Partien, die er für Aue absolvierte, war der gebürtige Staßfurter an einem Tor der Veilchen beteiligt. Gegen Bochum und Regensburg legte er für Pascal Testroet auf. "Besser hätte ich es mir nicht ausmalen können. Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Überragend. Ein tolles Gefühl", sagte Krüger. Testroet fand nur lobende Worte für seinen Sturmpartner: "Er gibt nie auf, kann mit rechts und links abschließen, hat den Torinstinkt und ist trotzdem ein absoluter Teamspieler. Drei Spiele, drei Scorerpunkte - diese Quote hätte ich in dem Alter auch gern gehabt."

Einziger Wermutstropfen für die Erzgebirger war am Sonnabend die Verletzung von Nicolai Rapp. Der Verteidiger musste nach 32 Minuten wegen einer Knöchelblessur ausgewechselt werden. (sesi)

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