FCE-Trainer Dotchev: Ich weiß, was ich zu tun habe

Der FCE-Trainer über den Männel-Schock, seinen Vertreter für drei Spiele, den neuen Hoffnungsträger im Tor und weitere Personalien

Fußball-Zweitligist FC Erzgebirge Aue hat nach acht Spieltagen nur sieben Punkte auf dem Konto. Diese Ausbeute ist unbefriedigend. Das weiß auch Trainer Pavel Dotchev, der jedoch sicher ist, dass die Veilchen die Kurve bekommen. Thomas Treptow sprach mit der 51-jährigen Fußballlehrer.

Freie Presse: Herr Dotchev, haben Sie ein dickes Fell`?

Pavel Dotchev: Nein. Ich bin kein Typ, der ein dickes Fell hat. Aber ich verfüge über eine gewisse Erfahrung und weiß, worum es in bestimmten Situationen geht. Mich beunruhigt nichts, weil ich weiß, was ich zu tun habe. Ich bin jedoch ein sehr gründlicher Mensch und mag keine Oberflächlichkeit.

Ärgert es Sie, wenn bereits von einer Krise in Aue geschrieben wird, oder lässt Sie das kalt?

Das ist eine ganz einfache Sache: Ich lese das nicht und schütze mich dadurch vor der Öffentlichkeit. Ich lese nur, was mich interessiert, zum Beispiel Fachliteratur aus dem Sport. Anderes versuche ich abzublocken, weil es mich nur irritiert, beeinflusst und nicht wirklich hilft. Wenn ich alles lese, dann fange ich an, daran zu denken, und dann denke ich nicht mehr frei. Das ist auch eine Sache, die ich gelernt habe.

Die Situation mit sieben Punkten aus acht Spielen ist aber auch für Sie unbefriedigend. Was lief zuletzt schief?

Ich denke, dass wir die englische Woche mit dem Sieg in Dresden sehr gut angefangen haben. Gegen Bielefeld konnten und wollten wir nachlegen, aber der Ausfall von Martin Männel hat die Stimmung bei uns rasch verändert. Er wurde mit dem Krankenwagen abtransportiert und alle wussten, dass es eine ernsthafte Sache ist. Schon in der zweiten Hälfte war die Mannschaft gedanklich noch bei Martin. Prompt agierten wir zu passiv. Das 1:1 war angesichts der zwei Halbzeiten ein realistisches Ergebnis.

Drei Tage später hieß der Gegner Karlsruhe ...

Ein schweres Spiel. Der Gegner stand mit dem Rücken zur Wand. Der KSC-Trainer hatte nichts mehr zu verlieren, riskierte viel, setzte voll auf Offensive - und wir haben noch nicht die Qualität und die Erfahrung, mit wenig Aufwand in der 2. Liga erfolgreich zu sein. Wir müssen immer ans Limit gehen. Und in sechs Tagen in drei Spielen ans Limit zu gehen, ist für uns nicht möglich. Zudem denke ich, dass wir in Karlsruhe nicht daran geglaubt haben, dass wir etwas holen können.

Haben Sie das Negativerlebnis mit ins Bochumspiel genommen?

Ja, wir waren gegen ein Team, das für mich die beste Offensive in der Liga hat, verunsichert. Trotzdem waren wir nicht chancenlos, beim 2:2 war die Partie offen. Wir können sogar in Führung gehen und gewinnen eventuell. Aber wir haben verloren, und damit wird automatisch eine schlechte Stimmung verbreitet. Ich will damit nur sagen, dass es Erklärungen für die zwei Niederlagen gibt. Solche Phasen, die ich nicht als Krise sehe, werden immer wieder kommen. Da müssen wir ruhig bleiben, zusammenrücken, Stärke zeigen und an uns glauben - trotz aller Kritik von außen.

Sie haben sich nach Martin Männels Verletzung sofort auf Robert Jendrusch festgelegt, jetzt aber mit Daniel Haas einen neuen Torwart geholt. Warum das?

Die Entscheidung für Robert ist ohne Diskussionen schnell gefallen. Wir haben aber gesagt, dass wir drei Spiele abwarten und dann, wenn nötig, in der Länderspielpause reagieren. Robert hat seine Sache ordentlich gemacht. Das Problem ist, dass die Mannschaft ihm nicht ausreichend geholfen hat. Das passte nicht zusammen. Ich denke jetzt, dass Robert noch zu unerfahren für die 2. Liga ist, vor allem fehlt ihm Spielpraxis. Wenn wir fünf, sechs Punkte mehr hätten und Selbst- bewusstsein ausstrahlen würden, dann wäre es für ihn leichter gewesen. Aber er kommt in eine Mannschaft, die momentan Probleme hat, wobei ich mir sicher bin, dass wir die Kurve bekommen. Ich bin der Letzte, der daran zweifelt. Das ist wichtiger, als sich mit einer Krise, die es nicht gibt, zu beschäftigen.

Wie kam die Verpflichtung von Daniel Haas zustande?

Nach der Männel-Verletzung wurden uns sofort Torhüter von Beratern angeboten. Das sind die Mechanismen. Daniel wurde mir auch von Ante Covic, einem Freund, der die U 23 der Hertha trainiert, empfohlen. Er sagte: "Das ist ein wahnsinniger Typ, denk an ihn, wenn Bedarf auf dieser Position ist." Daniel kenne ich auch von früher. Er ist erfahren, deutschsprachig, kennt Aue als Spieler und die Konstellation mit Martin Männel. Er kann sich einordnen und bringt trotzdem Persönlichkeit mit. Ich habe mehrere Gespräche mit Kollegen geführt. Nicht einer hat irgendetwas Negatives über Daniel erzählt. Als ich ihn angerufen habe, sagte er: "Ich brauche eine halbe Stunde." Das war das erste Signal, das mir sagte, der Junge ist richtig. Drei Stunden später war er da.

Was erwarten Sie von ihm?

Nichts. Das heißt: nichts Besonderes. Ich erwarte, dass er das macht, was er kann. Er muss nichts Überirdisches leisten, nur seinen Job gut erledigen.

Warum ist Adam Susac, der im Vorjahr in der Innenverteidigung eine solide Saison gespielt hat, momentan keine Alternative für die Startelf?

Eine solide Saison, da bin ich bei Ihnen. Nach Adams Verletzung noch in der 3. Liga hatte ich aber das Gefühl, dass Julian Riedel diese Rolle übernehmen kann. Er ist spiel- und laufstark, schnell, ein moderner, in Leverkusen gut ausgebildeter Innenverteidiger. In der Saisonvorbereitung hatte er gegenüber Adam die Nase vorn. Leider Gottes hing Julian - mit dem wir aber auch in Dresden und Sandhausen gewonnen haben - zuletzt bei drei Gegentoren mit drin. Das schmälert seine Leistung. Ich möchte jetzt aber nicht wieder einen Schritt zurückgehen. Julian braucht Rückendeckung, und die bekommt er. Letztendlich denke ich einfach, dass er momentan einen Tick besser ist als Adam Susac.

Eine weitere Personalie, die diskutiert wird, ist Clemens Fandrich. Warum spielt er nicht?

Ich habe nichts gegen Clemens, im Gegenteil. Er trainiert und macht sich gut. Gegen Bochum wollte ich ihn schon bringen, habe dann aber darauf verzichtet, weil ich nach dem 2:3-Rückstand einen zweiten Stürmer eingewechselt habe. In der Vorbereitung war ich mit Clemens definitiv nicht zufrieden, er hat mir nicht gut gefallen. Jetzt kommt er besser in Tritt, stabilisiert sich. Er ist nah dran. Ob er eine Option für die Startelf bei St. Pauli ist, weiß ich noch nicht, aber er bietet sich an.

In der Länderspielpause wollten Sie personell einiges ausprobieren. Hat sich dabei im Hinblick auf die Partie beim FC St. Pauli bereits Konkretes herauskristallisiert?

Ich hoffe, dass sich Sebastian Hertner wieder auf links durchsetzt. Und wenn Calogero Rizzuto, ein wichtiger Leistungsträger, zurückkommt, dann haben wir auf den Außenverteidigerpositionen mehr Struktur und Stabilität. In Gera möchte ich auch die Kombination Fabian Kalig in der Innenverteidigung ausprobieren.

Was stimmt Sie positiv, dass Aue das Ruder herumreißt?

Ich weiß, dass wir zwei- oder dreimal in Folge verlieren können. Aber wir können auch zwei- oder dreimal in Folge gewinnen. In keinem Spiel war der Gegner bis jetzt besser als wir. Ich sehe, wie hart die Jungs arbeiten, und weiß, dass die Mannschaft die Kraft, den Willen und die Qualität hat, wieder zu gewinnen. Wir werden uns von schwierigen Phasen nicht verunsichern lassen, daraus lernen und es besser machen.

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