Höhenflug der Veilchen ist beendet

Fußball-Zweitligist FC Erzgebirge Aue verliert nach einer schwachen Vorstellung mit 1:3 (0:1) bei Arminia Bielefeld. Die Mängelliste ist diesmal recht lang.

Bielefeld.

Vor der Partie bei Arminia Bielefeld geisterten Wörter wie "Tabellenführer" oder "Startrekord" durch die Auer Fußballlandschaft. Schöne Träumereien, die besonders in Fankreisen erlaubt und beliebt sind. Angesichts von - inklusive des DFB-Pokals - bisher drei Siegen in drei Spielen erschienen sie auch nicht gänzlich abwegig. Doch nach dem 1:3 (0:1) bei den Westfalen dürften alle wieder auf dem Boden der Realität gelandet sein. Die Spieler sind es. "Selbst wenn das Ergebnis um ein, zwei Tore höher ausgefallen wäre, hätte es das Kräfteverhältnis widergespiegelt", urteilte Torwart Martin Männel am Sonnabend.

Eine korrekte Einschätzung des Kapitäns. Die schwachen Veilchen kamen auf der Alm noch gut weg. Zwar mangelte es nicht am Willen, ein besseres Ergebnis einzufahren, aber an der Umsetzung. "Wir haben insgesamt zu viele kleine Fehler gemacht: einfache Ballverluste, technische Mängel, schlechte Spielverlagerung, fahrig und mutlos im Übergangsspiel, zu wenig gewonnene Zweikämpfe besonders in der ersten Halbzeit", zählte Daniel Meyer auf. Eine lange Liste, die der FCE-Trainer sogar noch verlängerte: "Die Flanken-Qualität war katastrophal."

Dass die Gäste nach einem passablen Beginn in die Defensive gerieten, hatte Gründe. So passte sich das Team von Trainer Uwe Neuhaus, immer besser der taktischen Aufstellung der Auer an. Diese agierten mit einer Dreierkette, in der Dominik Wydra nach überstandenem Magen-Darm-Infekt den verletzten Sören Gonther ersetzte. Neben ihm spielten Marko Mihojevic und Filip Kusic. Rechts außen gab Tom Baumgart sein Startelfdebüt in der Liga. Calogero Rizzuto beackerte die für ihn eher ungewohnte linke Abwehrseite. Doch der Deutschitaliener spielte schwach. "Seine Tagesform war überschaubar", drückte es Meyer milde aus, verwies aber auch auf die schmale Personaldecke für diese Position. "Dennis Kempe ist noch verletzt, da gibt es nicht so viele Optionen auf der Bank."

Besser sieht es im Angriff aus. Doch auch das Sturmduo Pascal Testroet und Florian Krüger blieb blass, entwickelte kaum direkten Zug zum Tor. Die Qualität der Möglichkeiten hielt sich im Gegensatz zu den Bielefelder Chancen in Grenzen. "Der eingewechselte Daferner hatte die meisten Torschüsse und Torvorlagen. Dann sieht man ein bisschen, was vorher das Problem war", legte Meyer den Finger in die Wunde. So richtig schmerzte aber das zweite Gegentor. War das 1:o (21.) durch einen Kopfball des nach einem Eckball völlig freistehenden Joakim Nilsson schon ärgerlich, brachte das 2:0 (52.) durch Bielefelds "Waffe" Fabian Klos den FCE-Coach richtig in Wallung. Krüger verlor im Mittelfeld den Ball, Manuel Prietl steckte zum 1,94-Meter-Hünen durch und dieser umkurvte auch noch Männel. "Dieser Ballverlust war eine Katastrophe. Zudem gab es null Kommunikation mit Riese, der an Krüger vorbei in die Tiefe sprintet. Solche Fehler darfst du dir auf diesem Niveau nicht erlauben. Das war der Knackpunkt des Spiels", haderte Meyer.

Bei allem Ärger sah der Auer Trainer jedoch auch Positives, lobte das Engagement von Mihojevic, Jan Hochscheidt, Dimitrij Nazarov und Christoph Daferner. Die Leihgabe vom SC Freiburg brachte nach seiner Einwechslung Schwung und köpfte nach Ecke von Philipp Riese den Anschlusstreffer (79.). Die Gäste, die auch das System umstellten, witterten aber nur kurz Morgenluft. Der eingewechselte Hikmet Ciftci traf Klos im Strafraum am Bein, der Angreifer fiel blitzartig, und Andreas Voglsammer verwandelte den fälligen Elfmeter sicher. "Da war der Drops gelutscht", stellte Männel lakonisch, aber korrekt fest.

Der Höhenflug der Auer, die zuvor bei Greuther Fürth und gegen Wehen Wiesbaden gesiegt hatten, ist damit beendet. Wobei die Profis die Lage offenbar ganz gut einordnen können. "Man muss sich nur das Auftaktprogramm angucken, mit zwei Gegnern, gegen die man punkten kann. Bielefeld ist immer schwer - und jetzt kommt der VfB Stuttgart. Da kann man sich ausrechnen, wo wir die Punkte holen müssen. Und diese Aufgabe haben wir erfüllt", meinte Hochscheidt. Auch wenn träumen schön sein kann, die Auer Realität in der 2. Fußball-Bundesliga sieht eben anders aus - mit Tabellenplatz vier indes immer noch sehr gut.

Statistik Bielefeld: Ortega - Clauss, Behrendt, Nilsson, Hartherz - Prietl (V) - Edmundsson (74. Schütz), Yabo (83. Salger) - Hartel (90.+1 Soukou), Klos, Voglsammer; Aue: Männel - Mihojevic, Wydra (81. Ciftci), Kusic (V) - Baumgart, Riese, Hochscheidt, Nazarov, Rizzuto - Krüger (72. Zulechner/V), Testroet (67. Daferner); SR: Thomsen (Kleve), Zu.: 15.021, Tore: 1:0 Nilsson (21.), 2:0 Klos (61.), 2:1 Daferner (76.), 3:1 Voglsammer (85./FE).

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