"Ich habe einfach weggeräumt, was auf den Platz geflogen ist"

Der gebürtige Freiberger Philipp Pentke wurde beim denkwürdigen Relegationsspiel in München zum Platzwart

Freiberg.

Im besten Torhüteralter hat Fußballprofi Philipp Pentke den Höhepunkt seiner Karriere erreicht: Mit Jahn Regensburg ist er am Dienstagabend in die 2. Bundesliga aufgestiegen. Thomas Reibetanz sprach mit dem 32-Jährigen, der von 2009 bis 2015 beim Chemnitzer FC spielte.

Freie Presse: Herr Pentke, es ist Mittwochvormittag, der Aufstieg erst wenige Stunden her. Wieso sind Sie schon wach?

Philipp Pentke: Wir haben relativ gesittet gefeiert. Zwar mussten wir auf der Fahrt von München nach Regensburg erst mal eine Tankstelle plündern, aber die richtige Aufstiegsfete steigt ja erst am Abend in Regensburg. Allerdings ohne mich. Ich bin schon auf dem Weg in den lang gebuchten Urlaub.

Musste dieser Urlaub um ein paar Tage verschoben werden, oder hatten Sie die Termine der Relegationsspiele bei der Planung bedacht?

Nein, wir mussten nichts verschieben. Ich bin Optimist. Wir haben so gebucht, dass es erst nach den Relegationsspielen losgeht. Dass wir die als Vorjahres-Aufsteiger überhaupt erreicht haben, ist eine kleine Sensation. Dass wir nun auch den Aufstieg geschafft haben, ist ein Traum - aber auch das Ergebnis harter gemeinsamer Arbeit mit einer absolut eingeschworenen Truppe.

Die Sie als Kapitän in die zwei Relegationsspiele gegen 1860 geführt haben. Nach dem 1:1 im Hinspiel gab es einen 2:0-Sieg in München. Wie haben Sie dieses denkwürdige Spiel erlebt?

Aus sportlicher Sicht eher ruhig. Ich hatte nicht allzu viel zu tun, die Mannschaft hat ein überragendes Spiel abgeliefert. Was dann kurz vor Ende der Partie passiert ist, muss man aber nicht unbedingt jedes Wochenende haben.

Sie sprechen von den randalierenden Münchner Fans. Was haben Sie davon mitbekommen?

Es war schon die ganze zweite Halbzeit lang unruhig hinter mir. Als immer mehr Polizei aufmarschierte, dachte ich mir schon, dass das unangenehm werden könnte. Ich habe dann mitbekommen, dass die Löwen-Fans den Zaun eintreten und den Platz stürmen wollten. Dann kamen Sitzschalen und Eisenstangen geflogen. Getroffen wurde ich aber zum Glück nicht. Das Spiel wurde dann ja auch unterbrochen.

Und wieder angepfiffen. Hatten Sie keine Angst?

Angst nicht. In einem anderen Interview habe ich aus Spaß gesagt, ich sei so etwas gewohnt, weil ich ja aus dem Osten komme. Das war aber scherzhaft gemeint. Im Osten habe ich Ausschreitungen in diesem Ausmaß nie erlebt. In München habe ich die Ruhe bewahrt, weil ich es nicht noch schlimmer machen wollte. Und weil ich wollte, dass das Spiel weitergeht. Immerhin haben wir 2:0 geführt.

Und dann war da die Absprache mit dem Schiedsrichter ...

Stimmt. Ich habe mich mit ihm abgestimmt, dass die Sicherheit zwar immer vorgeht, dass ich aber einfach wegräumen werde, was auf den Platz fliegt. Das habe ich dann auch gemacht. Solange ich nicht getroffen werde, sollte es weitergehen.

Jetzt ist der Aufstieg geschafft. Ihr größter Erfolg?

Rein sportlich gesehen, ja. Ich gehörte bei 1860 München und in Augsburg zwar schon zu den Zweitliga kadern, habe dort aber nur auf der Bank gesessen. Jetzt wird es das erste Mal sein, dass ich in dieser Liga auch spiele. Also - ich gehe mal davon aus, dass ich in der kommenden Saison auch spielen darf (lacht) .

Worauf freuen Sie sich besonders? Auf das Spiel gegen Ihren Jugendverein Dynamo Dresden?

Nicht nur das. Da sind schon geile Spiele dabei. Gegen Dresden, aber auch gegen St. Pauli oder Union Berlin wird es sicher spannend. Aber jetzt ist erst einmal Pause.

Gestartet ist Ihre Fußballkarriere in Freiberg beim BSC. Verfolgen sie dessen Werdegang noch?

Nur ganz am Rande. Es bleibt zu wenig Zeit. Gezwungenermaßen musste ich mich jetzt aber mit meinem Ex-Club in München beschäftigen. Was dort passiert ist schlimm gegenüber denen, die jahrelang ehrliche Arbeit geleistet haben. Ich habe Herzen zerbrechen sehen. Auch den CFC verfolge ich weiterhin. Dazu möchte ich aber nichts mehr sagen.

Sechs ehemalige Chemnitzer verhelfen Regensburg zum Durchmarsch - Lais mit betäubtem Zeh

Neben Philipp Pentke, der 2015 vom Chemnitzer FC nach Regensburg wechselte, haben noch fünf weitere ehemalige Spieler des CFC großen Anteil am Durchmarsch des SSV von der Regionalliga in die 2. Bundesliga.

Kolja Pusch und Marc Lais erzielten die entscheidenden Tore beim 2:0 über 1860. Lais glückte der Treffer trotz einer Zehenverletzung. "Am Spieltag konnte er früh nicht laufen. Am Nachmittag hat er beim Spaziergang am See seinen Fuß ins eiskalte Wasser getaucht. Danach wurde es besser", berichtete Jahn-Coach Heiko Herrlich von der Betäubungstherapie.

Auch Marcel Hofrath leistete als Linksverteidiger seinen Aufstiegsbeitrag. Nicht mitwirken konnten in der Relegation verletzungsbedingt Markus Ziereis und Alexander Nandzik.

Alle sechs Profis mit CFC-Vergangenheit wurden in der Amtszeit von Cheftrainer Karsten Heine für nicht mehr gut genug befunden. (tre)

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