Kuss aufs Knie und Luxusprobleme beim FCE

Mit einem Traumtor hat Jan Hochscheidt den FC Erzgebirge zum 1:0-Sieg über Arminia Bielefeld geschossen. Das bringt ein kleines Polster auf die Abstiegszone der 2. Bundes- liga und neue Herausforderungen für den Trainer.

Aue.

Schon wieder so ein Tor des Monats: Nazarov bedient Kempe, der passt auf Hochscheidt, Aues Nummer 7 nagelt den Ball mit links an die Unterkante der Torlatte. Von da springt die Kugel ins Tor, hinten ans Gestänge - und wieder raus. In Sekundenschnelle. Vielen im Stadion war gar nicht sofort klar, dass sie in dieser 66. Minute gerade den Siegtreffer des FC Erzgebirge gegen Arminia Bielefeld gesehen hatten. Dem Torschützen schon: "Es ging in dieser Situation gar nicht anders, ich musste den Ball direkt aufs Tor bringen. Ich war wirklich froh, dass endlich mal wieder einer über die Linie gegangen ist", strahlte Hochscheidt, der beim 1:1 in Dresden noch eine Reihe Chancen hatte liegen lassen.

Als erster Gratulant war Passgeber Dennis Kempe zur Stelle, küsste dem Kollegen das rechte Knie. Das Gelenk hatte in der vergangenen Woche großen Ärger gemacht, Hochscheidt deswegen kaum trainiert, auch vor dem Spiel gegen Bielefeld erst nach einem letzten Belastungstest am Samstagvormittag grünes Licht gegeben. Im Match vergaß er alle Schmerzen: Hochscheidt war der auffälligste Veilchen-Akteur, störte die Arminen mit aggressivem Pressing oft erfolgreich im Aufbau, gewann die meisten seiner Zweikämpfe, hatte viele gescheite Ideen.

Ob der beste Mann auf dem Platz sich mit dem Treffer belohnt habe? Trainer Daniel Meyer tat sich mit einer Antwort auf diese Frage schwer: "Ich mag heute eigentlich keinen herausheben", sagte der Coach, "der Erfolg ist das Ergebnis einer starken Mannschaftsleistung. Vor allem, was Malcolm Cacutalua und John-Patrick Strauß gezeigt haben, verdient höchste Anerkennung." In der Tat: Die Vertreter der gesperrten Nicolai Rapp im Abwehrzentrum bzw. Calogero Rizzuto auf der rechten Außenbahn agierten wie Stammkräfte: keinerlei Anpassungs- oder Abstimmungsprobleme, null Nervosität. "Das ist eine unserer Stärken", erklärt auch Hochscheidt, "jeder, der reinkommt, bringt Leistung, macht einen klasse Job. Und das ist bestimmt nicht immer so einfach, der Konkurrenzkampf im Team ist derzeit wirklich groß, vor allem in der Offensive."

Das vordere Trio tauschte Meyer im Verlauf der Partie komplett aus. Statt Hochscheidt, Testroet und Bertram am Anfang waren am Ende Kvesic, Nazarov und Iyoha auf dem Platz. Kein Bruch, aber trotz mehrerer guter Konteransätze auch kein zweites Tor. Der einzige Kritikpunkt am Spiel der Erzgebirger gegen körperlich robuste und kämpferisch starke, aber spielerisch sehr limitierte Gäste: aus den eigenen Angriffen sprang zu wenig heraus. Die Pässe kamen mehrfach zum falschen Zeitpunkt oder ungenau, bei Bertrams Schuss (53.) nach Hochscheidts starker Vorarbeit fehlte nur ein halber Meter zum Glück, meistens aber mehr. Pascal Testroet spielte den Ball mehrfach in die Bielefelder Abwehrbeine, wo er selbst Zug zum Tor hätte entwickeln müssen, ein Kopfball als gefährlichster Abschluss des ehemaligen Bielefelders landete in den Händen von Arminia-Keeper Philipp Klewin.

Nicht viel, aber genug. Denn Martin Männel musste auf der anderen Seite bei Flanken und Ecken zwar immer hellwach sein, hatte in den ganzen 90 Minuten aber nicht einen einzigen gefährlichen Schuss abzuwehren. "In den letzten drei Spielen stimmte das Ergebnis nicht, aber unsere Leistung. Heute war nicht nur das Ergebnis, sondern auch unsere Leistung schlecht", bekannte Gästetrainer Jeff Saibene nach der vierten Niederlage in Folge. Schon nach 13 Minuten war Arminia-Kapitän Fabian Klos verletzt vom Platz gehumpelt, Sven Schipplock kein gleichwertiger Ersatz.

Vor allem ist das Resultat, dass dem FC Erzgebirge den ersten Sieg über die Ostwestfalen seit Februar 2011 und nun fünf Punkte Abstand zu Relegationsplatz 16 verschafft, ein Ergebnis konzentrierter Arbeit in der Defensive. Daniel Meyer beschert das nun sogar ungeahnte Luxusprobleme. Ob es ihm denn nun schwerfalle, am Sonntag die dann wieder spielberechtigten Rapp und Rizzuto in seine Startelf zu beordern? "Nein", antwortet er, "aber es fällt mir sehr schwer, Cacutalua und Strauß auf die Bank zu setzen. Bei uns ist im Moment das Bessere der Feind des Guten." Jan Hochscheidt sagt: "Wir haben die Saison schlecht angefangen, uns jetzt stabilisiert. Jetzt belohnen wir uns endlich für den Aufwand, den wir betreiben. So kann es weitergehen."

Statistik Aue: Männel - Kalig, Breitkreuz, Cacutalua - Strauß, Riese (V), Fandrich, Kempe - Hochscheidt (76. Kvesic) - Testroet (66. Nazarov), Bertram (59. Iyoha). Bielefeld: Klewin - Brunner (V/71. Clauss), Behrendt, Salger, Hartherz - Edmundsson, Seufert (V/75. Owusu/V), Prietl, Massimo - Klos (13. Schipplock), Voglsammer. Schiedsrichter: Waschitzki (Essen). Zu.: 8050. Tor: 1:0 Hochscheidt (66.)

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