Meyers Ideen für die Veilchen: Anschieben mit Samthandschuh

Der Auer Trainer wünscht sich beim FC Erzgebirge mehr Unterstützung. In der Länderspielpause gab es bereits ein Gespräch mit den Verantwortlichen - Meyers Vertrag war jedoch kein Thema.

Aue.

Mit 15 Profis stand Daniel Meyer diese Woche im Lößnitztal auf dem Trainingsplatz. Die fehlenden Schützlinge des Trainers kurieren in der Länderspielpause Verletzungen aus oder sind zu Auswahlteams abgestellt. "Taktisch zu arbeiten, das ist schon schwer", sagt Meyer. Klingt nach ruhigen Tagen, bevor nächste Woche die Vorbereitung auf das Sachsenderby gegen Dynamo Dresden am 1. April losgeht.

Der 39-Jährige nutzt die Zeit, um der Vereinsführung aufzuzeigen, welche Baustellen er beim Zweitligisten sieht. Am Montag traf er sich mit den Verantwortlichen um FCE-Präsident Helge Leonhardt. Ein Thema dürfte definitiv der zuletzt geschrumpfte Trainerstab gewesen sein. Der bis Sommer freigestellte Co-Trainer Robin Lenk wird bisher interimsmäßig von Carsten Müller ersetzt, dessen eigentliche Aufgabe die Leitung des Nachwuchsleistungszentrums ist und in Zukunft weiterhin sein wird. Für den im Winter aus dem Trainerteam abberufenen Athletiktrainer Werner Schoupa gab es keinen Ersatz. Marc Lorius, der vor der Saison als Unterstützung für Schoupa verpflichtet wurde, kümmert sich derzeit als einziger Spezialist um die Fitness der Mannschaft.

Meyer sieht Bedarf. Was bei Ligakonkurrenten ganze Abteilungen erledigen, teilt sich der übersichtliche Auer Trainerstab - und stößt dabei logischerweise an Grenzen. "Wir müssen immer wieder Prioritäten setzen und haben daher in einigen Bereichen Luft nach oben", erklärt Meyer und benennt das Scouting von potenziellen Neuzugängen und die Videoanalyse in der Spielvorbereitung als die Felder, in denen er sich mehr Unterstützung wünscht.

Verlangt Meyer zwei neue Assistenten? "Das bedeutet nicht, dass wir in den beiden Bereichen einen Spezialisten brauchen. Wir müssen nicht unseren Apparat aufplustern. Wir können einen Co-Trainer suchen, der beispielsweise exzellent in der Videoanalyse ist. Wenn wir wenige sind, müssen die wenigen gut sein und mehrere Themen abdecken", erklärt Meyer und hat bereits eine Idee, wer ein Co-Trainer mit dem Anforderungsprofil einer eierlegenden Wollmilchsau sein könnte. "Ein Fußballlehrer kann theoretisch auch alles allein, aber ich als Cheftrainer habe nicht die Zeit für alles. Vielleicht finden wir aber jemanden, der nicht in der ersten Reihe stehen und mit Dreck beschmissen werden will. Vielleicht brauchen wir aber auch jemanden zusätzlich. Ich sehe das ergebnisoffen."

Meyers Ideen gehen weit über die Besetzung hinaus. Ein Beispiel: Der durch den Schnee arg ramponierte Rasen im Erzgebirgsstadion ärgerte den 39-Jährigen, und er sprach sich dafür aus, dass das vorhandene Personal unterstützt wird.

Der Trainer weiß, dass er mit seinen Vorstellungen nicht gerade offene Türen einrennt. Der Grund, warum die Auer seit 2003 13 Spielzeiten in der 2. Bundesliga verbracht haben und nicht auf einem Schuldenberg sitzen, ist, dass man nicht der Versuchung erlag, über seine Verhältnisse zu leben. "Ich will für die Themen sensibilisieren. Am Ende liegt es ja nicht in meiner Entscheidungsgewalt", betont Meyer. "Wir haben noch ein Folgetermin, arbeiten nicht gegeneinander. Der Vorstand kann Dinge anders einschätzen. Es geht darum, die Köpfe zusammenzustecken und eine gute Lösung für den Verein zu finden."

Dass sein Vertrag im Sommer 2020 ausläuft, darüber wurde nicht gesprochen. "Weder ich noch jemand anderes hat das thematisiert. Ich sehe da aktuell auch keine Veranlassung", sagt Meyer und fügt an: "Aus Erfahrung weiß ich, dass es immer mehr zum Thema wird, wenn das Vertragsende näherrückt. Ich halte das aus, brauche das nicht als Sicherheit. Der Verein wird auf mich zukommen, wenn man der Meinung ist, dass es passt - wenn nicht, springe ich auch nicht von der Brücke. Ich kokettiere auch nicht damit, den Verein zu verlassen. Sonst würde ich mir auch nicht so viele Gedanken machen. Ich könnte die Länderspielpause auch einfach nutzen, um alle viere von mir zu strecken."

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