Nach schwacher erster Halbzeit wird Meyer richtig laut

Der FC Erzgebirge Aue beendet die Saison der 2. Bundesliga auf Platz 14. Bei der 0:1-Niederlage in Darmstadt bestätigen die Veilchen mal wieder ein altes Vorurteil.

Darmstadt.

Ein Spiel, in dem es um nichts mehr geht. Der FC Erzgebirge spielt nur dann richtig gut, wenn er mit dem Rücken zur Wand steht und wirklich muss. Diesen Meinungen wollte Aues Trainer Daniel Meyer in der vergangenen Woche unbedingt vorbeugen. Pascal Testroet hatte die Partie in Darmstadt zum Endspiel ausgerufen. Mit einem Sieg hätte man die Lilien in der Tabelle noch überholen können. Und Meyer wollte den erfolgreichen Saisonabschluss für ein gutes Sommerpausengefühl.

Das wollten aber auch die Hausherren, und gaben am Sonntagnachmittag auf der "Baustelle" am Böllenfalltor erst einmal ordentlich Gas. Bei Yannick Starks Kopfball, den FCE-Keeper Robert Jendrusch mit einer Glanzparade zur Ecke abwehrte, war das Führungstor der Hessen nah (11.), vier Minuten später dann fällig: Stark flankte auf den im Strafraum völlig allein gelassenen Tobias Kempe, der noch Fabian Kalig umkurvte und den Ball zum 1:0 ins lange rechte Eck schlenzte (15.). Tom Baumgart hatte Kempe aus den Augen verloren.

Damit waren die Darmstädter erst einmal zufrieden und schalteten einen Gang herunter, die Erzgebirger aber keinen rauf. Kaum ein Zweikampf wurde gewonnen. Die vielen ungenauen Pässe im Spielaufbau ärgerten die rund 1300 mitgereisten Veilchen-Fans und den Trainer. Bis auf zwei Direktabnahmen von Robert Herrmann, die den Kasten jeweils deutlich verfehlten (5./18.) und eine Chance für Testroet, dessen Flachschuss SV-Schlussmann Heuer Fernandes entschärfte (23.), war vom FCE nichts zu sehen. "Das war unsere schlechteste erste Halbzeit der ganzen Saison. So kann man kein Spiel gewinnen", bekannte später Dominik Wydra.

Und deswegen wurde Daniel Meyer zur Pause in der Kabine sehr laut. Die Ansprache zeigte Wirkung, in der zweiten Halbzeit war ein engagierterer FCE auf dem Platz - und an Stelle von Herrmann auch Calogero Rizzuto. Der Phantom-Torschütze vom vergangenen Jahr hatte sich fest vorgenommen, diesmal einen Treffer zu erzielen, der dann auch zählt. Dreimal zog Rizzuto aus der Ferne gefährlich ab, dreimal war Heuer Fernandes zur Stelle (48./50./71.). Auch Rekordschütze Pascal Testroet versuchte es noch einmal, sein Saisontorekonto auf 16 aufzustocken, setzte den Ball aber zwei Meter rechts neben das Tor (58.) und fand später ebenfalls im starken Darmstädter Keeper seinen Meister (74.). Heuer Fernandes entschärfte auch Fandrichs Kopfball aus Nahdistanz (61.) - Aues beste Ausgleichschance überhaupt.

Auch die blieb ungenutzt, das Auer Punktekonto bei 40 stehen. Mit dem guten Sommerpausengefühl wurde es nichts. "Erklären kann ich mir das nicht. Aber das, was wir hier in der ersten Halbzeit angeboten haben, war inakzeptabel. Wenn wir irgendwann einmal höhere Ziele als den Klassenerhalt formulieren wollen, brauchen wir als Grundeinstellung den Ehrgeiz, jedes Spiel gewinnen zu wollen, auch am 34. Spieltag. Das habe ich heute vermisst", war Daniel Meyer auch nach dem Abpfiff noch bedient. "Mit Platz 10 hätte es eine wirklich gute Saison werden können. Jetzt stehen wir da, wo wir immer stehen."

Vier Wochen haben die Spieler jetzt frei und Gelegenheit, über die Worte des Trainers nachzudenken. Der selbst geht mit jeder Menge ungelöster Probleme in die Ferien. Die Verlängerung der Verträge mit Wydra und Rizzuto steckt in der Warteschleife, ebenso die beabsichtigte Aufstockung des Trainerstabes. Am 17. Juni bittet Meyer seine Schützlinge wieder zum Training und hofft, dass möglichst alle Stützen der Mannschaft auch dann noch an Bord sind. Und zudem ein paar neue Gesichter auftauchen. Das Sommertrainingslager führt der Verein in alter Wismut-Tradition an der Ostsee durch. Vom 7. bis 16. Juli geht es nach Göhren auf die Insel Rügen. Gelegenheit, an Grundlagen zu arbeiten: Das lila Pferd springt immer nur so hoch wie es unbedingt muss - diese Einstellung muss raus aus den Köpfen.

Statistik Darmstadt: Heuer Fernandes - P. Herrmann, Höhn (V), Wittek, Holland - Stark (74. Kamavuaka), Medojevic (66. Sirigu) - T. Kempe, Moritz, Mehlem (V/83. Platte) - Dursun. FC Erzgebirge: Jendrusch - Kalig, Wydra (V), Kusic - Riese, Fandrich (84. Horschig) - Baumgart (63. Iyoha), Hochscheidt, Herrmann (46. Rizzuto) - Nazarov, Testroet.

Schiedsrichter: Dietz (München). Zuschauer: 10.570. Tor: 1:0 T. Kempe (15.).

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