Nazarovs Doppelleben zwischen Bank und Nationalelf

Der Angreifer des FC Erzgebirge ist derzeit zweite Wahl in Aue. Gegen zwei Stars vom FC Barcelona und Real Madrid kann er aber Spielpraxis sammeln.

Aue.

Dimitrij Nazarov beschreibt seine derzeitige Situation beim FC Erzgebirge Aue folgendermaßen: "Im Fußball scheint nicht immer die Sonne, manchmal fällt Regen. Bei mir regnet es schon länger und aktuell kommt auch noch Schnee und Hagel und vieles mehr dazu." Warum der Offensivspieler derzeit so empfindet, liegt auf der Hand. Er bekommt nicht so viel Einsatzzeit, wie er es sich vorstellt. In der 2. Bundesliga stand er diese Saison nur dreimal in der Startelf, das letzte Mal im November. Seit der Winterpause wurde er zwar in fünf von sieben Partien eingewechselt, mehr als 20 Minuten sprangen jedoch nicht heraus.

Ob Nazarov am Freitagabend (18.30 Uhr) im Auswärtsspiel der Erzgebirger gegen Holstein Kiel mehr Möglichkeiten bekommt, sich zu beweisen, ist eher fraglich. Die Liste der Profis, auf die FCE-Trainer Daniel Meyer verzichten muss, ist zwar lang: Dennis Kempe und Steve Breitkreuz haben Trainingsrückstand, Malcolm Cacutalua ist verletzt, Clemens Fandrich und Calogero Rizzuto sind gesperrt und Tom Baumgart droht krankheitsbedingt auszufallen. Doch da in der Offensive das Trio Pascal Testroet, Emmanuel Iyoha und Jan Hochscheit fit und in Topform ist, dürfte für Nazarov einmal mehr nur ein Einsatz als Joker herausspringen.

Zumindest das Hinspiel gegen Holstein dürfte ihm Mut machen: In der 86. Minute beim Stand von 1:1 eingewechselt, sorgte er in der Nachspielzeit mit einem satten Schuss für den Auer 2:1-Sieg. Das zweite und letzte Tor Nazarovs in dieser Saison. "Gegen Duisburg habe ich eine Chance, die ich machen muss, gegen Paderborn hält der Torwart gut. In so einer Phase kommt dann auch alles zusammen. Wenn's läuft, gehen die mit Sicherheit rein", hadert der 28-Jährige. "In so kurzer Zeit überhaupt an den Ball zu kommen, ist schon schwierig - gerade in den letzten Minuten eines Spiels, in denen es häufig hektisch zugeht. Keiner kann von mir erwarten, dass ich in vier Minuten treffe. Ich werde aber alles raushauen, damit es klappt", erklärt er und fügt an. "Aber ich brauche keine Märchen zu erzählen: Ich bin mit den Einsatzzeiten unzufrieden."

Die Stimmung hellt sich bei Nazarov auf, wenn er an die nächste Woche denkt. Dann geht es für ihn mit der aserbaidschanischen Nationalmannschaft in der EM-Qualifikation gegen Kroatien und danach im Freundschaftsspiel gegen Litauen. "Die Vorfreude ist sogar noch größer als sonst, weil ich wahrscheinlich etwas länger spiele als fünf Minuten", sagt er mit einem süffisanten Lächeln. Im Abstiegskampf der 2. Bundesliga zweite Wahl, gegen die Stars des Vizeweltmeisters gesetzt - Nazarov führt ein Doppelleben. "Kroatien kommt mit der vollen Kapelle. Das sind Höhepunkte in einer Karriere, wenn man gegen Spieler wie Luka Modric von Real Madrid oder Ivan Rakitic vom FC Barcelona auf dem Platz steht. Die sieht man sonst nur im Fernsehen." Trotz seiner 37 Partien für Aserbaidschan ist er heiß auf jeden Einsatz. "Zwischen Länderspielen und der 2. Liga liegen Welten. In der Liga wird fast rumgehackt, das ist Überlebenskampf. International wird der Ball laufen gelassen, kommt das spielerische Element zum Tragen", schwärmt er.

Jeder Einsatz im Nationaltrikot macht den in der Sowjetunion geborenen Fußballer bekannter, "dadurch gibt es immer wieder Angebote anderer Vereine", sagt der Offensive. In Aue läuft sein Vertrag noch bis Sommer 2021. Dass er angesichts seiner Rolle beim FCE eine Offerte annimmt, davon geht er derzeit nicht aus: "Ich habe mich vor anderthalb Jahren bewusst dazu entschieden, vorzeitig zu verlängern, um mit Aue etwas aufzubauen. Ich werde das nicht wegen meiner jetzigen Situation über den Haufen werfen. Im Fußball geht es manchmal ganz schnell." Nach einem richtigen Unwetter strahlt die Sonne ohnehin umso schöner.

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