«Nicht ausflippen»: Aues Nazarov mahnt zur Bescheidenheit

Nach dem 2:1-Erfolg über Holstein Kiel kehrt wieder Ruhe bei Erzgebirge Aue ein. Dimitrij Nazarov, der den Siegtreffer mit viel Wut im Bauch erzielt hatte, fiebert bereits dem Sachsenduell bei Dynamo Dresden entgegen.

Aue (dpa) - Der Sieg kam von der Bank und sorgte für große Erleichterung beim FC Erzgebirge Aue. Durch den 2:1 (0:1)-Erfolg in letzter Minute über Holstein Kiel dürfte sich nach einer unruhigen Woche die Lage beim Fußball-Zweitligisten wieder entspannen. Für Siegtorschütze Dimitrij Nazarov war der Treffer auch eine kleine Genugtuung. Mit dem positiven Erlebnis im Rücken fiebern die Auer bereits dem Sachsenduell am 19. Oktober bei Dynamo Dresden entgegen. «Wir haben einen kleinen Schritt gemacht, dürfen deshalb aber nicht ausflippen», wirkte Nazarov nach dem Schlusspfiff innerlich zufrieden, aber keinesfalls euphorisch. Mit seinem Tor in der ersten Minute der Nachspielzeit sicherte der Nationalspieler Aserbaidschans den Auern drei wichtige Punkte im Kampf um den Klassenverbleib. Nazarov war erst kurz zuvor von Daniel Meyer für Sören Bertram eingewechselt worden (86.). Der Trainer, der zu Wochenbeginn von Vereinspräsident Helge Leonhardt für seine Rotation noch öffentlich kritisiert worden war, hatte diesmal alles richtig gemacht. Auch den zwischenzeitlichen Ausgleichstreffer hatte mit Emmanuel Iyoha (72.) ein Joker erzielt. «Der Fuß hat ein bisschen weh getan. Zum Glück ging der Ball rein. Alles weitere werde ich intern klären», lautete Nazarovs Antwort auf die Frage, wie viel Wut beim Abschluss dabei war. «Es ist klar, dass ich sauer bin, mehr spielen will und der Mannschaft helfen möchte. Ich werde weiter hart daran arbeiten, dass ich mehr Minuten bekomme.» Der 28-Jährige stand in dieser Saison nur ein Mal in der Startelf: am ersten Spieltag bei Union Berlin. Danach pendelte der Angreifer zwischen Bank, Tribüne und der Rolle des Jokers. Bereits bei der 2:3-Niederlage in Ingolstadt hatte Nazarov als Einwechsler getroffen. Gegen Kiel hat er erneut bewiesen, dass auf ihn Verlass ist. «Mich freut es einfach für die Mannschaft. Wir halten als Team zusammen - da kann kommen, was will», lobte Nazarov nicht nur den Zusammenhalt im Kader, sondern auch die Unterstützung der 7500 Zuschauer. Beim letzten Heimspiel gegen den SV Sandhausen von den eigenen Anhängern noch ausgepfiffen, wurde die Mannschaft gegen Kiel von den Rängen förmlich zum Sieg gepeitscht. «Ein Riesenkompliment geht an die Fans. In den letzten 30 Minuten wurde jeder Einwurf oder Freistoß lautstark bejubelt. Nur so geht es. Bei dieser Stimmung wird es für jeden Gegner brutal schwer, in Aue zu bestehen», hofft Nazarov, dass der Sieg Signalwirkung für die nächsten Wochen hat. «Ich weiß, dass die Fans und das Umfeld gern mehr erwarten, aber für Aue ist es unheimlich schwer, Spiele in der 2. Bundesliga zu gewinnen. Die Qualität wie andere Mannschaften haben wir nicht. Mit unseren Mitteln ist es immer eine große Herausforderung, am Saisonende über dem Strich zu stehen. Das vergessen viele», so Nazarov, der bereits große Lust auf das nächste Spiel verspürt. Nach der Länderspielpause wollen die Auer in Dresden an die gute Leistung vom Samstag anknüpfen, um beim sächsischen Rivalen ebenfalls zu punkten. «Wir müssen uns in den nächsten Tagen ordentlich auf die Partie bei Dynamo vorbereiten. Dort haben wir ohnehin etwas gutzumachen», erinnert sich Nazarov nur ungern an das Gastspiel in der vergangenen Saison. Mit 0:4 war der FC Erzgebirge im Dezember 2017 in Dresden förmlich untergegangen. Das soll sich am 19. Oktober nicht wiederholen.

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