Party ohne Feuerwerk

Unentschieden 1:1 trennte sich der FC Erzgebirge im letzten Heimspiel der Zweitligasaison von Greuther Fürth. Damit konnten fast alle sehr gut leben. Der Auer Trainer nicht.

Aue.

"Es wird keinen Sommerfußball geben. Den Klassenerhalt haben wir in der Tasche, aber trotzdem noch eine Menge zu gewinnen." So hatte es Daniel Meyer vor dem letzten Saisonheimspiel angekündigt. Und folgerichtig keine B-Elf, sondern die bestmögliche auf den Rasen geschickt. Drei Änderungen in seiner Startformation hatte der FCE-Trainer im Vergleich zum Spiel in Regensburg vorgenommen. An Stelle von Steve Breitkreuz verteidigte Jan Kral, an Stelle von Emmanuel Iyoha stürmte Elfmeterheld Dimitrij Nazarov. Und im Tor stand anstatt Martin Männel Robert Jendrusch. Der 22-Jährige absolvierte sein insgesamt viertes Zweitligaspiel.

Das dritte liegt allerdings mehr als zweieinhalb Jahre zurück. Am 30. September 2016 stand der Junge aus Schlema beim 2:4 daheim gegen Bochum zwischen den Pfosten. Martin Männel hatte sich neun Tage zuvor bei der Partie gegen Bielefeld (1:1) am Ellenbogen verletzt, Jendrusch musste rein, hütete auch bei der folgenden Auswärtspartie in Karlsruhe (Aue verlor 2:4) und eben gegen Bochum den FCE-Kasten. Dann wurde er vom flugs verpflichteten, erfahrenen Daniel Haas abgelöst. Am Sonntag begann Jendrusch durchaus nervös, segelte erst an einer Flanke vorbei, tändelte dann mit dem Ball vor der eigenen Kiste herum. Und in der 16. Minute lag der Ball zur Führung der Franken im Netz. Julian Green hatte eine Flanke von Maximilian Sauer eingeköpft. Da war Jendrusch, der insgesamt solide hielt, freilich machtlos.

Der FCE fand eine schnelle Antwort, glich die Partie nur vier Minuten später aus. Phlipp Riese bediente Jan Hochscheidt am rechten Strafraumeck, der schlenzte die Kugel mit seiner großen Übersicht und feinen Technik neben den linken Pfosten ins Fürther Tor. Es was der achte Treffer von Aues Nummer sieben in einer bärenstarken Saison. Dass Hochscheidt bei Rieses Zuspiel im Abseits gestanden hatte, ging dem Schiedsrichtergespann durch. "Abseits ist, wenn der Schiedsrichter pfeift", erklärte Hochscheidt später mit einem Grinsen. "Ich habe schon gesehen, dass es knapp ist. Leider haben wir das Spiel nicht gewonnen. Hinten raus haben wir etwas die Zielstrebigkeit vermissen lassen. Aber es war auch sehr schwer durchzukommen, weil so ziemlich alle Fürther vor dem eigenen Tor versammelt waren."

Das Unentschieden reichte beiden - den Hausherren, um die angestrebten 40 Punkte aufs Konto zu bringen, den Franken, um ein weiteres Jahr Zweitligafußball zu sichern. Und so ließen Tempo, Intensität und Kreativität in der zweiten Halbzeit zu wünschen übrig, die Partie verflachte, die Diskussionen auf der Tribüne drehten sich mehr und mehr um die auf der Anzeigetafel eingeblendeten, bemerkenswerten Spielstände auf den anderen Plätzen.

Daniel Meyer brachte dann wie angekündigt Mario Kvesic, der sich mit seinen 99. und letzten Spiel im Veilchen-Trikot nach vier Jahren aus Aue verabschiedete. Ein paar Dribblings probierte der 27-Jährige, einen Freistoß, der Greuther-Schlussmann Sascha Burchert ein paar kleine Sorgen bereitete, durfte er treten. Letzter Aufreger des Nachmittags war Fabian Reeses Schuss aus spitzem Winkel, der beinah die lila Laune verdorben hätte, letztlich aber doch knapp am linken Pfosten des FCE-Tores vorbeistrich (85.).

Dann war Schluss, und die Party, die vor dem Anpfiff mit einen Fanmarsch zum Stadion, dem Auftritt von Popstar Joris und einer Dankesrede von FCE-Präsident Leonhardt begonnen hatte, ging mit Freibier und der Band Engel in Zivil weiter. Die Stimmen waren zuweilen heiser, die Stimmung allseits bestens.

Außer bei Daniel Meyer, der mit dem Auftritt seiner Elf im zweiten Durchgang alles andere als zufrieden war. "Uns wird oft vorgeworfen, dass wir - wenn der allerletzte Druck fehlt - keine 100 Prozent anbieten. Heute wäre vor vollem Haus Gelegenheit gewesen, das Gegenteil zu beweisen. Dafür war das viel zu wenig", ärgerte sich der FCE-Trainer, bevor er doch wieder sein Lächeln aufsetzte und die Vertragsverlängerung mit Dennis Kempe verkündete. Dominik Wydra und Calogero Rizzuto sollen in den nächsten Tagen folgen.

StatistikFC Erzgebirge: Jendrusch - Kalig, Wydra, Kral (51. Kusic) - Baumgart (V/46. Krüger), Fandrich, Riese, Rizzuto - Hochscheidt - Nazarov (70. Kvesic/V), Testroet. Fürth: Burchert - Magyar, Caligiuri, Sauer, Wittek - Ideguchi (V/85. Jaeckel), Redondo, Seguin, Green - Atanga (71. Raum), Reese (89. Maloca) Schiedsrichter: Heft (Neuenkirchen). Zuschauer: 13.600. Tore: 0:1 Green (16.), 1:1 Hochscheidt (20.).


Zusammenhalt das Plus 

Entspannt wie selten verfolgte Helge Leonhardt das Spiel auf der Tribüne. Thomas Scholze sprach nach dem Abpfiff mit dem FCE-Präsidenten. 

Freie Presse: Ihr Fazit zur Partie?

Helge Leonhardt: Wir hatten uns vorgenommen zu gewinnen. Aber ich bin auch mit dem Punkt zufrieden.

Worin sehen Sie die Gründe für eine letztlich erfolgreiche Saison?

Die Mannschaft hat sich schnell gefunden. Alle - Spieler, Trainer, Vorstand, Fans - haben immer zusammengehalten und auch in kritischen Phasen die Ruhe bewahrt.

Die Personalplanungen werden jetzt forciert?

Ja. Wir werden fünf, sechs Leute verabschieden, dafür fünf, sechs Neue holen. Das erste Ziel wird auch im kommenden Spieljahr der Klassenerhalt sein, wie für 80 Prozent der Mannschaften dieser Liga.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...